09.02.2021, 20.48 Uhr

Coronavirus-News Dienstag: Britische Corona-Mutation auf Norderney festgestellt

Am Dienstag meldete das RKI 6.114 Corona-Neuinfektionen und 861 Tote. Hoffnung macht die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz, die erstmals seit drei Monaten unter 75 liegt. In Sachsen will man die Schulen öffnen. Hamburg hält Lockerungen für verfrüht. Das sind die Coronavirus-News am Dienstag.

Die Coronavirus-News am Dienstag. Bild: dpa

Erstmals seit mehr als drei Monaten liegt die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz laut Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) unter der Schwelle von 75. So wurden binnen einer Woche 72,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner an die Gesundheitsämter übermittelt, wie das RKI am Dienstagmorgen meldete. Die Zahl sinkt seit mehreren Wochen. Ihren Höchstwert hatte die Sieben-Tage-Inzidenz am 22. Dezember mit 197,6 Fällen pro 100.000 Einwohner. Unter die Schwelle von 100 war sie vor zwölf Tagen gerutscht. Das politische Ziel ist eine Sieben-Tage-Inzidenz von langfristig unter 50.

Coronavirus-News aktuell: RKI meldet 6.114 Corona-Neuinfektionen am Dienstag

Binnen eines Tages meldeten die deutschen Gesundheitsämter dem RKI 3379 Corona-Neuinfektionen. Außerdem wurden 481 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. Vor genau einer Woche hatte das RKI 6114 Neuinfektionen und 861 neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet.

Der Höchststand von 1.244 neuen gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33 777 am 18. Dezember der höchste Wert gemeldet worden - darin waren jedoch 3.500 Nachmeldungen enthalten.

Seit Beginn der Pandemie 62.156 Corona-Tote in Deutschland

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.291.924 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 09.02., 00.00 Uhr). Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte noch deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg um 481 auf 62.156. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.057.300 an.

Sieben-Tage-R laut RKI aktuell bei 0,94

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Sonntagabend bei 0,94 (Vortag 0,95). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 94 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Alle Coronavirus-News am 09.02.2021 im News-Ticker

+++ Britische Corona-Mutation auf Norderney festgestellt +++

Die britische Corona-Virusvariante B.1.1.7 ist erstmals auch auf der ostfriesischen Insel Norderney nachgewiesen worden. Ein entsprechender Befund sei dem Gesundheitsamt des Landkreises Aurich am Dienstag bestätigt worden, teilte die Kreisverwaltung mit. Demnach war die infektiösere Mutation Ende Januar bei einem Mann festgestellt worden. Er ist inzwischen gestorben. Weitere Hinweise auf die Corona-Variante gebe es aktuell nicht, hieß es.

Seit einigen Tagen steigen die Fallzahlen auf der Insel mit rund 6000 Einwohnern an. Die Stadt und der Landkreis seien im engem Kontakt, um zu prüfen, ob weitere Maßnahmen angesichts der Infektionslage erforderlich seien, teilte die Kreisverwaltung mit. Landrat Olaf Meinen und Inselbürgermeister Frank Ulrichs appellierten an die Insulaner, sich strikt an Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen zu halten.

+++ Göring-Eckardt schlägt Schulunterricht in Kirchen und Kinos vor +++

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt ruft die Bundesregierung zu mehr Kreativität im Umgang mit Schulen auf, um Präsenzunterricht in der Corona-Krise wieder zu ermöglichen. "Wir haben große Räume, die gerade leer stehen. Theater, Museen, Kirchen, Kinos. Warum sorgen wir nicht dafür, dass vielleicht ein Drittel der Klasse dort ist?", sagte Göring-Eckardt der "Bild"-Zeitung am Dienstag (online). Außerdem forderte die Grünen-Politikern vor den Bund-Länder-Beratungen an diesem Mittwoch eine einheitliche Perspektive, die man dann je nach den verschiedenen Indikatoren, die verschiedene Auswirkungen hätten, anwenden könne.

