Von news.de-Redakteurin - Uhr

Gil Ofarim: "Let's Dance"-Star antisemitisch angefeindet - Hotelmitarbeiter stellt Anzeige

Was Gil Ofarim in einem Hotel mitten in Deutschland erleben musste, macht fassungslos: Der Musiker wurde in Leipzig aufgrund seines jüdischen Glaubens unverhohlen antisemitisch angefeindet und machte die Vorkommnisse bei Instagram publik.

Der Musiker Gil Ofarim ist in einem Leipziger Hotel antisemitisch angefeindet worden. Bild: picture alliance/dpa | Tobias Hase

Gil Ofarim ist das, was man als Multitalent der Unterhaltungswelt bezeichnen kann - der 39-Jährige ist Musiker, Synchronsprecher, Moderator, Buch-Autor und Gewinner der 10. Staffel von "Let's Dance". Doch obwohl Gil Ofarim eine große Fangemeinde hat, ist er vor offenen Anfeindungen nicht gefeit - ein aktuelles Beispiel dafür machte Gil Ofarim nun bei Instagram öffentlich.

Gil Ofarim antisemitisch angefeindet: Hotelpersonal verweigert jüdischem Musiker den Service

Was der Musiker seiner 108.000 Follower starken Instagram-Gefolgschaft in einem Reel bei Instagram zu sagen hat, macht fassungslos, wütend, sprachlos. Gil Ofarim sitzt, so ist es in dem knapp zweiminütigen Video zu sehen, vor der Eingangshalle eines Hotels, das dem Musiker zufolge im Herzen von Leipzig liegt. Weltoffen und tolerant möchte sie sein, die sächsische Messestadt - doch was Gil Ofarim bei seinem Besuch in Leipzig zu Gesicht bekam, ist die widerliche Fratze des Antisemitismus.

"Pack deinen Stern ein!" Gil Ofarim stellt antisemitisches Hotelpersonal an den Pranger

"Ich bin grad sprachlos, ich weiß nicht, wie ich es sagen soll", beginnt der sichtlich mitgenommene Musiker seine Schilderungen der Vorkommnisse. Er sei in Leipzig angekommen und habe in dem Hotel einchecken wollen, wo sich bereits aufgrund von technischen Problemen eine lange Schlange am Empfangstresen gebildet hatte. "Das kann passieren, alles gut", so Gil Ofarim beschwichtigend - doch was anschließend passierte, darf in Deutschland im Jahr 2021 keinen Platz haben. Dem Sänger, der als Symbol seines jüdischen Glaubens eine Kette mit einem Davidstern deutlich sichtbar um den Hals trägt, wurde kurzerhand der Service verweigert.

"Eine Person nach der anderen wird vorgezogen und ich versteh nicht warum", so Gil Ofarim rückblickend. Als der Musiker den am Empfang arbeitenden Hotelmitarbeiter, den er lediglich als "Herrn W." identifiziert, um eine Erklärung bittet, bekam Gil Ofarim nur die schmallippige Antwort, andere Gäste seien vor ihm abgefertigt worden, "um die Schlange zu entzerren". Die wahren Beweggründe wurden nur Augenblicke später deutlich, wie Gil Ofarim schildert: "Da ruft irgendeiner aus der Ecke: 'Pack deinen Stern ein!' Und dann sagt der Herr W.: 'Packen Sie Ihren Stern ein!'" Gil Ofarim hätte demnach erst dann das Hotel als eingecheckter Gast betreten dürfen, hätte er seine Kette mit Davidstern abgenommen.

Ofarim selbst wollte sich zu dem Vorfall am Dienstag auf dpa-Anfrage zunächst nicht äußern. Laut seinem Management erwägt er, eine Strafanzeige zu stellen. Bisher habe es keine offizielle Entschuldigung seitens des Hotels gegeben. Er müsse die Vorkommnisse in Leipzig erst einmal verdauen und sei sichtlich schockiert. "Heute wäre der Geburtstag seines Vaters gewesen, deshalb möchte er zu diesem Thema auch erst einmal keine weiteren persönlichen Interviews geben", hieß es. Der Tag sei generell schon schwer genug für ihn. Man bitte um Nachsicht und Verständnis.

