Bedrohung durch Wladimir Putin: "Russland nicht unterschätzen" - Militärhistoriker warnt vor Angriff auf die Nato

Der russischen Armee fehlt im Ukraine-Krieg weiterhin die große Durchschlagskraft. Trotzdem könnte Wladimir Putin einen parallelen Angriff auf Nato-Staaten erwägen. Davor warnt jetzt der Militärhistoriker Sönke Neitzel.

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Würde Wladimir Putin (Mitte) neben dem Ukraine-Krieg einen militärischen Konflikt mit der Nato riskieren? (Foto) Suche
Würde Wladimir Putin (Mitte) neben dem Ukraine-Krieg einen militärischen Konflikt mit der Nato riskieren? Bild: picture alliance/dpa/Pool Reuters | Ramil Sitdikov
  • Militärhistoriker warnt davor, Russland zu unterschätzen
  • Laut Sönke Neitzel könnte Wladimir Putin trotz Problemen im Ukraine-Krieg die Nato angreifen
  • Gegen russische Drohnenangriffe wäre Europa derzeit nicht gut gewappnet

Wie lange kann Russland seinen Krieg gegen die Ukraine weiterführen? Immer wieder gab es in den vergangenen Monaten Berichte über Probleme von Wladimir Putins Armee, an der Front große Durchbrüche zu erzielen. Doch hält dies den Kremlchef tatsächlich von einer weiteren Eskalation im Konflikt mit dem Westen ab? Der deutsche Militärhistoriker Sönke Neitzel hat daran erhebliche Zweifel.

Militärhistoriker warnt vor Wladimir Putin: Russland "nicht unterschätzen"

Im Podcast von "Bild"-Vizechef Paul Ronzheimer mahnte der Professor von der Universität Potsdam eindringlich zur Vorsicht gegenüber Moskau. "Meine Haltung ist immer: Wir sollten Russland nicht unterschätzen", so Neitzel. Die Annahme, Putins Truppen könnten es wegen ihrer schleppenden Fortschritte in der Ukraine nicht mit der Nato aufnehmen, hält er für "grundfalsch".

Militärhistoriker Sönke Neitzel warnt: Der Westen sollte Russland nicht unterschätzen. (Foto) Suche
Militärhistoriker Sönke Neitzel warnt: Der Westen sollte Russland nicht unterschätzen. Bild: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Matthias Rietschel

Laut Sönke Neitzel könnte Moskau trotz des laufenden Ukraine-Kriegs die Nato angreifen

Selbst während des laufenden Krieges schließt Neitzel einen "begrenzten Angriff" auf das Baltikum nicht aus. Dabei zieht er einen provokanten historischen Vergleich: "Hitler hat auch einen Zweifrontenkrieg geführt. Der war nicht sehr logisch, aber er hat es trotzdem gemacht." Der Konflikt in der Ukraine könne laut Neitzel noch dieses Jahr enden – und dann stünde Europa vor einer völlig veränderten Bedrohungslage.

Effektive Drohnenabwehr in Europa sei momentan ein "massives Problem"

Als größte Schwachstelle der europäischen Nato-Staaten identifiziert Neitzel die mangelnde Fähigkeit zur Drohnenabwehr. Der Historiker skizziert ein bedrohliches Szenario: ein Angriff mit 1.000 russischen Drohnen auf Polen und Deutschland – vergleichbar mit dem, was die Ukraine jede Nacht erlebt. "Da hätten wir in allen Nato-Staaten ein massives Problem", warnt er und fordert in diesem Bereich weitere Aufrüstung. Hinzu komme das "Grundproblem", dass die Bundeswehr als "Friedensarmee" aufgestellt worden sei. In 70 Jahren sei eine "gigantische Bürokratie" gewachsen. "Über 50 Prozent der Soldaten sind nicht im Kernauftrag eingesetzt."Gleichzeitig verweist Neitzel darauf, dass Europa die USA weiterhin zur Verteidigung benötige. Europäische Nato-Staaten hätten noch nie eigenständig eine große Luftoperation durchgeführt.

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