+++ Ramelow will bundesweit einheitliches Corona-Regelwerk +++

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) drängt vor den Bund-Länder-Verhandlungen auf ein bundesweit einheitliches Regelwerk zum weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie. Er hoffe, dass die von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Thüringen vorgelegten Stufenpläne bei der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch diskutiert würden, sagte Ramelow in Erfurt. Es gehe ihm um verbindliche Regelungen, wie die nächsten Schritte aussehen könnten.

Ramelow plädierte für einen Orientierungsrahmen, der sich vor allem an der Sieben-Tage-Inzidenz, aber auch an Impfquoten und der Verfügbarkeit von Intensivbetten festmache. Thüringen als Bundesland mit der derzeit höchsten Inzidenz gehe es nicht um die Forderung nach schnellen Öffnungen, sondern um einen Fahrplan. Wichtig dabei sei auch eine flächendeckende Verfügbarkeit von Corona-Tests.

Bei der Schaltkonferenz mit Kanzlerin Merkel geht es vor allem darum, ob der seit 16. Dezember geltende Lockdown bundesweit über den 14. Februar hinaus verlängert wird. Zudem soll bis zu dem Treffen ein "nationaler Impfplan" vorliegen.

+++ Hamburg gegen Corona-Lockerungen - Schulen bleiben wohl im Lockdown +++

Hamburgs rot-grüner Senat lehnt Lockerungen der Corona-Auflagen auf absehbare Zeit ab. "Die Inzidenz sinkt viel zu langsam, der R-Wert ist zu hoch und das Risiko einer stärkeren Ausbreitung der Virusmutationen bleibt bestehen", sagte Senatssprecher Marcel Schweitzer am Dienstag. Vor diesem Hintergrund "bleibt der Senat auch bei seiner Haltung, Lockerungen können wir derzeit nicht in Aussicht stellen". Am Mittwoch beraten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder erneut über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise.

Die strenge Haltung des Senats betrifft auch die Schulen. Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte, er gehe davon aus, "dass wir in dem jetzigen Modus (...) bis zu den Märzferien bleiben werden - sofern die Ministerpräsidentenkonferenz nicht etwas ganz Ungewöhnliches beschließen wird". Hamburg hat als einziges Bundesland von Anfang März an zwei Wochen Ferien. "Hier eine Woche vor den Ferien noch einmal das gesamte Schulsystem auf neue Beine zu stellen, ist (...) für alle Beteiligten nur auf dem Papier eine vernünftige Lösung", sagte Rabe.

 

+++ Sachsen will Grundschulen und Kitas ab 15. Februar öffnen +++

Sachsen will Grundschulen und Kitas vom kommenden Montag an in einem eingeschränkten Betrieb wieder öffnen. Für Grundschüler soll jedoch die Schulbesuchspflicht vorerst aufgehoben werden, kündigte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) am Dienstag nach der Kabinettssitzung in Dresden an. Eltern könnten damit selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken. Im Interesse der Kinder und auch der Familien habe man sich zu diesem Schritt entschlossen. Die Hygienemaßnahmen würden weiter hochgehalten. Die Regelung soll sachsenweit gelten - auch für jene Landkreise, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit noch bei mehr als 100 liegt.

Eingeschränkter Regelbetrieb für Grundschulen und Kitas bedeutet die strikte Trennung von Gruppen und Klassen mit festen Bezugspersonen. «Die Kinder sollen auch außerhalb der Gruppen- und Klassenräume auf dem Gelände der Einrichtung nicht aufeinander treffen», hieß es. Eine entsprechende Regelung gab es bereits beim Lockdown im Frühjahr 2020.