Der Davidstern ist eines der bekanntesten Symbole, die mit dem Judentum verbunden werden. Er besteht aus einem Hexagramm, das durch zwei ineinander verwobene gleichschenklige Dreiecke gebildet wird. Obwohl das Hexagramm als jüdisches Zeichen bereits im 7. Jahrhundert vor Christus vorkommt, schmückt der Davidstern erst seit dem Mittelalter Synagogen und seit 1948 die Flagge des Staates Israel. Während des Nationalsozialismus wurde der Davidstern den Juden als Stigma ("Judenstern") aufgezwungen.

Instagram-Fans fassungslos nach Antisemitismus-Skandal: "Man kann sich nur noch schämen"

Bei solch unverhohlen zur Schau gestelltem Antisemitismus bleiben Gil Ofarim die Worte beinahe im Hals stecken. "Deutschland 2021!", so das bittere Fazit des Musikers zu den widerlichen Vorkommnissen. Nicht nur Gil Ofarim, auch seine Fans sind entsetzt über die Diskriminierung, die der Musiker abbekam. Unter dem Instagram-Beitrag häufen sich die Kommentare, dei Gil Ofarim Unterstützung und Mut zusprechen. "Dann wissen wir ja jetzt welche Hotelkette wir meiden werden!!!! Schlimmer geht es nicht. Tut mir so leid das du so etwas erfahren musstest", schreibt ein Fan, "Unglaublich! Sofort melden. Solche Personen müssen entlassen werden", fordert ein anderer Follower Konsequenzen. Andere Fans sicherten Gil Ofarim mit Kommentaren wie "Das kann doch echt nicht wahr sein was ist in unserem Land abgeht. Man kann sich nur noch schämen. Es tut mir so leid und ich kann mitfühlen wie es dir jetzt geht", "Als gebürtige leipzigerin bin ich sprachlos und schäme mich für dafür" oder "Das macht mich mehr wie traurig und fassungslos.....In welcher Welt leben wir !?" Mitgefühl zu.

Zentralrat der Juden verurteilt antisemitischen Übergriff auf Gil Ofarim scharf

Der Zentralrat der Juden in Deutschland verurteilte die von Gil Ofarim öffentlich gemachten Vorfälle scharf. "Die antisemitische Anfeindung gegen Gil Ofarim ist erschreckend. So wie zu hoffen ist, dass das Westin personelle Konsequenzen zieht, hoffe ich ebenso, dass wir künftig auf Solidarität treffen, wenn wir angegriffen werden", so der Zentralratsvorsitzende Dr. Josef Schuster via Twitter. Solidarität bekam Gil Ofarim auch von Kollegen wie Daniel Donskoy, der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, der Amadeu Antonio Stiftung oder der Antidiskriminierungsstelle der Bundesrepublik zugesprochen.Der Pianist Igor Levit schrieb an das Hotel gerichtet: "Shame on you".

Auch sächsische Politikerinnen und Politiker äußerten sich. Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) hofft darauf, dass der Musiker Anzeige erstattet, damit man den Vorgang polizeilich untersuchen könne. "Sachsen ist ein weltoffenes Land", betonte Wöller. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) schrieb bei Twitter, es mache ihn wütend, was Ofarim widerfahren sei. Er spreche für die übergroße Mehrheit der Menschen in Sachsen, wenn er sich stellvertretend für die antisemitische Demütigung entschuldige. "Wir haben noch viel zu tun in Sachsen!" Auch Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) zeigte sich bei Twitter bestürzt. "Antisemitismus darf keinen Platz haben. Nicht offen, nicht verdeckt. Nicht in Sachsen, nicht in Deutschland, nirgendwo."

