Von news.de-Redakteurin - 01.12.2020, 06.00 Uhr

Welt-AIDS-Tag am 1.12.: Streeck, Ramelow und Co! Die haarsträubendsten Corona-HIV-Vergleiche

Am 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag. Wir haben diesen wichtigen Tag zum Anlass genommen, uns einmal die seltsamsten Vergleiche des HI-Virus mit dem Coronavirus anzusehen. Nicht nur Politiker wagten im Zuge der Corona-Pandemie kuriose Vergleiche, auch Virologen überraschten mit haarsträubenden Aussagen.

Hendrik Streeck, Bodo Ramelow und Co. schockierten mit haarsträubenden Corona-HIV-Vergleichen. Bild: picture alliance/Federico Gambarini/dpa

Mittlerweile haben sich die meisten Menschen an die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie gewöhnt. Doch das war nicht immer so. Gerade zu Beginn der Pandemie kam es da bei so manchem Politiker und Virologen zu kuriosen HIV-Corona-Vergleichen. Die haarsträubendsten Beispiele können Sie hier noch einmal mit uns durchleben.

Bodo Ramelow vergleicht Corona mit HIV - "Vor HIV schützen kann man auch nur sich selbst"

Für Kopfschütteln sorgte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow im Mai mit einem HIV-Coronavirus-Vergleich. In einer Pressekonferenz sagte der Linken-Politiker am 26. Mai 2020: "Sich zu schützen, ist eine hochpersönliche Aufgabe. Und um wirklich mal eine ganz andere schlimme Erkrankung zu nehmen: Vor HIV schützen kann man auch nur sich selbst und ganz persönlich. Da helfen weder Verbote noch Verordnungen noch andere Dinge. Und so muss es mit SARS-CoV-2 auch sein. Die Menschen müssen mit dieser Situation lernen, zu leben."

Ansteckungswege bei HIV und Sars-CoV-2 - Unterschiede

In der Bevölkerung und im Netz stieß der uninformierte Corona-HIV-Vergleich auf Entsetzen, schließlich unterscheiden sich die Ansteckungswege der beiden Virusarten ganz grundsätzlich voneinander. Während HIV nur durch direkten Kontakt mit Blut, Sperma, Vaginalsekret oder Muttermilch übertragbar ist, kann man sich mit Sars-CoV-2 auch über Aerosole in der Luft anstecken. Das war damals - am 26. Mai 2020 - als Bodo Ramelow die Pressekonferenz gab, bereits bekannt. Heißt: Vor Corona kann man sich nicht mithilfe eines Kondoms schützen - Sars-CoV-2 ist "airborne", also über die Luft übertragbar.

HIV-Spezialist Streeck schockiert mit Corona-AIDS-Vergleich

Nun ist Bodo Ramelow zugegebenermaßen kein studierter Virologe, sondern Politiker, dem man einen solchen Faux-Pas schon eher verzeihen kann. Haarsträubender wird es, wenn tatsächliche Virologen versuchen, die Pandemie mithilfe des HI-Virus herunterzuspielen - was an sich schon paradox wirkt. So gesehen beim Phoenix-Special "Corona nachgehakt", in der der HIV-Spezialist Hendrik Streeck sagte: "Ja, es gibt wirklich viele Parallelen zur HIV-Pandemie. Es ist übrigens eine Pandemie, die immer noch stattfindet [...] Der Anfang bei dieser Pandemie war sehr ähnlich [...], dass auch sehr viel Angst herrschte und man auch sehr drakonische Maßnahmen diskutiert hat, wie zum Beispiel alle Infizierten zu internieren."

