23.04.2020, 19.09 Uhr

Ramadan 2020 beginnt am 23. April: Sonderregeln im muslimischem Fastenmonat? DAS steckt dahinter

Mit Sorge erwarten Millionen Muslime weltweit den Ramadan, der am Abend des 23. April beginnt. Wie der Fastenmonat in diesem Jahr ablaufen wird, ist wegen der Corona-Pandemie ungewiss - doch Verschwörungstheorien kursieren bereits.

Im Fastenmonat Ramadan wird es für Muslime entgegen anderslautender Verschwörungstheorien keine Ausnahmen von den Coronamaßnahmen geben. Bild: Paul Zinken / ZB / picture alliance / dpa

Für rund 1,6 Milliarden Muslime weltweit beginnt der Fastenmonat Ramadan. Am Vorabend des 24. April 2020, also am 23.04., wird der Fastenmonat mit der abendlichen Iftar eingeläutet, der täglichen Feier des gemeinsamen Fastenbrechens. Aufgrund der Sichtung des Mondes sei der Freitag als erster Tag des Ramadan festgelegt worden, berichtete die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA am Donnerstagabend. In dem Königreich sind mit Mekka und Medina die beiden heiligsten Stätten des Islam beheimatet. Auch die Islamverbände in Deutschland hatten den Freitag als ersten Fastentag festgelegt. Im Oman beginnt der Ramadan erst am Samstag.

Ramadan 2020 ab 24. April: Diese Regeln müssen Muslime einhalten

Der islamische Kalender richtet sich nach dem Mond. Der Beginn des Ramadans hängt vom Erscheinen der Neumondsichel ab und kann deswegen variieren. Während des Ramadan ist nach dem Koran das Fasten eine der Hauptpflichten für die Gläubigen. Muslime verzichten im Ramadan von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex. Abends kommen sie zum gemeinsamen Fastenbrechen zusammen. Zudem sollen sie besonders darauf achten, keine Sünden zu begehen.Das Fasten während des Ramadans, der 2020 bis zum 23. Mai dauert, ist eine der fünf Säulen des Islam. In diesem Jahr bleiben in den meisten Ländern die Moscheen wegen der weltweiten Corona-Pandemie geschlossen.

Fastenmonat Ramadan 2020 von Coronakrise überschattet

Doch all das wird in diesem Jahr wohl nicht in gewohnter Form stattfinden. Nicht nur das gemeinsame Feiern, auch das Fasten könnte dazu führen, dass mehr Menschen durch das Virus erkranken. Auch die rund fünf Millionen Muslime in Deutschland werden von den Einschränkungen betroffen sein, die die Regeln der Coronavirus-Pandemie mit sich bringen. Dabei stand sogar die Überlegung im Raum, den Fastenmonat Ramadan im Jahr 2020 gänzlich ausfallen zu lassen.

Coronavirus überschattet Ramadan 2020: Tempelberg in Jerusalem bleibt geschlossen

Üblicherweise beten während des Ramadans besonders nachts Tausende Muslime in und an der Al-Aksa-Moschee am Tempelberg in Jerusalem. An den Freitagen sind es nach Angaben der Wakf-Behörde sogar Hunderttausende auf dem gesamten Tempelberg. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Aufgrund der weltweit grassierenden Coronavirus-Pandemie soll der Tempelberg, eine der heiligsten Stätten des Islam, auch während des Fastenmonats Ramadan geschlossen bleiben. Dies teilte die zuständige Wakf-Behörde mit. Der Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) in der Altstadt mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte für Muslime weltweit. Die Moschee wurde im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus bereits Mitte März geschlossen, eine Woche später der gesamte Tempelberg.

Ramadan in der Corona-Krise: Gerüchte um Sonderrechte für Muslime trotz Versammlungsverbot

Angesichts des bevorstehenden Ramadan blühen in den sozialen Netzwerken einige bizarre Verschwörungstheorien. Eine davon besagt, dass es angeblich Sonderrechte für Muslime im Fastenmonat geben solle: Angeblich habe das "Krisenzentrum für Berlin und Brandenburg" die Information veröffentlicht, die Menschen muslimischen Glaubens im Ramadan gemeinsames Feiern ermöglichen soll. Sollten zu Beginn des Ramadans die Ausgangsbeschränkungen noch gelten, gebe es eine Sonderregelung nur für Menschen mit muslimischem Glauben - sie dürften angeblich gemeinsam feiern.

Der Faktencheck enthüllt: Die Behauptung, es gäbe Sonderrechte im Ramadan, ist komplett aus der Luft gegriffen.Berlin und Brandenburg betreiben kein gemeinsames Krisenzentrum. In Brandenburg richtete die Landesregierung Mitte März ein Corona-Krisenzentrum in Potsdam ein. In Berlin koordiniert ein Krisenstab der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus.

Keine Ausnahme im Ramadan! Corona-Regeln bleiben auch im Fastenmonat für Muslime bestehen

Alle Religionen sind von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gleich stark betroffen, Sonderrechte werden keiner Glaubensrichtung eingeräumt. Im Klartext heißt das: Zusammenkünfte in religiösen Gebäuden bleiben untersagt, um die Verbreitung des Coronavirus aufzuhalten, bleiben Abstandsregelungen und Hygienevorschriften bestehen. Zudem ist inzwischen in ganz Deutschland eine Maskenpflicht verhängt worden.

