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Antisemitismus-Skandal um Gil Ofarim: Staatsanwalt ermittelt - Sänger erstattet Anzeige

Die Antisemitismus-Vorwürfe, die Gil Ofarim gegen ein Leipziger Hotel erhob, schlugen hohe Wellen. Wie geht es dem Musiker, der am 11. Oktober 2021 bei "Zervakis & Opdenhövel. Live." zu Gast war, inzwischen? Mittlerweile hat er Anzeige erstattet.

Der Musiker Gil Ofarim hat Antisemitismus-Vorwürfe gegen ein Leipziger Hotel publik gemacht - nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Bild: picture alliance/dpa | Tobias Hase

Die von Sänger Gil Ofarim geäußerten Vorwürfe wiegen schwer: Der Musiker machte bei Instagram öffentlich, in einem Leipziger Hotel antisemitisch diffamiert worden zu sein. Da er eine Kette mit dem jüdischen Symbol des Davidsterns um den Hals trug, sei ihm der Check-in verweigert worden. Der Fall schlug weit über die Grenzen Leipzigs hinaus hohe Wellen, Anzeigen wurden erstattet, Ermittlungen seitens der Staatsanwaltschaft aufgenommen. Wie ist der aktuelle Stand im Fall Gil Ofarim - und wie geht es dem Musiker nach dem antisemitischen Zwischenfall?

Gil Ofarim prangert Antisemitismus an: Musiker zu Gast bei "Zervakis & Opdenhövel. Live."

Am 11. Oktober 2021, eine Woche nach dem antisemitischen Übergriff auf Gil Ofarim in Leipzig, wird sich der Musiker in der Sendung "Zervakis & Opdenhövel. Live." bei Pro Sieben im Gespräch mit Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel zu dem Thema Antisemitismus und Diskriminierung äußern. Als weitere Gäste der Sendung, die ab 20.15 Uhr live bei Pro Sieben und in der Pro7-Mediathek bei Joyn zu sehen ist, wurden die Politologin Emilia Roig und der deutsch-iranische Künstler Michael Abdollahi angekündigt.

"Es war vielleicht ein Angriff zu viel": Gil Ofarim spricht bei Pro Sieben über Antisemitismus-Erfahrungen

Am Montagabend äußerte sich Ofarim in der Sendung "Zervakis & Opdenhövel. Live." des TV-Senders Pro Sieben über seinen Fall. "Ich bin nach wie vor sprachlos und schockiert, zugleich aber auch nicht überrascht." Er habe mit Antisemitismus schon öfters Erfahrungen gemacht, aber nicht so. Er spüre viel Solidarität, frage sich aber auch, ob sich etwas ändern werde an der Situation. "Es war vielleicht ein Angriff zu viel", sagte Ofarim vor dem Hintergrund, warum er per Video die Öffentlichkeit suchte. Er habe sich zur Zielscheibe gemacht und werde nun bedroht. Am Sonntag habe ihn eine Nachricht erreicht mit der Aussage, "bei der nächsten Säuberung bist Du ganz vorne mit dabei, mein Freund".

Gil Ofarim macht antisemitische Anfeindung öffentlich - alle Entwicklungen im News-Überblick

Alle aktuellen Entwicklungen im Fall Gil Ofarim haben wir hier für Sie im Nachrichten-Überblick zusammengefasst.

+++ 13.10.2021: Antisemitismus-Vorwürfe gegen Hotel: Ofarim hat Anzeige erstattet +++

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen einen Mitarbeiter eines Leipziger Hotels hat der Musiker Gil Ofarim Anzeige in München erstattet. Ermittler der sächsischen Polizei waren dafür am Dienstag in der bayerischen Landeshauptstadt und vernahmen Ofarim, wie die Leipziger Polizei am Mittwoch mitteilte. Details zu den Anzeigeninhalten nannte der Sprecher nicht. Die Ermittlungen führt demnach die Kriminalpolizei Leipzig in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft.

Ofarim schrieb am Dienstag auf Instagram, dass er eine Strafanzeige gegen den Mitarbeiter des Hotels "The Westin Leipzig" gestellt habe. In den letzten Tagen habe er in Interviews alles gesagt, was er zu dem Thema sagen könne. Er hoffe, dass er nach diesen «turbulenten Tagen» etwas zur Ruhe komme. Ofarim schrieb weiter, er wolle allen für unfassbar viele, sehr persönliche Nachrichten danken und sei überwältigt, was für eine Solidarität ihm und diesem wichtigen Thema aus der ganzen Welt entgegengebracht werde. Es dürfe keinen Platz für Hass, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Diskriminierung jeglicher Art geben.

