Sigmar Gabriel bei "Maischberger": Ex-Außenminister warnt vor Putin - Sanktionen werden ihn "nicht beeindrucken"

Der frühere Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sprach am Dienstag bei "Maischberger" über die neuen Sanktionen gegen Russland. Die Maßnahmen der Regierung hält der SPD-Politiker aktuell für nicht ausreichend. Gleichzeitig warnte er jedoch vor einer weiteren Eskalation im Konflikt mit Moskau.

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Für den ehemaligen deutschen Außenminister Sigmar Gabriel ist ein geschlossenes Auftreten der Nato gegenüber Wladimir Putin wichtig. (Foto) Suche
Für den ehemaligen deutschen Außenminister Sigmar Gabriel ist ein geschlossenes Auftreten der Nato gegenüber Wladimir Putin wichtig. Bild: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
  • Sigmar Gabriel stuft neue Sanktionen der Bundesregierung für Moskau als angemessen, aber nicht ausreichend ein
  • Ex-Außenminister fordert bei "Maischberger" konsequentes Abfangen von Drohnen und Kampfjets über Nato-Gebiet
  • Gleichzeitig warnt der SPD-Politiker davor, dass Russland in der Ukraine Atomwaffen einsetzen könnte

Deutschland macht Russland für den versuchten Anschlag am Leipziger Flughafen Anfang August verantwortlich. Nach dem Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne hat die Bundesregierung nun neue Sanktionen verhängt. Am Dienstagabend hat der frühere Bundesaußenminister Sigmar Gabriel die aktuellen Entwicklungen im Konflikt mit Moskau bewertet.

Sigmar Gabriel bei "Maischberger": Sanktionen nach Drohnenvorfall werden Wladimir Putin nicht beeindrucken

Der SPD-Politiker sagte zu der Reaktion der Bundesregierung auf den Drohnenvorfall:"Das ist eine Antwort, die man geben kann, ohne dass man selber eskaliert. Wir haben ja kein Interesse, mit Russland in einen Überbietungswettbewerb zu kommen."Die Schließung des Generalkonsulats in Bonn und des Russischen Hauses in Berlin samt der Ausweisung von Diplomaten werde Kremlchef Wladimir Putin allerdings "nicht beeindrucken", so Gabriel weiter. Deshalb sei "noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht". Konkret regte er an, mögliche Verbindungen zur Russischen Botschaft zu untersuchen. Sollten sich direkte Kontakte zur Vorbereitung des Attentats nachweisen lassen, wäre das "schon eine neue Qualität" – und es gebe dann "noch andere Möglichkeiten", auch wenn Diplomaten durch ihre Immunität vor Verhaftung geschützt seien. Mit Aktionen wie dem versuchten Drohnen-Attentat versuche Putin, "uns zu destabilisieren", glaubt Gabriel. "Wir sind Testballons, um zu gucken, wie halten die das eigentlich aus, und halten die zusammen?"

Ex-Außenminister fordert geschlossenes Vorgehen der Nato gegenüber russischer Aggression

Was Putin deshalb durchaus zu denken geben dürfte, sei ein geschlossenes Auftreten der Nato-Staaten. Gabriel forderte, Drohnen über Bündnisgebiet konsequent abzufangen und auch russische Kampfjets nicht unbehelligt durch den Luftraum fliegen zu lassen. Zudem müsse Europa die russische Schattenflotte stärker ins Visier nehmen – denn ohne deren Einnahmen fehle Moskau schlicht das Geld.

Ohnehin offenbare Russlands Feldzug eher Schwäche als Stärke, argumentierte der Ex-Minister: Dass Putins Armee "offensichtlich nicht in der Lage ist, mehr als 20 Prozent der Ukraine zu erobern", sei ein deutliches Signal. Genau darauf setze der Kreml mit seinen Destabilisierungsversuchen – dass der Westen die Nerven verliere und die Ukraine-Unterstützung aufgebe. Diesem Kalkül dürfe man nicht nachgeben.

SPD-Politiker warnt in ARD-Talk vor russischen Atomwaffen

Gleichzeitig mahnte Gabriel zur Vorsicht bei der Konfrontation mit Moskau. Man dürfe einen in die Enge getriebenen Gegner nicht zu "irrationalen Handlungen" bewegen: "Wir haben es mit jemandem zu tun, der auch in der Lage ist, notfalls in der Ukraine taktische Atomwaffen einzusetzen." Die USA würden deshalb versuchen, Putin frühzeitig klare Signale zu senden, damit er von einem solchen Schritt absehe.

Zum Schluss räumte Gabriel eigene Versäumnisse ein. Er habe es seinerzeit nicht für denkbar gehalten, dass sich der Konflikt in der Ostukraine zu einem umfassenden Krieg ausweiten würde. Die USA hätten davor gewarnt – doch Berlin habe nicht zugehört. "Da haben wir uns bitter geirrt. Den Fehler wollen wir nicht noch mal machen", so der Ex-Außenminister.

Wladimir Putin nennt Reaktion der Bundesregierung einen "schweren Fehler"

Moskau hat die Vorwürfe der Bundesregierung zu dem Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen unterdessen scharf zurückgewiesen. Kremlsprecherin Maria Sacharowa sprach mit Blick auf die Sanktionen gegenüber der Nachrichtenagentur von einer "beispiellosen Eskalation der russisch-deutschen Beziehungen" und kündigte Konsequenzen an. Auch Putin selbst nannte die Strafmaßnahmen einen "schweren Fehler" und behauptete, dass die bislang vorgelegten Beweise "gefälscht" seien.

Die ganze Folge "Maischberger" vom 1. September 2026 ist in der ARD-Mediathek abrufbar.

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/bos/news.de/dpa/stg

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