06.04.2020, 07.42 Uhr

Coronavirus-Studie aktuell: Cannabis als Covid-19-Wundermittel? Ärzte warnen vor Konsum

Gegen die Lungenkrankheit Covid-19 gibt es noch kein Heilmittel auf dem Markt. Dafür aber viele Mythen um angebliche Wirkstoffe. So soll Cannabis das Virus abtöten. Davor warnt jetzt ein Arzt. Das ist der Grund.

Arzt warnt davor, Cannabis zu rauchen oder einzunehmen. (Symbolfoto) Bild: AdobeStock/ Aleksej

Die Corona-Krise hat die Weltbevölkerung das Fürchten gelehrt. Sich mit dem Erreger Sars-CoV-2 zu infizieren, bereitet vielen Menschen Angst. In einer aktuellenIpsos-Umfrage gaben vier von zehn Bundesbürgern (43 Prozent) an, dass sie denken, das Virus schadet ihrer Gesundheit. Deshalb greifen einige verängstigte Menschen gezielt nach Nachrichten über angebliche Heilmittel, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Der neueste Hit: Cannabis. Doch davor warnt ein Arzt eindrücklich.

Arzt warnt vor Cannabis als Corona-Heilmittel

Cannabis ist nicht nur bei Anhängern in aller Munde, sondern darf seit März 2017 auch in einigen medizinischen Fällen zur Linderung von Schmerzen eingesetzt werden, da es unter anderem entzündungshemmend wirkt. Deshalb denken sich vielleicht einige Menschen auch, mit dem heilsamen Wirkstoff CBD aus der Cannabispflanze rauche ich die Coronaviren einfach in einer Rauchwolke aus? Dieser Gedanke ist nach neuestem, wissenschaftlich Stand einfach nur falsch, sagt auchDr. Stanton Glantz vom UCSF-Zentrum für Forschung und Bildung im Bereich der Tabakkontrolle im Interview mit dem Magazin "SF Weekly".

Er warnt: "Es gibt nicht viele direkte Daten über COVID. Aber es gibt eine Menge Beweise dafür, dass Rauchen und Dampfen (Inhalieren von Rauch durch eine E-Zigarette, Anm. d. Redaktion) die Immunfunktion in der Lunge unterdrückt." Der Arzt fügt hinzu: "Wenn man sich den Cannabisrauch ansieht und ihn mit Tabakrauch vergleicht, ist es nicht so anders. Sie haben THC anstelle von Nikotin, aber die immunsuppressive Wirkung scheint nicht primär auf Nikotin zurückzuführen zu sein."

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Coronavirus aktuell: Woher stammt der Cannabis-Mythos?

Diese Aussage stützt die Meinung anderer Lungenfachärzte, die sagten, dass alle Raucher jetzt lieber den Glimmstängel ausdrücken sollten, um die Lunge zu schützen. Trotz dieser fachlichen Meinungen kam der Ruf nach Cannabis als Wundermittel immer wieder in den Medien auf. Grund für diese Meinungen sind zwei Studien von Ärzten zu Ebola und der Schweinegrippe wo CBD angeblich geholfen hat. 

So schrieb der Cannabis-Forscher Dr. David Allen in einem Artikel auf dem Portal "Cannabisdigest": "„Es gibt gute wissenschaftliche Beweise dafür, dass Cannabinoide, und insbesondere Cannabidiol (CBD), das Immunsystem regulieren können und damit Schutz vor Virusinfektionen bieten. Cannabis hemmt nachweislich Pilze und Bakterien und kann [...] als eine neue Klasse antimikrobieller Mittel betrachtet werden."

Trotzdem sollten sie jetzt nicht zum Gras oder einem CBD-Öl greifen, um sich damit vor einer Coronavirus-Infektion zu schützen oder diese zu behandeln. Denn für die Wirkung des Stoffes gibt es derzeit keine Langzeitstudien.

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bos/news.de

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