Ofarim hatte in der vergangenen Woche in einem Video geschildert, dass ihn ein Hotelmitarbeiter aufgefordert habe, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Ofarim ist der Sohn des israelischen Musikers Abi Ofarim (1937-2018) und in Deutschland aufgewachsen.

Der Staatsanwaltschaft Leipzig liegen bislang mehrere Anzeigen zu dem Vorfall vor einer Woche vor - auch von dem beschuldigten Hotelmitarbeiter wegen Verleumdung. Er schildert nach früheren Angaben die Vorkommnisse anders als der Künstler.

+++ 11.10.2021: Ofarim: "Ich hoffe, dass irgendetwas passiert" - Anzeige am Dienstag +++

Nach dem Aufschrei um Antisemitismus-Vorwürfe in einem Leipziger Hotel hat der Musiker Gil Ofarim einen Wandel in der Gesellschaft angemahnt. "Ich hoffe, dass irgendetwas passiert", sagte er am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Gefahr sei, dass die Debatte nach kurzer Zeit verpuffe. "Was mir widerfahren ist, passiert jeden Tag in Deutschland, aber oftmals Menschen, die vielleicht keine Plattform haben, um darauf aufmerksam zu machen." Betroffene hätten oft Angst, sich zu melden. Er habe damit gerechnet, dass seine Aktion Wellen schlage, das Ausmaß habe ihn dennoch überrascht. Die Folgen könne er für sich noch nicht abschätzen. Jüngst habe ihn die Polizei nach einem Auftritt zur Sicherheit eskortiert.

Ofarim bekräftigte, dass er am Dienstag Anzeige erstatten wolle. Er werde an dem Tag von Ermittlern in München als Zeuge vernommen. Die Staatsanwaltschaft Leipzig wollte am Montag keine näheren Auskünfte zum Stand der Ermittlungen machen. Ihr liegen mehrere Anzeigen zu dem Vorfall vor einer Woche vor - auch von dem beschuldigten Hotelmitarbeiter wegen Verleumdung. Er schildert nach früheren Angaben die Vorkommnisse anders als der Künstler.

Ofarim hatte vor einer Woche in einem Video geschildert, dass ihn ein Hotelmitarbeiter in Leipzig aufgefordert habe, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Das Video wurde seither mehr als 3,3 Millionen Mal angesehen. Er selbst bezeichnet sich als säkularer Jude. Der Vorfall hat Empörung und Solidarität ausgelöst. Die Marriott-Gruppe, zu der das Leipziger Hotel gehört, hat gegenüber Ofarims Management ihr "tiefes Bedauern" über den Vorfall ausgedrückt.

Für ihn sei es nicht das erste Mal, dass er mit Antisemitismus konfrontiert wurde, betonte Ofarim. "Nur aus der Mitte der Gesellschaft, in einem Hotel, in dem jeden Tag Menschen aus aller Welt willkommen geheißen werden - das habe ich so noch nicht erlebt." Er glaube nicht, dass das ganze Hotel und sein Personal diese Gesinnung habe. "Es sind immer einzelne Personen", betonte Ofarim. Aber solcher Antisemitismus in der Gesellschaft sei Gift. Er hätte sich gewünscht, dass ihm in der konkreten Situation jemand zur Seite gesprungen wäre.

Dem in Internetkommentaren häufig geäußerten Vorwurf, ihm gehe es um Aufmerksamkeit, wies Ofarim energisch zurück. Niemand würde sich freiwillig zur Zielscheibe rechter Gesinnungen machen, betonte er. Schon gar nicht für PR-Zwecke. Der Vorfall in dem Hotel sei kein spezifisches Problem für Leipzig, sondern ein gesellschaftliches Problem in Deutschland. "Ich war oft in Leipzig, ich liebe diese Stadt", sagte der Sänger. "Es ist eine wunderschöne Stadt, vielleicht sogar eine der schönsten in Deutschland."