Hunderte solidarisieren sich mit Gil Ofarim vor Leipziger Hotel

Nach Antisemitismus-Vorwürfen haben sich am Abend Hunderte Menschen vor dem "Westin Hotel" Leipzig versammelt, um Solidarität mit dem Musiker Gil Ofarim und Jüdinnen und Juden in Deutschland zu zeigen. Aufgerufen hatte das Bündnis "Leipzig nimmt Platz". Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl zunächst auf den "mittleren dreistelligen Bereich", wie eine Sprecherin sagte.

Irena Rudolph-Kokot von "Leipzig nimmt Platz" sagte bei der Kundgebung, dass der antisemitische Vorfall extrem wütend mache und nicht unwidersprochen bleiben dürfe. "Wir solidarisieren uns mit allen Jüdinnen und Juden, denen das in Deutschland immer noch viel zu häufig passiert", sagte sie. Neben den Hunderten Teilnehmenden aus der Zivilgesellschaft nahmen auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hotels an der Kundgebung teil. Sie hielten vor dem Hoteleingang ein Transparent hoch, auf dem die Flagge Israels zu sehen war.

Antisemitismus-Vorwurf: Zentralrat der Juden kritisiert Hotel

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen das Leipziger "Westin Hotel" hat der Zentralrat der Juden die Reaktion des Unternehmens kritisiert. "Nach der antisemitischen Anfeindung gegen einen Juden in Deutschland fällt dem Hotel nichts anderes ein, als die israelische Flagge und Symbole des Islam auf ein Banner zu drucken", sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Dabei sei die Leipziger Synagoge fußläufig vom Hotel entfernt.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hotels hatten am Dienstagabend bei einer Solidaritätskundgebung vor dem Gebäude ein Banner hochgehalten, auf dem neben dem Hotelnamen auch die Flagge Israels und der islamische Halbmond zu sehen waren.

Schuster sagte, dass es bei dem Hotel offenbar wenig Bewusstsein dafür gebe, dass Juden ein Teil der deutschen Gesellschaft seien. "Wir sind zudem mehr als irritiert, dass eine deutliche Entschuldigung des Hotels gegenüber Gil Ofarim bisher ausgeblieben ist."

Antisemitismus-Vorwürfe gegen Leipziger Hotel: Wie reagiert die Hotelleitung?

News.de hat das Leipziger Hotel um eine Stellungnahme zu den Vorkommnissen gebeten, bislang jedoch keine Antwort erhalten. Bei Instagram veröffentlichte die Hotelleitung lediglich einen knappen Kommentar: "Wir sind besorgt über diesen Bericht und nehmen die Angelegenheit sehr ernst. Wir versuchen mit allen Mitteln, mit Herrn Ofarim in Kontakt zu treten, während wir dringend nachforschen, was hier passiert ist. Unser Ziel ist es, alle unsere Gäste und Mitarbeiter zu integrieren, zu respektieren und zu unterstützen, unabhängig davon, welcher Religion sie angehören", so das in die Kritik geratene Haus weiter.

Nach Antisemitismus-Vorwurf: Hotelmitarbeiter vorerst beurlaubt

Nach Antisemitismus-Vorwürfen des Musikers Gil Ofarim sind zwei Mitarbeiter eines Leipziger Hotels beurlaubt worden. Dies gelte zunächst für die Dauer der Ermittlungen, sagte eine Sprecherin der Marriott-Gruppe am Mittwochmorgen (06.10.2021).

Die Polizei nahm Ermittlungen auf und wollte nach eigener Aussage am Mittwoch der Staatsanwaltschaft die Ermittlungsunterlagen zur rechtlichen Prüfung vorlegen. Ob Ofarim Anzeige erstattete, war am Mittwochmorgen zunächst unklar.

Gil Ofarim: "Hätte mir Unterstützung von anderen Gästen gewünscht"

Der Musiker Gil Ofarim hätte sich bei dem von ihm geschilderten antisemitischen Vorfall in einem Leipziger Hotel Unterstützung von anderen Gästen gewünscht. Niemand um ihn herum habe etwas gesagt, als ein Hotelmitarbeiter ihn aufgefordert habe, seinen Davidstern an einer Kette abzunehmen, sagte Ofarim am Mittwoch in Bild TV.

