30.10.2020, 09.36 Uhr

Funkloch-Karte der Bundesnetzagentur: Server überlastet! Wo gibt's keinen Handyempfang in Deutschland?

Funklöcher sind für Mobilfunknutzer ein echtes Ärgernis - doch wo in Deutschland gibt es keinen Handyempfang? Die aktuelle Karte zum Prüfen der Netzabdeckung hat der Bundesnetzagentur einen ungeheuren Ansturm beschert - mit spürbaren Folgen.

Die Bundesnetzagentur ist wegen einer neuen Übersicht über die Netzabdeckung in Deutschland förmlich überrannt worden (Symbolbild). Bild: Inga Kjer / picture alliance / dpa

Wer kennt das Dilemma nicht? Man ist abseits der eigenen vier Wände unterwegs, will das Handy zücken, einen Anruf tätigen oder im Internet surfen und dann das: Ein Funkloch tut sich auf, der Handyempfang ist miserabel oder gleich ganz futsch. Doch wo in Deutschland ist der Handyempfang besonders mies, wo die Dichte an Funklöchern am höchsten?

Wo gibt es keinen Handyempfang in Deutschland? Bundesnetzagentur veröffentlicht interaktive Karte

Diese Frage beantwortet die Bundesnetzagentur mit einer neuen interaktiven Karte - oder hatte dies zumindest vor. Auf der am Donnerstag (29.10.2020) freigeschalteten Webseite www.breitband-monitor.de sollte die Verfügbarkeit von allen drei Netzbetreibern dargestellt werden, also von der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica (O2).

Die Mobilfunkabdeckung in allen Dörfern, Städten und unbewohnten Gegenden Deutschlands ist damit erstmals auf einer Online-Karte der Bundesnetzagentur zu sehen. So eine Karte gab es bisher noch nicht, die Erreichbarkeit ist bis in die Straßen und Adressen erkennbar - und zwar nach den unterschiedlichen Mobilfunkstandards 2G, 3G und 4G. Künftig soll auch 5G dazukommen. Die Netze der fünften Mobilfunkgeneration sind erst im Aufbau begriffen.

Server überlastet! Neue Funkloch-Übersicht der Bundesnetzagentur nicht erreichbar

Wie groß das Interesse an der interaktiven Deutschland-Übersicht zu Funklöchern ist, wurde binnen weniger Stunden deutlich. Die Webseite wurde regelrecht überrannt und zwang die Server der Bundesnetzagentur in die Knie. Wer am Freitagmorgen auf breitband-monitor.de nach Funklöchern Ausschau halten wollte, bekam anstelle der angekündigten Deutschland-Karte nur einen Hinweis auf "Serverprobleme der Kartenanwendung". "Wir arbeiten an einer Lösung, damit Sie den Dienst schnellstmöglich wieder nutzen können", teilte die Bundesnetzagentur mit.

Bundesnetzagentur zieht Spott auf sich: Serverausfall vom breitband-monitor.de bei Twitter kommentiert

Häme für die Serverpanne ließ in den sozialen Netzwerken nicht lange auf sich warten. Zahlreiche User konnten sich Spott nicht verkneifen. "#Bundesnetzagentur beim digitalen Deutschland mit gutem Beispiel voran" schrieb ein User, ein anderer formulierte seine Eindrücke als "Ist das eine humoristische Fakeseite? #Digitalisierung #bundesnetzagentur #neuland".

Bundesnetzagentur mit interaktiver Karte zu Funklöchern und Netzabdeckung in Deutschland

Die Daten für die umfassende Karte kommen von den drei Netzbetreibern, die Regulierungsbehörde kontrolliert stichprobenartig deren Richtigkeit. "Wir überwachen die Entwicklung der Mobilfunkabdeckung und stellen die Daten der Öffentlichkeit zukünftig regelmäßig zur Verfügung", erklärte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Die Übersicht soll quartalsweise aktualisiert werden, das nächste Mal im Januar 2021.

Der Karte zufolge sind 96,5 Prozent der Fläche in Deutschland von mindestens einem Netzbetreiber mit 4G (LTE) versorgt. Rechnet man das langsamere 3G hinzu, käme man auf 97,3 Prozent der Landesfläche. Inklusive 2G (Edge) würden die Funklöcher, in denen kein einziger Netzbetreiber aktiv ist, auf nur noch 0,3 Prozent der Landesfläche schrumpfen. Für den Verbraucher sind dies aber theoretische Werte, weil sein Handy sich nur mit einem der drei Netze verbindet - die Gegenden ohne Verbindung für sein Smartphone sind also größer. Auf der Karte kann er genau sehen, wo ihm mit seinem Mobilfunkvertrag ein Funkloch oder Schneckentempo-Internet droht.

Politik kritisiert Bundesnetzagentur für breitband-monitor.de

Der Grünen-Bundestagabgeordnete Oliver Krischer kritisierte, dass sich die Bundesnetzagentur bei der Karte auf die Verfügbarkeitsangaben der Unternehmen verlasse. Er habe damit schlechte Erfahrungen gemacht. "LTE mag oftmals bei Sonnenschein in 50 Meter Höhe vorhanden sein, auf dem Boden habe ich aber in meiner Region Aachen vielfach sogar Probleme beim Telefonieren und Verbindungsabrisse sind an der Tagesordnung." Es sei bedenklich, dass die Bundesnetzagentur die Daten von Telekom, Vodafone und Telefónica auf die eigene Homepage stelle und so den Eindruck erwecke, dass es richtige und staatliche Angaben seien.

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loc/kns/news.de/dpa

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