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04.03.2020, 16.31 Uhr

Bodo Ramelow privat: Wie tickt der neue alte Ministerpräsident abseits des Thüringer Landtags?

Drei Wahlgänge waren nötig, doch seit dem 4. März 2020 ist Bodo Ramelow erneut Ministerpräsident von Thüringen. Doch wie tickt der gebürtige Niedersachse privat abseits des Thüringer Politikparketts?

Linken-Politiker Bodo Ramelow war von 2014 bis 2020 Ministerpräsident in Thüringen. Bild: picture alliance/Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dp

Am 5. Dezember 2014 sprach Bodo Ramelow im Landtag in Erfurt seinen Amtseid. Fortan fungierte der Linken-Politiker als thüringischer Ministerpräsident und war gleichzeitig ein politisches Unikat. Bodo Ramelow war nämlich der einzige Ministerpräsident, den die Linke in Deutschland stellte. Am 5. Februar 2020 endete die Amtszeit Ramelows offiziell, als mit Thomas Kemmerich ein neuer Ministerpräsident in Thüringen gewählt wurde - doch nach der Thüringer Regierungskrise und dem Rücktritt Kemmerichs wurden Neuwahlen für den 4. März 2020 anberaumt. Diese konnte Bodo Ramelow im dritten Wahlgang für sich entscheiden. Der frühere Ministerpräsident des Freistaates Thüringen nahm die Wahl an und ist seitdem als neuer alter Ministerpräsident im Amt.

Bodo Ramelow vs Björn Höcke bei Ministerpräsidentenwahl 2020 in Thüringen

Bodo Ramelow ging bei der Ministerpräsidentenwahl 2020 als Kandidat der Linken, der SPD und der Grünen ins Rennen. Als Gegner trat AfD-Fraktionsvorsitzender Björn Höcke an, wie wenige Tage vor der Wahl bekannt wurde. Ramelow fehlen vier Stimmen für eine absolute Mehrheit, die er sich bereits im ersten Wahlgang mit Hilfe der CDU oder der FDP besorgen will. Öffentlich haben die Fraktionen sowohl der Liberalen als auch der Christdemokraten erklärt, dass sie Ramelow nicht aktiv ins Amt wählen wollen.

Bodo Ramelow passt nicht 100 Prozent ins linke Klischee

Der gebürtige Niedersachse Ramelow, der nach dem Mauerfall als Gewerkschaftsfunktionär nach Thüringen kam, passt nur bedingt ins gängige Klischee. Er wolle kein Parteisoldat sein, sagt Ramelow von sich. "Ich sitze ja nicht für die Linke, sondern für Thüringen im Bundesrat." Oder: "Meine Partei wirbt für die Linke, ich werbe für eine Koalition."

Bodo Ramelow ist Fan von Twitter, Diesel-Autos und deutlicher Worte

Ramelow ist ein Freund klarer Worte. Er ist bekennender Legastheniker, neuerdings auch bekennender Dieselfahrer und unter den Thüringer Landespolitikern wahrscheinlich der "Twitter-König". Was er gerade denkt, tut oder worüber er sich ärgert, lässt der Spitzenlinke per Kurznachrichtendienst alle Welt wissen. Ob im Landtag oder im Auto - das Handy scheint sein wichtigstes Werkzeug zu sein, auch in der Auseinandersetzung mit politischen Kontrahenten. Und da kann es schon mal ruppig zugehen, mit Passagen wie "kotzt mich an".

Bei Opel in Eisenach redet er die Belegschaft mit "liebe Kolleginnen und Kollegen" an und erinnert daran, wie er mit den Opelanern vor dem Werkstor für den Erhalt der Autofabrik demonstriert habe. Aber auch mit Künstlern, Wissenschaftlern, Diplomaten und sogar königlichen Hoheiten umgibt sich der Linke gern.

Bodo Ramelow privat: So machte der Niedersachse politische Karriere

Geboren wurde Ramelow im niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck. In Hessen absolvierte er eine Ausbildung zum Kaufmann. Mit 25 Jahren wurde er Gewerkschaftssekretär in Mittelhessen. Von dort ging er 1990 nach Thüringen und stieg zum Landeschef der damaligen Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) auf. 1999 begann seine politische Karriere: Ramelow zog für die PDS in den Thüringer Landtag ein - zwei Jahre später war er ihr Fraktionschef.

Nach einem Zwischenspiel im Bundestag und als Fusionsbeauftragter der Linken mit der WASG profilierte er sich als wortgewaltiger, manchmal auch aufbrausender Oppositionsführer im Landtag - bis zum Wechsel in die Staatskanzlei 2014 als Chef einer rot-rot-grünen Regierung. Selbst politische Gegner wie Thüringens Alt-Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) äußern sich freundlich. Ramelows Beliebtheitswerte seien beeindruckend, so Vogel kürzlich.

Bodo Ramelow privat: So tickt der Thüringer Ministerpräsidenten-Kandidat abseits des Politparketts

Der in Niedersachsen geborene Politiker, der bereits in Erfurt und Saalburg wohnhaft war, ist abseits des politischen Parketts ein echtes Familientier. Bodo Ramelow hat zwei Söhne aus seiner ersten Ehe und ist seit Herbst 2006 zum dritten Mal verheiratet. Ramelows Ehefrau stammt aus Italien und heißt Germana Alberti vom Hofe.

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hos/kum/news.de/dpa

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