Isolierung von Corona-Infizierten macht Sinn - bei HIV-Infizierten ist es unnötig

Im Falle von HIV-Infizierten ist eine Isolierung und Quarantäne in der Tat unsinnig. Im Gegensatz zu HIV kann Corona jedoch über die Luft und über Tröpfen übertragen werden, sodass eine Isolierung von Infizierten eins der effektivsten Mittel zur Eindämmung darstellt. Nicht nur deshalb lässt sich beides nur schlecht miteinander vergleichen, auch bei der Dauer der Infektiosität unterscheiden sich bei beiden Viren grundsätzlich: Während ein HIV-Infizierter nahezu sein Leben lang ansteckend sein kann (abhängig davon, ob er eine angemessene Behandlung bekommt oder nicht), ist ein Sars-CoV-2-Infizierter nur einige Tage ansteckend. Einen Corona-Infizierten für ein paar Tage zu isolieren, ist also nichts, was einen vor unlösbare Herausforderungen stellt. Einen HIV-Infizierten kann und sollte man selbstverständlich nicht isolieren - das ist auch gar nicht nötig, da er das HI-Virus nur über Blut, Sperma, Vaginalsekret oder Muttermilch weitergeben kann, statt wie Corona über die Luft.

Streeck macht beim Corona-HIV-Vergleich gleichen Fehler wie Ramelow

Doch das war noch nicht alles, denn Hendrik Streeck führte seinen Vergleich sogar noch weiter (ad absurdum), und beging sogar den gleichen Fehler wie Politiker Bodo Ramelow. Streeck sagte: "Das Wichtige, was ich finde, was man daraus lernen kann, ist dass die HIV-Pandemie kontrolliert wurde zum Teil durch Enabling-Strategien. Damit meine ich, dass man den Menschen Maßnahmen an die Hand gegeben hat, durch die jeder für sich selber Eigenverantwortung übernehmen kann, selber auf sich selber und seine Mitmenschen achtgeben kann, um das Virus nicht weiterzutragen."

Wieder: Vor einer Ansteckung mit dem HI-Virus kann man sich viel leichter eigenverantwortlich schützen (mit Kondom beim Geschlechtsverkehr) als vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. HIV ist nicht über die Luft übertragbar. Man steckt sich nicht durch bloßes Atmen mit HIV an.

Hendrik Streeck warnte immer wieder: Es könnte nie Impfstoff geben

Auch die von Hendrik Streeck immer und immer wieder gepredigte Warnung, es könne möglicherweise niemals einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 und die damit verbundene Erkrankung Covid-19 geben, führte der Virologe auf seine Erfahrungen mit dem HI-Virus und der damit verbundenen Krankheit AIDS zurück, für die es bis heute keinen funktionierenden Impfstoff gibt.

Im Falle von Corona hatte Hendrik Streeck glücklicherweise Unrecht, wie die Erfolge von Biontech und Pfizer, Astrazeneca und Oxford sowie Moderna zeigen, die jeweils einen vielversprechenden Impfstoffkandidaten entwickeln konnten.

Leider hatte Streeck in den meisten seiner anderen Prognosen zur Corona-Pandemie ebenfalls unrecht. Beispielsweise sagte er, dass es keine zweite Welle geben werde, dass 200 Corona-Tote auf 20.000 Neuinfektionen pro Tag viel zu hoch gerechnet seien (derzeit haben wir teils mehr als 400 Covid-19-Tote pro Tag) und dass 20.000 Neuinfektionen pro Tag kein Problem seien. Das lassen wir jetzt mal so stehen.

HIV-Entdecker Luc Montagnier überraschte mit abenteuerlicher Corona-Theorie

Doch nicht nur der Virologe Hendrik Streeck ging so weit, Corona mit HIV zu vergleichen, auch Nobelpreisträger Luc Montagnier sorgte Ende April mit einer überraschenden Aussage für Stirnrunzeln. In einem Interview sagte der Wissenschaftler, der 1983 zusammen mitFrançoise Barré-Sinoussi das HI-Virus entdeckte: „Wir sind zu der Schlussfolgerung gekommen, dass der Virus [Sars-CoV-2] manipuliert wurde. Ein Teil, ein Modell des Virus, ein klassisches Modell, zeigt, dass der Virus von der Fledermaus kam. Aber auf dieses Modell hat man Sequenzen des HI-Virus zugefügt." Diese Aussage gilt als höchst umstritten und rückhaltlos. Das Paper wurde von den indischen Wissenschaftlern selbst zurückgezogen, wie das Magazin "correctiv" in seinem Faktencheck berichtete. 

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sig/bos/news.de

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