Plötzlich Pflege nötig: Das müssen Angehörige bei einem Pflegefall in der Familie wissen

Ein Anruf aus dem Krankenhaus, ein schwerer Sturz oder die Diagnose Demenz: Für viele Familien beginnt der Pflegefall plötzlich. Und mit ihm kommen Fragen, auf die kaum jemand vorbereitet ist.

Von news.de-Redakteur - Uhr

Die Pflege im eigenen Zuhause ist aktuell der häufigste Fall - oft mit Unterstützung durch Pflegedienste. (Foto) Suche
Die Pflege im eigenen Zuhause ist aktuell der häufigste Fall - oft mit Unterstützung durch Pflegedienste. Bild: AdobeStock / Stockphotodirectors
  • Neuer CDU-Vorstoß zur Finanzierung von Pflegekosten sorgt bei Angehörigen für Panik
  • Wir zeigen Ihnen, was Sie bei der Pflege beachten sollten - und welche Fehler viele machen
  • Hier erfahren Sie, welche finanziellen Hilfen es gibt und wann Angehörige zahlen müssen

Mehr zu Themen wie Pflege, Rente und Altersvorsorge finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Ein neuer Vorschlag der CDU bringt viele Angehörige aktuell zur Weißglut - und das nicht ohne Grund. Pflegebedürftige sollen künftig eigenes Vermögen wie etwa Immobilien zur Finanzierung ihrer Pflege einsetzen müssen. Für viele Menschen ist das eine Horrorvorstellung: Erst ein Leben lang für das Eigenheim schuften müssen, nur um es dann plötzlich aufgrund der Pflegekosten verkaufen zu müssen.

Auch, wenn der Vorschlag derzeit noch reine Theorie ist, sorgt er bei vielen für Panik - denn bereits jetzt stoßen viele Angehörige emotional, organisatorisch und finanziell an ihre Grenzen. Denn für viele tritt der Pflegefall ganz plötzlich ein - und plötzlich steht man vor allerlei Fragen. Wer kümmert sich? Reicht die Rente? Welche Leistungen gibt es? Wir erklären Ihnen alles wichtige rund um das Thema Pflege.

Die ersten Schritte nach Eintreten des Pflegefalls

Ein Sturz, ein Schlaganfall oder die Diagnose Demenz reichen oft aus, um den Alltag einer Familie komplett zu verändern. Angehörige müssen plötzlich Pflege organisieren, Arztgespräche führen, Unterlagen beschaffen und gleichzeitig emotionale Ausnahmesituationen bewältigen. Der erste und wichtigste Schritt in dieser Phase ist, einen Pflegegrad zu beantragen. Ohne ihn gibt es kaum Leistungen der Pflegeversicherung. Besonders hier verlieren viele Familien wertvolle Zeit. Dabei werden Leistungen meist schon ab Antragstellung gezahlt.

Das Problem: Viele Angehörige wissen nicht, an welche Institutionen sie sich in dieser Zeit wenden können. Dabei bieten Pflegekassen, Pflegestützpunkte und Sozialdienste Beratung an. Beratungsstellen lassen sich beispielsweise über die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege(ZQP) ausfindig machen.

Neben der Suche nach Beratungsstellen mangelt es auch an einem weiteren Punkt: Oft fehlen Vorsorgevollmachten oder Patientenverfügungen. Dann dürfen selbst enge Angehörige nicht automatisch Entscheidungen treffen. Eine Patientenverfügung lässt sich jedoch recht einfach mit den Tools und Ressourcen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) erstellen.

Das gilt es, beim Antrag für den Pflegegrad zu beachten

Wichtig: Der Pflegegrad bestimmt darüber, welche Leistungen Betroffene in Anspruch nehmen können. Dabei wird nicht nur die körperliche Verfassung selbst bewertet, sondern auch, wie selbständig jemand den Alltag noch bewältigen kann. Dabei machen viele Angehörige denselben Fehler: Sie schildern die Situation viel zu harmlos. Gleichzeitig wollen Pflegebedürftige aus Scham oder Stolz so fit wie möglich wirken. Beides in Kombination bewirkt, dass die Leistungen geringer ausfallen, als sie sein könnten. Angehörige sollten sich daher an eine realistische Einschätzung der Situation halten.

