01.07.2020, 15.03 Uhr

Zeckenalarm + FSME-Gefahr 2020: Zecken-Hölle Deutschland! HIER droht Gesundheitsgefahr

2020 wird bereits zum dritten Jahr in Folge ein Extremzeckenjahr werden. Besonders die mit dem FSME-Virus infizierten Zecken sowie die gefährlichen Tropenzecken Hyalomma sind in Deutschland auf dem Vormasch. Es sind sogar drei Risikogebiete hinzugekommen.

Zeckenexperten schlagen Alarm! Die gefährliche Tropenzecke Hyalomma breitet sich in Deutschland immer mehr aus. Bild: Heiko Barth/AdobeStock

Bereits zum dritten Mal in Folge befinden sich die Zeckenzahlen in Deutschland auf Rekordhöhe. Entsprechend hoch dürften die Fälle von Borreliose und Frühsommer-Meningitis in diesem Jahr ausfallen. Wer besonders in Gefahr schwebt, erfahren Sie hier.

Zeckenpexperte besorgt über Tropenzecke Hyalomma

Besonders der Vormarsch der Tropenzecke Hyalomma bereitet den Zeckenexperten Sorgen. Das berichtet "Focus online" nach einem Gespräch mit Gerhard Dobler, einem der führenden Zeckenexperten Deutschlands. Er leitet das Konsiliarlabor des "Robert Koch Instituts" für FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), die von Zecken übertragene gefährliche Gehirn- und Hirnhautentzündung.

Milder Winter lässt Zeckenpopulation explodieren

Dobler warnt sogar vor einem extremen Zecken-Sommer - vor allem, da der Winter so mild verlief. Egal, wo man sich nun in die Natur begibt, sei in diesem Sommer Vorsicht geboten. Die Zahl der Menschen, die ihre Freizeit im Grünen verbringen, ist durch Corona sogar gestiegen, was zu noch mehr Fällen von Zeckenerkrankungen führen kann.

Neuer Zeckenrekord im Jahr 2020?

Gegenüber "Focus online" erklärt Gerhard Dobler: "Unsere bisherigen Zählungen in März, April und Mai sprechen dafür, dass es ähnlich hohe Zeckenzahlen geben wird wie 2018 und 2019, es wird also wieder ein hohes Zeckenjahr werden." Bei den Jahren 2018 und 2019 hatte es sich bereits um Rekordjahre in Sachen Zeckenpopulation gehandelt. Auch nun konnten bei Probezählungen in Ostbayern - einer Modellgegend, die anderen Risikogebieten in Deutschland stark ähnelt - fast 600 Zeckentiere innerhalb von 1,5 Stunden gesammelt werden. Bereits im Jahr 2019 war das Ergebnis ähnlich ausgefallen.

Zeckenexperte von derart hohem Ergebnis überrascht

Ein drittes Zecken-Rekord-Jahr in Folge überrascht laut "Focus" sogar den Zeckenexperten Dobler. In den neun Jahren zuvor betrugen die Zahlen noch nicht einmal die Hälfte der Werte der vergangenen Rekordjahre. Laut "Focus" wurden bei den Messungen damals nur durchschnittlich 240 Zecken gesammelt, statt wie jetzt 600.

Auch auffällig war laut Dobler die hohe Anzahl an erwachsenen Zecken, die keine gute Nachricht bedeuten, da sie häufiger das gefährliche FSME-Virus in sich tragen als jüngere Zecken (Nymphen). Laut Dobler sei das Risiko, sich mit FSME zu infizieren, in diesem Jahr sogar dreimal so hoch geworden.

Zecken-Population ist in Deutschland sprunghaft gewachsen

Die Gründe für die hohe Zahl an erwachsenen Zecken sind unklar, könnten aber in den Wetterveränderungen der letzten zehn Jahre zu finden sein. Diese sorgten auch dafür, dass die Aktivität der Zecken eher im Jahr beginnt und später endet. Die Zeit, in der man sich mit Zecken infizieren kann, ist also bis zu zwei Monate länger als noch vor ein paar Jahren.

Zecken breiten sich immer mehr in Deutschland aus

Außerdem breiten sich die gefährlichen Blutsauger auch in Gebieten aus, in denen sie zuvor nicht heimisch waren, beispielsweise in Gebirgslagen über 800 Meter Höhe. Dobler warnt: "Es gibt jetzt bereits FSME-Fälle in größeren Höhen."

Wer in folgenden FSME-Risikogebieten wohnt oder gedenkt, dort Urlaub zu machen, sollte eine FSME-Impfung in Betracht ziehen. Die schützt zwar nicht vor Borreliose, aber vor der hochgefährlichen FSME-Erkrankung, die zu schlimmen neurologischen Schäden wie Lähmungen führen kann.

Dies sind die FSME-Risikogebiete

  • Bayern
  • Baden-Württemberg
  • Teile von Hessen
  • südöstliches Thüringen und Sachsen
  • Saarland
  • Rheinland-Pfalz
  • Niedersachsen

Außerdem sind 2020 drei weitere Endemie-Gebiete hinzugekommen:

  • Sachsen: Stadtkreis Dresden, Landkreis Meißen
  • Thüringen: Landkreis Schmalkalden-Meiningen

Tropenzecke Hyalomma in Deutschland auf dem Vormarsch

Besonders große Sorgen machen sich Zeckenexperten über die Tropenzecke Hyalomma, die mehr und mehr in Deutschland heimisch zu werden scheint. 27 Arten gibt es von ihr, die unter anderem das gefährliche Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fieber (CCHF) übertragen können - eine Infektionskrankheit, die mit Haut- und Darmblutungen und Leberversagen einhergehen kann. Eine Impfung existiert nicht. 

Hyalomma-Zecken brauchen Trockenheit

Ob sich Hyalomma-Zecken weiter in Deutschland vermehren, "hängt nicht so sehr von der Wärme, sondern von der Trockenheit ab, die Hyalomma bevorzugen", erklärt Gerhard Dobler. Da sie aus trockenen Gegenden wie Steppen und Wüsten stammen, fühlen sie sich im feuchten Klima unwohl. Gestaltet sich der Sommer 2020 regnerischer als in den letzten Jahren, so stehen die Chancen gut, dass uns die die weiterer Verbreitung der Hyalomma-Zecken erspart bleiben könnte.

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sig/loc/news.de

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