+++ 08.10.2021:Antisemitismus-Vorwurf - Marriott-Gruppe drückt "tiefes Bedauern" aus +++

Leipzig (dpa) - Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen das Hotel "The Westin Leipzig" hat die Marriott-Gruppe nach eigenen Angaben den betroffen Musiker Gil Ofarim kontaktiert. "Wir haben Kontakt zu Herrn Ofarim aufgenommen, um ihm unser tiefes Bedauern über seine Erfahrungen auszudrücken", teilte Marriott International am Freitagabend mit. "Wir waren schockiert und betrübt, als wir das von Gil Ofarim veröffentlichte Video über das Westin Leipzig gesehen haben." Das Leipziger Hotel gehört zu der Hotelkette.

"Wir nehmen diese Angelegenheit sehr ernst und unterstützen die polizeilichen Ermittlungen zu diesem Vorfall. Der Betreiber des Hotels hat uns mitgeteilt, dass der betreffende Mitarbeiter bis zum Abschluss der Ermittlungen beurlaubt wurde", erklärte das Unternehmen. Marriott International verurteile Antisemitismus und jegliche Diskriminierung.

+++ 08.10.2021:Antisemitismus-Vorwürfe: Ofarim will Anzeige erstatten +++ 

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen das Hotel "The Westin Leipzig" will der Musiker Gil Ofarim in der kommenden Woche "wegen aller in Betracht kommender Delikte" Anzeige erstatten, wie sein Management am Freitag mitteilte. Zunächst hatte die "Bild"-Zeitung berichtet. Ofarim will demnach als Zeuge aussagen.

Bislang war in Zusammenhang mit dem Vorfall bei der Polizei eine Online-Anzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung eingegangen. Zudem hatte der beschuldigte Hotelangestellte Anzeigen wegen Verleumdung und Bedrohung gestellt. Er habe den Vorfall "deutlich abweichend von den Auslassungen des Künstlers dargestellt", hatte Leipzigs Polizeisprecher Olaf Hoppe gesagt.

+++ 07.10.2021: Antisemitismus-Vorwürfe: Staatsanwaltschaft sucht Zeugen +++ 

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Mitarbeiter eines Leipziger Hotels wollen die Staatsanwaltschaft und das "Westin" selbst herausfinden, was genau vorgefallen ist. Das Hotel habe begonnen, alle Gäste, die Zeugen des Vorfalls um den Sänger Gil Ofarim gewesen sein könnten, zu befragen, sagte Hotelmanager Andreas Hachmeister der "Leipziger Volkszeitung" (Donnerstag). "Wir haben aber inzwischen auch alle Gäste kontaktiert, die in der Schlange hinter Herrn Ofarim standen und etwas von dem Vorfall mitbekommen haben müssten." Eine Bestätigung für das Vorgehen gab es auf dpa-Anfrage zunächst nicht.

Auch die Staatsanwaltschaft Leipzig versucht, Zeugen des Geschehens in der Hotellobby ausfindig zu machen und zu befragen. "Bislang liegen uns keine Angaben von unbeteiligten Dritten dazu vor", sagte Sprecher Ricardo Schulz am Donnerstag. Die Ermittlungen würden sicher noch eine ganze Zeit in Anspruch nehmen. Eine Anzeige von Gil Ofarim sei bislang nicht eingegangen. Sein Management teilte mit, dass die Anwälte des Musikers ihm zu einer Anzeige geraten hätten.

Unterdessen gibt es inzwischen weitere Vorwürfe gegen das Hotel. Die Sängerin Patricia Kelly schrieb am Mittwoch auf ihrer Instagram-Seite, dass ihr Manager dort Ähnliches erlebt habe. Details nannte sie nicht, das gesamte Team habe das Hotel sofort verlassen.

+++ 07.10.2021: Hotel geht Antisemitismus-Vorwurf von Gil Ofarim nach +++ 

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Mitarbeiter eines Leipziger Hotels will der Betrieb eigenständige Nachforschungen anstellen. Das Hotel habe begonnen, alle Gäste, die Zeugen des Vorfalls um den Sänger Gil Ofarim gewesen sein könnten, zu befragen, sagte Hotelmanager Andreas Hachmeister der "Leipziger Volkszeitung" (Donnerstag). "Wir haben aber inzwischen auch alle Gäste kontaktiert, die in der Schlange hinter Herrn Ofarim standen und etwas von dem Vorfall mitbekommen haben müssten."