Pflege zuhause: Diese Hürden erwarten Angehörige

Ein Großteil der Pflegebedürftigen wird aktuell zuhause versorgt - nur etwa ein Fünftel wird laut Statistischem Bundesamtderzeit in Heimen gepflegt. Für viele klingt das zunächst nach der menschlichsten Lösung, immerhin möchte niemand ins Heim "abgeschoben" werden. Doch in der Realität bedeutet das erheblichen Aufwand für die Angehörigen.

Pflege bedeutet nicht nur, den Einkauf zu erledigen oder im Haushalt auszuhelfen, sondern auch Körperpflege, Medikamentengabe, nächtliche Betreuung und die vollständige Organisation des Alltags zu übernehmen. Das alles muss häufig neben einem Vollzeitjob erledigt werden - daher ist es kaum verwunderlich, dass Angehörige häufig unter Schlafmangel, Überforderung und Streit innerhalb der Familie leiden.

Dabei existieren durchaus Leistungen, die Angehörige entlasten können: Pflegegeld, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege und zusätzliche Entlastungsbeträge können die Pflege erleichtern, werden allerdings häufig mangels Kenntnis nicht in Anspruch genommen. Betroffene erfahren häufig erst spät davon, welche Unterstützungsmaßnahmen ihnen zustehen.

Muss ich irgendwann das Haus verkaufen, um die Pflege zu zahlen?

Je nach Fall können mehrere tausend Euro Kosten auf die Pflegebedürftigen beziehungsweise ihre Angehörigen zukommen. Die Leistungen der Pflegeversicherung und die Rente reichen häufig für Plätze in Pflegeheimen nicht mehr aus. Reicht das Einkommen nicht aus, wird zunächst das vorhandene Vermögen eingesetzt, um die Pflege zu bezahlen. Die gute Nachricht: In vielen Fällen bleibt ein Eigenheim geschützt, so zum Beispiel, wenn der Ehepartner weiterhin dort lebt.

Problematischer wird es, wenn niemand mehr im Eigenheim wohnt und Pflegekosten dauerhaft ungedeckt bleiben. Nicht nur für die Pflegebedürftigen, sondern auch für ihre Angehörigen kann der Verkauf einer Immobilie zur Finanzierung der Pflege einen erheblichen finanziellen Verlust darstellen. Dennoch ist zur Vorsicht zu raten: Wer Immobilien frühzeitig an die Kinder überträgt, geht das Risiko ein, dass diese noch Jahre später teilweise zurückgefordert werden. Wer größere Vermögenswerte übertragen will, sollte sich rechtlich beraten lassen.

Müssen Kinder Elternunterhalt zahlen?

Auch die Sorge vor dem sogenannten Elternunterhalt spielt in vielen Familien eine große Rolle. Grundsätzlich können Kinder verpflichtet werden, sich an Pflegekosten zu beteiligen. Seit einer Reform müssen Durchschnittsverdiener allerdings deutlich seltener zahlen als früher. Trotzdem bleibt die Unsicherheit groß.

Pflege wird in Zukunft ein immer bedeutsameres Thema

Ein Pflegefall ist selten nur ein organisatorisches Problem - er verändert die Familie oft grundlegend. Angehörige fühlen sich häufig überfordert, erschöpft oder allein gelassen. Aus verschiedenen Antriebsgründen wird versucht, die Pflegekosten ohne zusätzliche finanzielle Hilfen zu stemmen - ein Fehler, von dem abzuraten ist.

Die aktuelle Debatte zeigt in jedem Fall: Pflege ist längst kein Randthema mehr - und gewinnt in der überalterten Gesellschaft und mit steigenden Kosten zunehmend an Bedeutung.

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