Donald Trump und der Iran-Krieg: US-Präsident scheut neue Angriffe - ist seine Niederlage längst besiegelt?

Nach der überraschenden Verlängerung der Waffenruhe scheut Donald Trump vor neuen Bombardierungen im Iran zurück - ein sicheres Zeichen, dass der US-Präsident den Iran-Krieg längst verloren hat und vor einer "unausweichlichen Wahl" steht?

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Obwohl er zuvor mit massiven Bombardements gedroht hatte, verlängerte US-Präsident Donald Trump überraschend die Waffenruhe im Iran-Krieg. (Foto) Suche
Obwohl er zuvor mit massiven Bombardements gedroht hatte, verlängerte US-Präsident Donald Trump überraschend die Waffenruhe im Iran-Krieg. Bild: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
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Donald Trump setzt seinen unberechenbaren Kurs im Iran-Krieg weiter fort: Obwohl er zuvor mit massiven Bombardements gedroht hatte, verlängerte der US-Präsident am 21. April überraschend die derzeitige Waffenruhe im Iran-Krieg. Die Kehrtwende kam, nachdem Teheran die geplanten Gespräche in Pakistan platzen ließ – Vizepräsident JD Vance musste unverrichteter Dinge umkehren.

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Doch viel Zeit räumt Washington dem iranischen Regime nicht ein: Laut "Axios" und Fox News ist Trump bereit, die Feuerpause lediglich um drei bis fünf Tage zu verlängern. Seine Sprecherin Karoline Leavitt betonte zwar, es gebe keine offizielle Frist – doch der Präsident bestimme den Zeitplan. Teheran sieht das anders. Ein Berater des Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf konterte auf X: "Die Verliererseite kann die Bedingungen nicht diktieren." Die US-Seeblockade iranischer Häfen bleibt derweil bestehen, während beide Seiten signalisieren, jederzeit die Kampfhandlungen wieder aufnehmen zu können.

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Der Konflikt hat sich längst von der Luft aufs Wasser verlagert. Während die US-Marine iranische Häfen abriegelt und Schiffe abfängt, die Teheran ansteuern oder verlassen, halten die Revolutionsgarden die strategisch wichtige Straße von Hormus im Würgegriff.

Am 22. April demonstrierten sie ihre Entschlossenheit: Mehrere Handelsschiffe wurden beschossen, zwei davon beschlagnahmt. Das Weiße Haus versuchte, die Vorfälle herunterzuspielen. Sprecherin Leavitt erklärte gegenüber Fox News, die iranische Marine sei "völlig zerstört" – lediglich Schnellboote hätten die Frachter attackiert. "Der Iran hat sich von der tödlichsten Marine im Nahen Osten zu einer Bande von Piraten gewandelt", so Leavitt. Die "New York Times" sieht das anders: Die Angriffe zeigten, dass Teheran die Meerenge weiterhin fest kontrolliere und damit die Weltwirtschaft unter Druck setzen könne. Trump hatte die Öffnung der Wasserstraße zur Bedingung für die Waffenruhe gemacht – bislang vergeblich.

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Die US-Regierung setzt darauf, dass dem Iran schlicht das Geld ausgeht und der Iran-Krieg so ein Ende findet, schreibt "Bild". Trump beziffert die täglichen Einbußen Teherans durch die Blockade auf eine halbe Milliarde Dollar. "Sie dürsten nach Cash!", behauptet der Präsident. Sein Finanzminister Scott Bessent untermauert diese Einschätzung mit einem konkreten Szenario: Die Öllager auf der Insel Charg seien in wenigen Tagen vollständig gefüllt. Dann müsse das Regime seine eigene Förderung drosseln – und verliere damit gewaltige Einnahmen.

Teheran weist diese Darstellung zurück und präsentiert sich demonstrativ selbstbewusst. Der regierungstreue Sender Press TV betont, das Land habe über Jahrzehnte gelernt, unter maximalem Sanktionsdruck zu überleben. Die Kontrolle über die Straße von Hormus verschaffe dem Iran ein wirksames Druckmittel gegen die gesamte Weltwirtschaft – eines, das im Gegensatz zu Atomwaffen tatsächlich eingesetzt werden könne.

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Während sich Washington und Teheran gegenseitig blockieren, laufen die diplomatischen Drähte heiß. Laut "Wall Street Journal" bemühen sich die Türkei, Pakistan und Ägypten intensiv darum, beide Seiten möglicherweise schon an diesem Freitag (24.04.) wieder an einen Tisch zu bringen. Das Grundproblem bleibt jedoch ungelöst: Bislang konnten sich die Kriegsparteien nicht einmal auf eine weitere Verhandlungsrunde einigen – von einem dauerhaften Friedensabkommen ganz zu schweigen. Zu den zentralen Streitpunkten gehört der Umgang mit Irans hochangereichertem Uran. Teheran wiederum betrachtet die amerikanische Seeblockade als entscheidendes Hindernis für jegliche Gespräche.

Das Misstrauen sitzt tief: Die iranische Führung wurde bereits zweimal während laufender diplomatischer Prozesse angegriffen. Der regierungstreue Sender Press TV stellte unmissverständlich klar: "Das Atomthema ist effektiv vom Tisch." Israel hingegen besteht darauf, dass genau diese Frage Teil jeder Einigung sein muss.

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Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz vom Thinktank "Institute for National Security Studies" bringt das Dilemma auf den Punkt: Washington werde irgendwann vor einer "unausweichlichen Wahl" stehen. Weder ökonomischer noch militärischer Druck werde die iranische Führung zum Einlenken bewegen, solange kein klares politisches Ziel erkennbar sei.

Richard Fontaine von der Denkfabrik Center for a New American Security beschreibt die Lage als "Blockade gegen Blockade" – einen Wirtschaftskrieg, der sich auf die Straße von Hormus konzentriere. Teheran setze darauf, die Folgen länger aushalten zu können als der Rest der Welt.

Der Nahost-Experte Thomas Juneau von der University of Ottawa spricht von einem "fragilen Patt". Beide Seiten bevorzugten vorerst eine Kampfpause – doch eine Langzeitlösung sei das nicht. Citrinowicz warnt: "Je eher Washington erkennt, dass Druck ohne politisches Ziel eine Strategie ohne Ausweg ist, desto besser stehen die Chancen, einen endlosen Konflikt zu vermeiden."

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