Donald Trump: Drei Polit-Fehler machten Trump-Aufstieg möglich – jetzt warnt Ex-Berater

Warum konnte Donald Trump überhaupt zum mächtigsten Mann der USA aufsteigen? Anthony Scaramucci sieht die entscheidenden Ursachen nicht bei Trump selbst, sondern in drei politischen Weichenstellungen unter Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama. In seinem neuen Buch erklärt der frühere Trump-Vertraute, wie wirtschaftlicher und politischer Frust den Aufstieg des Populismus begünstigt habe.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

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Wie konnte Donald Trump überhaupt US-Präsident werden? Bild: picture alliance/dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
  • Anthony Scaramucci veröffentlicht neues Buch und rechnet mit Donald Trump ab
  • Drei politische Fehlentscheidungen unter Clinton, Bush und Obama seien für den Aufstieg von Trump mitverantwortlich
  • Scaramucci skizziert, wie man den Verfall der Demokratie aufhalten kann

Kaum jemand hat die Schaltzentrale der amerikanischen Macht so hautnah erlebt wie Anthony Scaramucci. Der Hedgefonds-Manager machte zunächst bei Goldman Sachs Karriere, gründete die Investmentfirma SkyBridge Capital, sammelte Spenden für Barack Obama und landete schließlich als Kommunikationsdirektor von Donald Trump im Weißen Haus. Zehn Tage dauerte sein Gastspiel, bevor Trump ihn feuerte. Heute gehört Scaramucci zu den lautesten Kritikern des Republikaners. In seinem Buch "Der Weg ins Chaos" liefert er nun eine Analyse, die beide Seiten des US-amerikanischen Polit-Spektrums unbequem treffen dürfte. Seine zentrale These: Trump ist nicht die Ursache der Krise, sondern ihr Symptom. Drei verheerende Fehlentscheidungen unter den Präsidenten Clinton, Bush und Obama hätten über drei Jahrzehnte hinweg den Boden bereitet, auf dem der Populismus gedeihen konnte. Republikaner wie Demokraten tragen demnach gleichermaßen Verantwortung.

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Scaramuccis Glaubwürdigkeit speist sich nicht zuletzt aus seiner Bereitschaft zur Selbstkritik. Im November 1999, als 50.000 Demonstranten bei den WTO-Protesten in Seattle die Straßen blockierten, saß der damals 35-Jährige nach eigener Darstellung als selbstgefälliger Finanzjongleur in einem New Yorker Handelsraum und blickte mit Verachtung auf die Protestierenden herab. Heute räumt er unumwunden ein: Die Globalisierungsgegner behielten recht, er selbst lag daneben.

Für seine Diagnose entwickelt Scaramucci das Konzept einer "geldzentrierten Geschichtsbetrachtung". Geld, Handel und Freiheit seien in den USA seit jeher untrennbar miteinander verflochten. Das amerikanische Erfolgsmodell habe aber nur funktioniert, solange die Gewinne fair zwischen Kapital und Arbeit aufgeteilt wurden. Abraham Lincoln brachte dieses Prinzip 1861 auf den Punkt: "Die Arbeit steht über dem Kapital und verdient weitaus höhere Beachtung." Als Washington diesen Grundsatz aufgab, verwandelte sich der American Dream in Frustration und Zorn.

Sechs Millionen Jobs geopfert – und niemand wollte es kommen sehen

Die erste fatale Weichenstellung fiel laut Scaramucci unter Bill Clinton. Ende der 1990er-Jahre trieb Washington Chinas Aufnahme in die Welthandelsorganisation voran, beflügelt von der naiven Überzeugung, freier Handel werde das Land demokratisieren. Dabei mangelte es keineswegs an Warnungen: Schon 1992 hatte Ross Perot in der NAFTA-Debatte vor einem massenhaften Abfluss amerikanischer Arbeitsplätze gewarnt, und Nancy Pelosi bezeichnete das Abkommen 1996 im Kongress als Jobvernichter.

Die politische Elite schlug sämtliche Bedenken in den Wind. Die Rechnung kam prompt: Zwischen 1999 und 2011 verschwanden in den USA knapp sechs Millionen Stellen in der Industrie. Rund 2,4 Millionen davon gingen unmittelbar auf die Billigkonkurrenz aus China zurück. Ganze Regionen verloren ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage und mit ihr das Vertrauen in die Politik.