+++ Amtsärzte warnen vor dritter Pandemiewelle und fordern klare Regeln +++

Die deutschen Amtsärzte befürworten eine Lockdown-Verlängerung, weil sonst eine dritte Welle der Corona-Pandemie anrollen könnte. "Wir müssen mit den Corona-Infektionszahlen weiter deutlich nach unten. Andernfalls droht uns eine neue dritte Pandemiewelle, die unser Gesundheitssystem überfordern könnte", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der deutschen Amtsärzte, Ute Teichert, der Düsseldorfer "Rheinischen Post" vor den Bund-Länder-Beratungen an diesem Mittwoch. Besonders die neuen Varianten des Coronavirus, die wahrscheinlich ansteckender sind, machten Sorgen.

Als Ziel gab Teichert die geringen Corona-Zahlen vom Sommer aus. "Wir müssen unter zehn Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner in der Woche." Am Dienstag war diese sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz erstmals seit mehr als drei Monaten unter der Schwelle von 75 gesunken, wie das Robert Koch-Institut (RKI) berichtete.

Die Politik hatte bislang den Wert von 50 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner in der Woche vorgegeben. Dazu sagte Teichert, dies sei eine "politische Zahl, die sich nur grob an der Kapazität der Gesundheitsämter zur Nachverfolgung der Kontakte von positiv Getesteten orientiert". Diese Kapazität hänge nicht nur von der Zahl der Neuinfektionen ab, sondern auch ganz besonders von der Zahl der Kontakte, welche die Infizierten haben. "Und diese Kontaktzahl ist durch den Lockdown deutlich reduziert. Lockern wir den jetzigen Lockdown, wird die Zahl der Kontakte nach oben schnellen und die vollständige Nachverfolgung sehr schnell nicht mehr möglich sein", betonte die oberste Amtsärztin. Für den weiteren Lockdown benötige es aber "klare Regeln, die für alle gelten, in allen Bundesländern. Sonst haben wir ein Akzeptanzproblem".

+++ FDP legt Sieben-Stufenplan für Öffnung der Corona-Maßnahmen vor +++

Die FDP hat einen Sieben-Stufenplan für Schritte zur Öffnung von öffentlichem Leben, Handel und Schulen in der Corona-Pandemie vorgelegt. Dabei sollen neben den Fallzahlen pro Woche auch regionale Werte für die Erkrankung der über 50-jährigen, die Belastung der Krankenhäuser, die Verteilung des Infektionsgeschehens und die tatsächlichen Kapazitäten in Gesundheitsämtern eingerechnet werden. "Unterschiedliche Lagen erfordern unterschiedliche Maßnahmen. Gleiches wird damit gleich, Ungleiches wird ungleich behandelt", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael Theurer dazu am Dienstag.

Nötig sei ein bundesweites Regelwerk, wie man aus Beschränkungen aussteige, aber auch bei einer Verschlechterung wieder verschärfe, sagte Fraktionsvize Stephan Thomae. "Das ist keine Einbahnstraße." Die gesundheitspolitischen Sprecherin der Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus, sagte: "Wir glauben, dass wir den Menschen damit eine Perspektive geben." Bei wechselnden Regeln verlören viele Menschen die Motivation, die Corona-Schutzmaßnahmen einzuhalten. Der Stufenplan soll am Mittwoch in den Bundestag eingebracht werden.

FDP-Chef Christian Lindner sagte der "Passauer Neuen Presse": "Regional wäre es möglich, Kitas und Schulen jetzt schon aufzumachen. Auch die Öffnung von Friseuren und Handel scheint mir stellenweise verantwortbar, wenn entsprechende Schutzkonzepte eingehalten werden." In Hotspots sei weniger möglich als da, wo die Infektionszahlen schon jetzt niedriger sind.

+++ SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erteilt Lockerungen eine Absage +++

Die Corona-Zahlen sinken, doch dies bedeutet nicht zwangsweise, dass die Regierung die Maßnahmen lockern wird. Im Interview mit dem "Münchner Merkur" erteilte auchSPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach etwaigen Lockerungen eine Absage und dämpfte die Hoffnungen, auf ein baldigen Ende des Lockdowns. "Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, stehen wir mit Lockerungen ab Anfang März wieder vor steigenden Zahlen. Besonders die britische Variante ist bereits so stark verbreitet, dass es spätestens Anfang März bestenfalls zu einer Stagnation kommt, ehe die Fallzahlen dann wieder steigen würden. Der Lockerungsspielraum liegt eigentlich bei null."

