TV: Zehntausende protestieren gegen Rundfunkreform in Tschechien

Die Gebühren sollen weg, die Sender vom Staatshaushalt abhängen: Tschechiens Präsident Petr Pavel warnt vor den Änderungen im Eilverfahren. Was steckt hinter dem Protest gegen die Reform?

Erstellt von - Uhr

Aktuelle Nachrichten rund ums Thema Fernsehen lesen Sie auf news.de (Symbolbild). (Foto) Suche
Aktuelle Nachrichten rund ums Thema Fernsehen lesen Sie auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / Aliaksei

Zehntausende Menschen haben in Tschechien für Medienfreiheit und gegen eine umstrittene Rundfunkreform demonstriert. Zu der Protestkundgebung am Sonntag im Prager Stadtzentrum hatte die Initiative "Eine Million Augenblicke für Demokratie" aufgerufen. Die Menschen hielten Schilder mit Sprüchen wie "Stoppt die Regierung der Arroganz und Zerstörung" oder "Wir wollen die Zensur nicht zurück!" hoch. Kleinere Proteste gab es bereits an den Vortagen in Prag, Brünn und anderen Städten.

Die rechtspopulistische Regierung unter Andrej Babis will die Rundfunkgebühren abschaffen und die öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radiosender von Zahlungen aus dem Haushalt abhängig machen. Die Änderung würde zudem mit erheblichen Mittelkürzungen um mehr als 15 Prozent einhergehen. Der Gesetzentwurf passierte in einer ungewöhnlichen Nachtsitzung in erster Lesung das Abgeordnetenhaus, das Unterhaus des Parlaments. Nun geht der Antrag zur weiteren Bearbeitung an die Ausschüsse.

Präsident zeigt sich beunruhigt

Der tschechische Präsident Petr Pavel kritisierte das überstürzte Verfahren, mit dem die Regierung die Novelle durch das Parlament bringen will. Die Art der Behandlung des Gesetzentwurfs in der Nacht und am Wochenende untergrabe den "Glauben an die guten Absichten der Initiatoren", bemängelte der liberale Politiker. Die öffentlich-rechtlichen Medien zählten zu den Grundpfeilern der Demokratie. Jeder großen Reform müsse eine breite fachliche und öffentliche Diskussion vorausgehen, forderte Pavel.

Kritiker warnten, die Regierung verfolge das Ziel, den Tschechischen Rundfunk (CRo) und das Tschechische Fernsehen (CT) zu ihren Sprachrohren zu machen. Ministerpräsident Babis wies die Vorwürfe zurück: "Niemand hat die Absicht, ins Programm oder in die Berichterstattung einzugreifen", erklärte der Milliardär. Die ANO-Partei des 72-Jährigen regiert seit Dezember gemeinsam mit zwei Kleinparteien am rechten Rand, der Autofahrerpartei Motoristen und der Gruppierung Freiheit und direkte Demokratie (SPD).

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

Weitere aktuelle News im Ressort "Politik":

/roj/news.de

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.