12.12.2019, 12.12 Uhr

Messerangriffe in Deutschland: Horror-Entwicklung! DARUM steigt die Zahl der Messerattacken

Immer häufiger liest man von Messerattacken in Deutschland. Laut polizeilichen Statistiken zeichnet sich ein erschreckender Trend ab. Warum steigt die Gewaltbereitschaft? Warum greifen Täter immer mehr zum Messer?

Messer tauchen immer häufiger als Tatwaffen auf. Bild: dpa

In Lörrach wurde am Montag eine Mutter vor den Augen ihrer Kinder von ihrem Nachbarn mit einem Messer niedergestochen. Am Wochenende eine tödliche Messerattacke in Moers. In Augsburg starb ein Feuerwehrmann nach einem Streit mit einer Männergruppe. Auch hier kam ein Messer zum Einsatz. Die Berichte über Messerattacken in Deutschland scheinen sich zu häufen. Doch steigt die Zahl der Stichwaffendelikte wirklich an?

Keine einheitliche Statistik! Steigt die Zahl der Messerattacken in Deutschland an?

Zwar wurde bei der Innenministerkonferenz (IMK) im November 2018 beschlossen, dass Messer als Tatmittel in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Bundes künftig aufzuführen seien, passiert ist das bisher jedoch wenig. Noch immer gibt es keine verpflichtende und bundesweit einheitliche Statistik zu Messerattacken in Deutschland. 2020 soll sich das ändern. Einzelne Bundesländer führen diese Statistik seit einigen Jahren. Vergleichbare Zahlen gibt es bereits jetzt aus Baden-Württemberg, Berlin und Thüringen. Seit 2013 nimmt die Zahl der Messerattacken demnach zu.

In Baden-Württemberg wurden 2013 5.255 Straftaten mit Messern gezählt, 2016 waren es 6.240 und 2018 sank die Anzahl auf 6.073. Anders in Berlin: Hier wurden 2013 insgesamt 2.512 Straftaten mit Messern gelistet, 2016 waren es 2.625 und 2018 sogar 2.795. Auch in Thüringen steigt die Zahl der Messer-Delikte. Während 2013 noch 703 Straftaten gezählt wurden, lag die Zahl 2016 bei 906 und 2018 sogar bei 989.

Zahl der Messer-Straftaten steigt an

"Im Fünfjahresvergleich wird deutlich, dass die Fälle der Gewaltkriminalität unter Verwendung des Tatmittels Messer um 24,6 Prozent angestiegen sind", zitiert die "Bild" einen Sprecher des Ministeriums für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg. "Darüber hinaus stiegen im Fünfjahresvergleich die gefährlichen und schweren Körperverletzungen im Zusammenhang mit dem Tatmittel Messer um 34,0 Prozent an und Fälle der Straftaten gegen das Leben um 23,6 Prozent, bei zuletzt insgesamt rückläufigen Fallzahlen."

Flüchtling nicht schuld an steigenden Messerattacken

Rechtspopulisten sehen die Schuld für den Anstieg der Messer-Straftaten bei Flüchtlingen. Doch Gewaltforscher halten dagegen. "Die Flüchtlinge haben die Messer nicht nach Deutschland gebracht. In unseren Jugendbefragungen, die wir seit 2013 durchführen, hat sich schon gezeigt, noch bevor die 'Flüchtlingswelle' kam, dass jeder vierte junge, männliche Jugendliche ein Messer mit sich führt. Vor der 'Flüchtlingswelle'. Danach ist es gestiegen. Es sind jetzt mehr junge Menschen, die jetzt Messer mit sich tragen. Aber [sie ist] auch nicht besonders dynamisch die Entwicklung durch die Flüchtlinge. Es ist kein Flüchtlingsthema, es ist ein Jugendthema, über das wir hier reden", zitiert der MDRDirk Baier von der Hochschule Zürich.

Warum greifen Täter häufiger zum Messer?

Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine Dunkelfeldbefragung berichtet, tragen vor allem Personen in der Altersgruppe 14 bis 39 ein Messer bei sich. Die Gründe: Schutz vor Gewaltverbrechen und Selbstdarstellung. Zudem seien Messer im Vergleich zu anderen Waffen leicht zugänglich."Der verstärkte Einsatz von Messern als Waffe hat damit zu tun, dass die Hemmung, Aggressionen auszuleben, geringer geworden ist. Das hängt mit vielen Faktoren zusammen. Zum Beispiel dem Anpassungsdruck in der Gesellschaft. Der ist insgesamt immens gestiegen. Die Möglichkeiten, Emotionen rauszulassen, sodass es gebilligt wird, sind viel geringer geworden", sagt der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie,Dr. Bernd Roggenwallner, gegenüber der "Bild".

Messer-Täter oft männlich und unter Drogeneinfluss

Die Gewerkschaft der Polizei beklagt die zunehmende Gewaltbereitschaft. "Auffällig ist dabei auch eine oft völlig unverhältnismäßige Brutalität", sagte der bayerische Landesvorsitzende Peter Schall dem "Münchner Merkur". 70 bis 80 Prozent der Täter seien männlich und stünden unter Einfluss von Alkohol oder Drogen.

"Auch drogenbedingte Psychosen scheinen zuzunehmen, aus denen heraus Polizisten, Feuerwehrmänner und Sanitäter angegriffen werden", sagte Schall. "Ansonsten findet man diese Täter inzwischen leider in allen Gesellschaftsschichten, in allen Altersgruppen und mit sämtlichen Staatsangehörigkeiten." Auch wenn seit etwa fünf Jahren insbesondere gegenüber Einsatzkräften die Gewalt deutlich zunehme, betonte Schall aber, dass der Bezug im Augsburger Fall "nicht hundertprozentig passt", weil der getötete Feuerwehrmann privat unterwegs gewesen sei.

Mit Blick auf Politik und Justiz sagte Schall: "Die Strafen für Angriffe auf Rettungskräfte und Polizisten wurden ja gerade erst verschärft. Vonseiten der Justiz wäre es allerdings gut, wenn der zur Verfügung stehende Strafrahmen von den Richtern auch öfter einmal ausgeschöpft würde - insbesondere bei Wiederholungstätern." Er glaube aber nicht, dass sich das Problem alleine über das Strafrecht lösen lasse, sagte der Polizist. "Da muss in den Köpfen was passieren."

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bua/fka/news.de/dpa

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