30.06.2020, 11.48 Uhr

Kinder und das Coronavirus: Folgeschäden nicht ausgeschlossen! Studie warnt vor PIMS-Krankheit

Fieber, Bauchweh, Herzprobleme: In den vergangenen Wochen häuften sich die Fälle von Kindern, die mit der Entzündungskrankheit PIMS zum Arzt kamen. Der Verdacht auf Folgeschäden im Zuge der Corona-Pandemie gibt Grund zur Sorge.

Das sogenannte Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome, kurz PIMS, ruft unter anderem Fieber hervor und ähnelt dem Kawasaki-Syndrom (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / Aleksandra Suzi

Seitdem die ersten Fälle des Coronavirus Ende 2019 in China registriert wurden, hat sich Sars-CoV-2 in Windeseile auf dem ganzen Erdball ausgebreitet. Lange stritten sich die Wissenschaftler, welche Personengruppen durch das Coronavirus besonders stark in Mitleidenschaft gezogen werden - hauptsächlich ältere und immunsupprimierte Menschen galten als Risikogruppe für eine Covid-19-Erkrankung.

Coronavirus-News aktuell: Kinder stecken sich nicht häufiger mit Covid-19 an als Erwachsene

Inzwischen haben Untersuchungen gezeigt, dass Kinder im Vergleich zu Erwachsenen keiner größeren Gefahr ausgesetzt sind, sich mit dem Coronavirus anzustecken und demzufolge auch die Ausbreitung der Covid-19-Pandemie nicht maßgeblich vorantreiben. Dennoch gibt es Symptome bei jüngeren Patienten, die Ärzten und Wissenschaftlern im Zusammenhang mit dem Coronavirus die Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

PIMS bei Kindern: Entzündungskrankheit gleicht dem Kawasaki-Syndrom

Dabei ist es nicht das Coronavirus selbst, sondern eine andere bei Kindern auftretende Krankheit, die Anlass zur Sorge gibt. Bei der Erkrankung handelt es sich um das sogenannte Paediatric Inflammatory Multisystem Sydrome, kurz PIMS, eine Entzündungskrankheit, die Ärzten erst im Zuge der Corona-Pandemie auffiel. Andere Quellen bezeichnen die Krankheit als MIS-C, was eine Abkürzung für den englischen Terminus Multisystem Inflammatory Syndrome in Children ist.

Alarmierende Symptome desPaediatric Inflammatory Multisystem Sydrome (PIMS)

 

Die PIMS-Symptome ähneln dem sogenannten Kawasaki-Syndrom, das zu einer Überreaktion des Immunsystems führt, die vermutlich durch Bakterien oder Viren ausgelöst wird. Zu den wissenschaftlich beschriebenen Symptomen gehören neben Fieber, Auffälligkeiten des Magen-Darm-Traktes, etwa Durchfall, Erbrechen oder Bauchweh, auch Ausschläge an den Extremitäten, Bindehautentzündungen im Auge, Herzfunktionsstörungen und Probleme mit der Blutgerinnung. Als Warnsignal gelten zudem signifikant erhöhte Entzündungswerte im Blut. Dass auch das Coronavirus eine derartige Überreaktion bewirken kann, ist von Erwachsenen bereits bekannt.

Um PIMS differentialdiagnostisch von anderen Krankheiten abzugrenzen, muss der betroffene Patient zunächst jünger als 21 Jahre sein und einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf vorweisen, der einen Klinikaufenthalt unumgänglich macht. Liegt neben Fieber und bereits erwähnten kritischen Blutwerten ein positiver Coronavirus-Test vor oder konnten Sars-CoV-2-Antikörper nachgewiesen werden, ist eine PIMS-Erkrankung wahrscheinlich. Zudem müssen den aktuellen Richtlinien zufolge mehr als zwei Organsysteme des Patienten in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Langzeitfolgen nicht ausgeschlossen! Neue Studie zu PIMS-Krankheit besorgt Mediziner

Bereits Mitte Mai schlug das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm Alarm: Zu diesem Zeitpunkt bestanden rund 230 Verdachtsfälle auf PIMS in Europa. Inzwischen sind knapp rund 1.000 PIMS-Fälle weltweit beobachtet worden. Zwar klangen die Symptome in den meisten Fällen rasch ab, doch die möglichen Langzeitfolgen für den kindlichen Organismus geben Anlass zur Sorge, wie in Ende Juni 2020 veröffentlichten Studien im New England Journal of Medicine zu lesen ist.

Mediziner registrieren rund 1.000 PIMS-Fälle im Zuge der Corona-Pandemie

Zunächst war ungeklärt, ob das Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) mit dem Coronavirus in Verbindung steht. Ein Zusammenhang schien jedoch schon damals plausibel, hieß es in einer ECDC-Mitteilung. Teilweise wurden betroffene Kinder positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet. Es handle sich aber um eine seltene Erkrankung, "deren potenzielle Verbindung zu Covid-19 weder nachgewiesen, noch gut verstanden wird", hieß es noch im Mai 2020. In Großbritannien und Frankreich hatte es bis dato je einen Todesfall im Zusammenhang mit dem Syndrom gegeben. Das Erkrankungsrisiko für Kinder sei in der EU und Großbritannien für beide Krankheiten gering, so die ECDC.

Rätselhafte Symptome bei Kindern: Verdacht auf Kawasaki-Syndrom bei Kindern bereits im Mai 2020

Ärzte aus einem Krankenhaus im italienischen Bergamo hatten erst kurz zuvor Fälle von Kindern, die zwischen dem 18. Februar und dem 20. April derartige Krankheitsmerkmale zeigten, mit Kawasaki-Fällen in der Region aus den fünf Jahren vor Beginn der Pandemie verglichen. Insgesamt gab es demnach zwischen Januar 2015 und Mitte Februar dieses Jahres 19 Fälle des Kawasaki-Syndroms. In den zwei Monaten seither wurden bereits 10 Kinder mit Kawasaki-ähnlichen Symptomen behandelt, was den Studienautoren zufolge einer 30-fachen Zunahme entspräche. Allerdings weisen die Mediziner darauf hin, dass es schwierig sei, auf Grundlage solch geringer Zahlen valide Schlussfolgerungen zu ziehen.

PIMS und Coronavirus als Gefahr für Kinder? Virologe Christian Drosten gibt Entwarnung

Der Berliner Virologe Christian Drosten machte in diesem Zuge im NDR-Podcast deutlich, dass er keinen Grund zu Alarmismus sieht. Es handle sich um ein seltenes Phänomen, über das die internationale Kinderheilkunde nun beginne zu diskutieren. Drosten verwies auch auf die gute Behandelbarkeit.

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loc/news.de/dpa

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