Billionen für den Krieg, Steuergeschenke für die Reichen

Die zweite Fehlentscheidung verortet Scaramucci in der Ära George W. Bush. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zog die US-Regierung in den Irakkrieg und traf zugleich eine fiskalisch absurde Entscheidung: Statt die enormen Kriegskosten durch Einnahmen gegenzufinanzieren, senkte Bush die Steuern drastisch, vor allem zugunsten wohlhabender Amerikaner. Die bewährte Haushaltsregel "Pay as you go", die neue Ausgaben durch Gegenfinanzierung absicherte, wurde kurzerhand außer Kraft gesetzt.

Das Ergebnis war ein Multibillionen-Dollar-Abenteuer auf Pump. Die Schuldenlast und die schleichende Inflation fraßen sich durch die Ersparnisse der arbeitenden Bevölkerung. Als kurz darauf die Immobilien- und Subprime-Blase platzte, standen Millionen Amerikaner ohne jedes finanzielle Polster da – die Reserven waren längst aufgezehrt.

Banken gerettet, Familien auf die Straße gesetzt

Als 2008 das Finanzsystem unter der Last fauler Immobilienkredite kollabierte, folgte Scaramuccis dritte Katastrophe: Die Regierungen Bush und Obama schnürten mit dem Troubled Assets Relief Program und weiteren Hilfspaketen Rettungsschirme im Billionenbereich – für genau jene Banken und Spekulanten, die den Crash verursacht hatten. Die Finanzelite kassierte anschließend wieder üppige Boni.

Für die gewöhnlichen Amerikaner sah die Realität völlig anders aus: Rund zehn Millionen Familien verloren durch Zwangsversteigerungen ihr Zuhause. Während die Wall Street mit Steuergeldern aufgefangen wurde, blieb die Arbeiter- und Mittelschicht weitgehend sich selbst überlassen. Dieses eklatante Missverhältnis zerstörte laut Scaramucci endgültig jedes verbliebene Vertrauen in die Fairness des politischen Systems und machte den Weg frei für radikale Alternativen.

Trumps feindliche Übernahme einer ausgehöhlten Partei

Aus der Asche dieser drei Desaster stieg Donald Trump empor. Der aufgestaute Zorn der Abgehängten hatte sich bereits in Protestbewegungen entladen – rechts in der Tea Party, links bei Occupy Wall Street. Beide Seiten einte die Überzeugung, dass das parteiübergreifende Machtkartell der beiden Großparteien die Interessen der Wall Street konsequent über die der arbeitenden Bevölkerung stellte.

Trump erkannte diese Wut instinktiv, positionierte sich als Stimme der vergessenen Arbeiterklasse und übernahm die geschwächte Republikanische Partei in einer Art feindlicher Übernahme. Scaramucci warnt eindringlich vor den Konsequenzen: Trump strebe danach, den Rechtsstaat durch eine Willkürherrschaft zu ersetzen – ein System nach dem Muster der "gelenkten Demokratien" eines Erdoğan oder Orbán, in dem Wohlstand nicht dem Volk dient, sondern einem Kreis loyaler Gefolgsleute.

Vier Hebel gegen den Verfall der Demokratie

Scaramucci belässt es nicht bei der Diagnose, sondern skizziert in seinem Buch einen konkreten Reformplan. An erster Stelle steht für ihn die Eindämmung des Einflusses superreicher Großspender auf Wahlen und Politik. Ebenso dringend fordert er ein Ende des Gerrymandering – jener Praxis, Wahlkreise so zuzuschneiden, dass echter politischer Wettbewerb praktisch unmöglich wird. Darüber hinaus müsse das erstarrte Zweiparteiensystem selbst aufgebrochen werden: Die Republikanische Partei existiere jenseits von Trump kaum noch, die Demokraten bräuchten eine grundlegende Erneuerung. Vor allem aber gelte es, das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Kapital im Sinne Lincolns wiederherzustellen. Oder wie Scaramucci es mit einem Zitat der Baseball-Legende Yogi Berra zusammenfasst: "Es ist nicht zu Ende, bevor es zu Ende ist."

"Der Weg ins Chaos" von Anthony Scaramucci (Foto) Suche
"Der Weg ins Chaos" von Anthony Scaramucci Bild: C. Bertelsmann

Titel: "Der Weg ins Chaos"
Autor: Anthony Scaramucci
Verlag: C. Bertelsmann, 2026
Seitenzahl, Buchart: 448, Hardcover
Preis: 26,00 Euro
ISBN: 978-3-570-10621-1

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