In den nächsten Tagen wolle Hachmeister die Ergebnisse öffentlich machen. Ein Gast habe sich von sich aus an die Hotelleitung gewandt. "Er hat uns gesagt, es stimme alles nicht, was in dem Video zu hören ist", sagte der Geschäftsführer.

+++ 07.10.2021: Jüdische Studierende prangern alltäglichen Antisemitismus an +++ 

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen ein Leipziger Hotel haben jüdische Studierende alltäglichen Judenhass in Deutschland angeprangert. "Der antisemitische Vorfall im Westin Hotel Leipzig hat erneut gezeigt, wie verbreitet Antisemitismus in allen gesellschaftlichen Milieus ist, und dass Jüdinnen und Juden mit diesem überall im Alltag konfrontiert werden", sagte die Vorsitzende der Jüdischen Studierendenunion, Anna Staroselski, der "Rheinischen Post" (Donnerstag). Sie erlebten Judenhass in der Schule, Uni, U-Bahn oder auf der Straße. In den letzten Jahren sei ein Anstieg antisemitischer Taten und Äußerungen zu verzeichnen, wie sich etwa auf den Corona-Demonstrationen oder den antisemitischen Protesten im Mai und Juni gezeigt habe.

Nach Antisemitismus-Vorwürfen haben sich Hunderte Menschen vor dem "Westin Hotel" Leipzig versammelt, um Solidarität mit dem Musiker Gil Ofarim und Jüdinnen und Juden in Deutschland zu zeigen. Bild: picture alliance/dpa | Dirk Knofe

+++ 07.10.2021: Deutsch-Israelische Gesellschaft fordert schärferes Vorgehen +++ 

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen ein Leipziger Hotel hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) eine schärfere Ahndung judenfeindlicher Beleidigungen gefordert. "Antisemitismus darf nicht kleingeredet werden und sollte generell unter Strafe gestellt werden", sagte DIG-Präsident Uwe Becker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag). "Der Strafbestand der Volksverhetzung greift oft nicht weit genug, um beispielsweise Beleidigungen strafrechtlich zu verfolgen."

Becker sagte: "Ich bin schockiert, dass solche antisemitischen Vorfälle überhaupt in Deutschland passieren." Es mache deutlich, dass Antisemitismus weit über die extremen politischen Ränder verbreitet sei. "Nun ist ein Einstehen für jüdisches Leben in unserem Land und Solidarität gefordert sowie ein klares Bekenntnis zu Israel", sagte er dem RND. "Ein Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland ist immer auch ein Angriff auf die gesamte deutsche Gesellschaft."

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hotels hatten am Dienstagabend bei einer Solidaritätskundgebung vor dem Gebäude ein Banner hochgehalten, auf dem neben dem Hotelnamen auch die Flagge Israels und der islamische Halbmond zu sehen waren. Das stieß auf Kritik des Zentralrats der Juden. Bei dem Hotel gebe es offenbar wenig Bewusstsein dafür, dass Juden ein Teil der deutschen Gesellschaft seien.

+++ 06.10.2021: Staatsanwaltschaft ermittelt zu Antisemitismus-Vorwürfen in Leipzig +++ 

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen ein Leipziger Hotel bemühen sich Polizei und Staatsanwaltschaft um Aufklärung. Inzwischen liegen den Ermittlern mehrere Anzeigen vor. Der betroffene Musiker Gil Ofarim äußerte sich am Mittwoch enttäuscht, dass er bisher keine Entschuldigung des Hotels erhalten habe. Er hatte in einem Video geschildert, dass ihn ein Hotelmitarbeiter am Montagabend aufgefordert hatte, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Der beschuldigte Hotelmitarbeiter erstattete laut Polizei seinerseits Anzeige wegen Verleumdung. Er schildere den Vorfall deutlich anders als der Künstler.

Ofarim sagte am Mittwochmorgen in einem Gespräch bei Bild TV, er habe von dem Hotel "The Westin Leipzig" bislang keine Entschuldigung erhalten. "Mein Management hat nur eine Email bekommen, dass man sich mal austauschen wollen würde, mal reden. Aber ich habe weder eine Stellungnahme bekommen zu diesem Fall, ich habe keine Entschuldigung bekommen, gar nichts!" Er beklagte zudem, dass er von anderen Gästen des Hotels keine Unterstützung bekommen habe. Allerdings habe sein Video auf Instagram viele positive Reaktionen ausgelöst.