Ostern 2020 ohne Gottesdienste wegen Coronavirus-Maßnahmen

Bund und Länder beschlossen bereits am 16. März drastische Einschränkungen, um die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland zu bremsen. Unter anderem wurden "Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen und die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften" untersagt. Dies betraf auch das Osterfest, das aufgrund der neuen Regeln nicht mit Gottesdiensten begangen werden konnte.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, stellte am 7. April bei Twitter noch einmal klar: "Selbstverständlich gilt das für alle Religionen. Ob Ostern, Pessach oder Ramadan: Ich verstehe gerade jetzt den Wunsch nach dem gemeinsamen Gebet & Gemeinschaft. Trotzdem sollten wir aktuell zum Wohle aller darauf verzichten, denn Gesundheit geht vor."

Moscheen bleiben in Deutschland trotz Ramadan 2020 geschlossen

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, geht davon aus, dass die Moscheen auch zu Beginn des islamischen Fastenmonats geschlossen bleiben. "Zur Zeit ist es noch verfrüht, genaue Angaben zu Ramadan zu machen, aber es steht traurigerweise zu befürchten, dass wir die Moscheen geschlossen halten müssen, zumindest für ein Teil des Heiligen Monats", sagte er der Funke Mediengruppe.

Corona-Krise: Ditib rät Risikogruppen zu Fastenverzicht im Ramadan

Angesichts der Coronavirus-Pandemie rät der Islam-Dachverband Ditib Risikogruppen im islamischen Fastenmonat Ramadan zur Zurückhaltung. Kranke zum Beispiel seien ohnehin vom Fasten befreit und sollten diese Möglichkeit auch nutzen, sagte Generalsekretär Abdurrahman Atasoy der Deutschen Presse-Agentur. "Dieses Jahr empfehlen wir zusätzlich auch jenen, die sich zwar gesund fühlen, aber als sogenannte Risikogruppe gelten und sich körperlich nicht fit genug empfinden, ebenfalls auf das Fasten zu verzichten. Die Gesundheit hat Vorrang."

Der Ramadan beginnt am 24. April und endet einen Monat später mit dem Zuckerfest. Während dieser Zeit verzichten gläubige Muslime nach religiösem Brauch von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Als Risikogruppen für das Coronavirus gelten Ältere, Krebspatienten in Chemotherapie und Menschen etwa mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen. "Wenn sich die Gläubigen unsicher sind, ob sie fasten sollten, sollen sie ihren Arzt konsultieren und seinen Empfehlungen Folge leisten", sagte Atasoy.

Generell blickten Muslime wahrscheinlich einem Ramadan in den eigenen vier Wänden entgegen, sagte Atasoy. Man richte sich nach den Empfehlungen der Behörden und habe bereits am 13. März gemeinschaftliche Veranstaltungen samt Gottesdiensten ab zwei Personen in allen Moscheen ausgesetzt. "Erst wenn es deutliche Entwarnung und ausdrückliche Erlaubnis für das Zusammenkommen größerer Menschengruppen gibt, werden wir unsere gemeinsamen Gottesdienste und Veranstaltungen wieder aufnehmen." Normalerweise kämen im Ramadan in den Moscheen zahlreiche Menschen zum allabendlichen Fastenbrechen zusammen.

Zahlreiche Ditib-Gemeinden böten aktuell Online-Formate wie interaktiven Unterricht über das Internet, Predigten oder Frage-Antwort-Runden über die sozialen Medien an. Auch Gruppenchats würden mehr genutzt.

Bulgarien: Keine Massengebete in Moscheen während des Ramadans

Die muslimische Minderheit im Balkanland Bulgarien muss wegen der Corona-Pandemie während des beginnenden Fastenmonats Ramadan auf Massengebete in den Moscheen verzichten. Es werde auch kein gemeinsames Fastenbrechen (Iftar) geben, teilte das Amt des Obersten Mufti in Bulgarien am Donnerstag mit. Gebete sowie Beiträge zum Ramadan sollen online gestellt werden.

In dem EU-Land sind etwa zehn Prozent der Bevölkerung Muslime. Sie sind vor allem ethnische Türken - Nachfahren aus der Zeit des Osmanischen Reiches, die heute im Süd- und Nordosten Bulgariens leben.

Bulgarien verzeichnete am Donnerstagmorgen mit 66 Erkrankungen (plus sechs Prozent) den bisher größten Anstieg der nachgewiesenen Coronavirus-Fälle binnen 24 Stunden. Die Gesamtzahl stieg in dem Land mit knapp sieben Millionen Einwohnern auf 1081, wie der Krisenstab in Sofia mitteilte. Unter den Infizierten sind 39 Kinder. 50 Menschen starben an den Folgen von Coronavirus-Infektionen. 190 Patienten sind wieder gesund. Das ärmste EU-Land versucht, die Fallzahlen mit strengen Schutzmaßnahmen in Grenzen zu halten, damit das Gesundheitswesen funktionsfähig bleiben kann. Bis zum 13. Mai gilt ein Ausnahmezustand. Lockerungspläne gibt es noch keine.

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loc/news.de/dpa

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