Absturz von Schwarz-Rot: Merz-Regierung kämpft nach einem Jahr ums Überleben
Ein Jahr nach Amtsantritt steckt die schwarz-rote Regierung tief in der Krise. Die Umfragewerte brechen ein, der Frust wächst und im Bündnis knirscht es gewaltig. Kanzler Friedrich Merz erhöht jetzt den Druck auf die SPD.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Umfrage-Schock: CDU/CSU liegt inzwischen hinter der AfD
- Koalitions-Zoff: Wachsende Spannungen zwischen Union und SPD
- Druck vor Wahlen: Landtagswahlen im Herbst werden zur Bewährungsprobe
Die schwarz-rote Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz feiert am Mittwoch (06.05.2026) ihr einjähriges Bestehen. Doch Grund zum Feiern gibt es kaum. Die Stimmung im Regierungsbündnis ist angespannt, die Umfragewerte haben sich dramatisch verschlechtert.
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Bei der Bundestagswahl vor einem Jahr lag die Union noch mehr als sieben Prozentpunkte vor der AfD. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet: Je nach Meinungsforschungsinstitut liegt die CDU/CSU mittlerweile bis zu fünf Punkte hinter den Rechtspopulisten. Der Koalitionspartner SPD dümpelt bei mageren 12 bis 14 Prozent. "Wenn ich mir die Umfrageergebnisse anschaue, haben wir in der Tat ein Problem", zeigte sich Kanzleramtschef Thorsten Frei gegenüber "Welt" zumindest ansatzweise selbstkritisch.
Wachsender Unmut in der CDU
Innerhalb der Regierungskoalition brodelt es gewaltig. Zahlreiche Unionspolitiker werfen der SPD vor, bei wichtigen Reformvorhaben zu blockieren. Kanzler Merz sprach das Problem am vergangenen Sonntag im TV-Talk bei Caren Miosga offen an: "Es gibt in der CDU einen größer werdenden Unmut." Der 70-Jährige richtete dabei eine deutliche Botschaft an den Koalitionspartner: "Ich erwarte von der SPD die gleiche Kompromissbereitschaft, wie wir sie zeigen." Die Sozialdemokraten müssten sich stärker bewegen, so der Tenor aus dem Kanzleramt. Für viele in der Union hat der kleinere Partner bislang viel zu wenig Bereitschaft zu Veränderungen gezeigt.
Neue Spielregeln nach Krisensitzung
Nach dem öffentlichen Auftritt des Kanzlers kamen am Montag die Parteigremien zusammen. Beide Seiten einigten sich offenbar auf einen neuen Umgangston: Gegenseitige Stilvorwürfe sollen künftig unterbleiben, stattdessen wird mehr Disziplin erwartet. Die Koalitionäre sind sich bewusst, dass eine Minderheitsregierung keine realistische Alternative darstellt. Niemand möchte der AfD weiteren Auftrieb verschaffen. Im Hintergrund schwebt die Angst vor einer Wiederholung der Schröder-Ära: Damals verlor die Regierung durch die Hartz-IV-Reformen erst den Rückhalt in den eigenen Reihen und später rund ein Fünftel ihrer Wählerschaft. Aus Unionskreisen hieß es nach dem Treffen: "Das war offen und konstruktiv."
Landtagswahlen als Bewährungsprobe
CDU-Politiker Dennis Radtke fordert von allen Beteiligten deutlich mehr Engagement. "Es müssen jetzt alle Beteiligten den Hintern hochbekommen", sagte der Sozial- und Europapolitiker gegenüber "Bild". Andernfalls "lebe man nach den drei Landtagswahlen im Herbst in einem anderen Land". Der 47-Jährige nimmt beide Seiten in die Pflicht: Die SPD müsse "ihre Blockade-Haltung bei Reformen aufgeben", während die Union "das Jammern nach 'CDU pur' einstellen" solle. Als übergeordnete Ziele nannte Radtke: die Wirtschaft ankurbeln, den sozialen Frieden wahren und durch konkrete Problemlösungen verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.
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