Während Lauterbach vor allem Friseure und die Gastronomie noch nicht wie von manchen gefordert wieder öffnen würde, sieht er mit dem richtigen Konzept Chancen für Schul- und Kita-Öffnungen. "Grundschullehrer und Erzieher sollten daher vorrangig geimpft werden, die Schüler müssten medizinische Masken tragen und mindestens einmal pro Woche einen Antigen-Schnelltest machen. Dazu kann dann Wechselunterricht stattfinden."

Die FDP legt einen Stufenplan zur Lockerung der Maßnahmen vor Bild: picture alliance/dpa | Dorothée Barth

+++Lindner: Erste Öffnungsschritte sind möglich und nötig +++

Vor dem neuen Spitzentreffen in der Corona-Krise hat FDP-Chef Christian Lindner die Bundesregierung aufgefordert, Regeln für eine Öffnung von Handel und Bildungseinrichtungen vorzulegen. "Die Bundesregierung lässt jede Perspektive vermissen, wie sie gesellschaftliches Leben wieder öffnen möchte. Die nationale Kraftanstrengung darf nicht länger nur darin liegen, Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft möglichst lange geschlossen zu halten", sagte Lindner der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder wollen am Mittwoch in einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen sprechen.

"Wir brauchen einen Stufenplan, der Transparenz und Planbarkeit schafft", forderte Lindner. Die Bundesregierung könne sich "nicht aus der Verantwortung stehlen". Notwendig sei ein bundesweiter Rahmen mit "Wenn-Dann-Regeln", die je nach regionalem Infektionsgeschehen unterscheiden. Lindner verwies auf einen Entwurf der Landesregierung von Schleswig-Holstein, der mit Beteiligung seiner Partei erstellt wurde und nach den Worten Lindners "in die richtige Richtung weist". Die FDP wollte noch am Dienstag in Berlin einen eigenen Entwurf für einen bundesweiten Stufenplan vorstellen, der ins Parlament eingebracht werden soll.

"Es geht nicht darum, sofort alles gleichzeitig zu öffnen. Aber ich bin mir sicher, dass erste Öffnungsschritte möglich wären - bei Kitas und Schulen zum Beispiel, aber auch bei Friseuren und im Handel", sagte Lindner dazu. "In Regionen mit niedrigen Infektionszahlen wäre dabei mehr Öffnung machbar als in Hotspot-Gebieten. Wir brauchen auch intelligente Konzepte, zum Beispiel den Einsatz von Schnelltests zum Eigengebrauch oder Luftreiniger in öffentlichen Räumen."

+++ Neuer Kinderbonus soll im Mai ausgezahlt werden +++

Der Kinderbonus von 150 Euro soll im Mai an Familien ausgezahlt werden. Das berichtet das "Handelsblatt" (Dienstag) unter Berufung auf einen entsprechenden Gesetzesentwurf des Bundesfinanzministeriums. "Für jedes Kind, für das für den Monat Mai 2021 ein Anspruch auf Kindergeld besteht, wird für den Monat Mai 2021 ein Einmalbetrag in Höhe von 150 Euro gezahlt", zitiert die Zeitung aus dem Gesetzesentwurf. Die Kosten für den Kinderbonus belaufen sich auf rund 2,1 Milliarden Euro.

Der Koalitionsausschuss hatte am Mittwochabend milliardenschwere Hilfen zur Abfederung der Corona-Krise beschlossen. Familien sollen einen einmaligen Kinderbonus von 150 Euro je Kind erhalten. Im vergangenen Jahr hatte es pro Kind 300 Euro gegeben, um den Konsum in der Krise anzukurbeln.

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fka/news.de/dpa

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