"Es ist nicht der erste Vorfall in meinem Leben, an dem ich konfrontiert worden bin mit Fremdenhass, mit Antisemitismus. Aber ich glaube: Es war einmal zu viel", sagte Ofarim. "Ich bin froh, dass ich das gemacht habe. Ich finde, man soll einfach nicht mehr die Klappe halten und das über sich ergehen lassen. Ich hätte mir nur gewünscht, dass ich nicht alleine gewesen wäre in dem Moment, und hätte mir gewünscht, dass andere Gäste das vielleicht mitgehört hätten."

Eine Entschuldigung von dem Hotel habe er bislang nicht erhalten. "Mein Management hat nur eine Email bekommen, dass man sich mal austauschen wollen würde, mal reden. Aber ich habe weder eine Stellungnahme bekommen zu diesem Fall, ich habe keine Entschuldigung bekommen, gar nichts!"

Antisemitismus-Vorfall in Leipziger Hotel - Mitarbeiter stellt Anzeige wegen Verleumdung

Im Zusammenhang mit den Antisemitismus-Vorwürfen in einem Leipziger Hotel hat der beschuldigte Mitarbeiter jetzt Anzeige wegen Verleumdung gestellt. Der Mann schildere den Vorfall mit dem Künstler Gil Ofarim "deutlich abweichend von den Auslassungen des Musikers", sagte Polizeisprecher Olaf Hoppe.

Der Hotelangestellte habe zudem noch eine zweite Anzeige wegen Bedrohung gestellt, weil sich Menschen in den sozialen Netzwerken völlig entfesselt gegenüber dem Hotelpersonal geäußert hätten. Außerdem sei bei der Polizei eine Online-Anzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung eingegangen.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig und die die Kriminalpolizei hätten sämtliche Ermittlungen aufgenommen, sagte Hoppe. "Nun gilt es abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben und was tatsächlich an dem Tag geschehen ist." Gil Ofarim habe bislang keine Anzeige erstattet.

Polizei prüft strafrechtliche Konsequenzen nach Antisemitismus-Vorwürfen

Olaf Hoppe, Sprecher der Leipziger Polizei, sagte, dass die mutmaßliche Aussage des Hotelangestellten für ihn "klar antisemitisch" sei. Die Polizei werde Inhalte des Videos an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, die eine strafrechtliche Relevanz prüfe. Je nach Ergebnis werde dann weiter ermittelt oder nicht. Wie Hoppe weiter erklärte, war die Polizei bei dem Vorfall nicht vor Ort. Mit Ofarim habe man bislang nicht gesprochen. Die Behörde kenne sein Video und habe es gesichert.

Staatsanwaltschaft: Keine Straftaten von Hotelmitarbeiter bekannt

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen ein Leipziger Hotel hat die Staatsanwaltschaft Leipzig die Ermittlungen zu dem Fall aufgenommen. Es lägen keine Erkenntnisse im Zusammenhang mit rechtsgerichteten und antisemitischen Straftaten gegen den beschuldigten Hotelmitarbeiter vor, teilte Behördensprecher Ricardo Schulz auf Anfrage mit. Auch zu einer von dem Sänger Gil Ofarim in einem Video zu dem Vorfall erwähnten zweiten Person lägen bisher keine weiteren Erkenntnisse vor.

Nachdem der betroffene Hotelangestellte Anzeige wegen Verleumdung gegen den Musiker erstattet habe, würden die gegenseitigen Vorwürfe nun geprüft, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Aussagen unbeteiligter Dritter oder sonstige Beweismittel zu dem Vorgang lägen der Staatsanwaltschaft derzeit nicht vor. Wie lange die Ermittlungen andauern, könne momentan nicht eingeschätzt werden.

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loc/news.de/dpa