"Es ist nicht der erste Vorfall in meinem Leben, an dem ich konfrontiert worden bin mit Fremdenhass, mit Antisemitismus. Aber ich glaube: Es war einmal zu viel", sagte Ofarim. Er ist der Sohn des israelischen Musikers Abi Ofarim (1937-2018) und in Deutschland aufgewachsen. "Ich bin froh, dass ich das gemacht habe. Ich finde, man soll einfach nicht mehr die Klappe halten und das über sich ergehen lassen. Ich hätte mir nur gewünscht, dass ich nicht alleine gewesen wäre in dem Moment, und hätte mir gewünscht, dass andere Gäste das vielleicht mitgehört hätten."

Der Sprecher der Leipziger Polizei, Olaf Hoppe, sagte am Mittwoch, dass Ofarim bislang keine Anzeige erstattet habe. Allerdings sei eine Online-Anzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung eingegangen. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass die Vorwürfe gegen den Hotelmitarbeiter "umfassend auf ihre strafrechtliche Relevanz" geprüft wurden. "Nun gilt es abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben und was tatsächlich an dem Tag geschehen ist", sagte Hoppe.

Der beschuldigte Angestellte habe indes Anzeigen wegen Verleumdung und Bedrohung gestellt. Er habe den Vorfall "deutlich abweichend von den Auslassungen des Künstlers dargestellt", sagte Hoppe. Zudem hätten sich Menschen in den sozialen Netzwerken völlig entfesselt gegenüber dem Hotelpersonal geäußert. Der Mitarbeiter habe über Instagram Drohnachrichten erhalten, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Über ihn lägen bisher keine Erkenntnisse im Zusammenhang mit rechtsgerichteten und antisemitischen Straftaten vor.

Das Hotel "The Westin Leipzig" hat zwei Mitarbeiter beurlaubt. Dies gelte zunächst für die Dauer der Ermittlungen, sagte eine Sprecherin der Marriott-Gruppe.

Unterdessen kritisierte der Zentralrat der Juden eine Reaktion des Hotels auf den Vorfall. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten am Dienstagabend bei einer Solidaritätskundgebung vor dem Gebäude ein Banner hochgehalten, auf dem neben dem Hotelnamen auch die Flagge Israels und der islamische Halbmond zu sehen waren. "Nach der antisemitischen Anfeindung gegen einen Juden in Deutschland fällt dem Hotel nichts anderes ein, als die israelische Flagge und Symbole des Islam auf ein Banner zu drucken", sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster. Bei dem Hotel gebe es offenbar wenig Bewusstsein dafür, dass Juden ein Teil der deutschen Gesellschaft seien.

Ofarim hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Instagram-Video berichtet, beim Einchecken von Mitarbeitern nicht berücksichtigt worden zu sein. Er erzählte, wie er sich in eine Schlange eingereiht habe. Immer wieder seien Personen vorgezogen worden. Als er nach 15 Minuten an der Reihe gewesen sei, habe er gefragt, was das solle. Der Mitarbeiter habe geantwortet: "Um die Schlange zu entzerren", dabei habe Ofarim ja selbst darin gestanden. Daraufhin habe "irgendeiner aus der Ecke" gerufen, dass er seinen Davidstern, den er an einer Kette trug, einpacken solle. Auch der Hotelmitarbeiter habe gesagt: "Packen Sie Ihren Stern ein."

Der Davidstern ist eines der bekanntesten Symbole die mit dem Judentum verbunden werden. Obwohl das Hexagramm als jüdisches Zeichen bereits im 7. Jahrhundert vor Christus vorkommt, schmückt der Davidstern erst seit dem Mittelalter Synagogen und seit 1948 die Flagge des Staates Israel. Während des Nationalsozialismus wurde der Davidstern den Juden als Stigma ("Judenstern") aufgezwungen.

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zeigte sich bestürzt. "Dass ein Mensch in der Öffentlichkeit einer gut besuchten Hotellobby antisemitisch diskriminiert und angefeindet wird, entsetzt mich", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Er forderte mehr Aufklärung über Judenhass in Deutschland.

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loc/news.de/dpa