Wladimir Putin: Spott über bizarre Pläne - Kremlchef schickt Überreste eines Heiligen an die Front

In einer orthodoxen Kathedrale in Moskau wurden die Überreste eines mittelalterlichen Großfürsten entdeckt. Wladimir Putin zeigte sich beim Besuch der Kirche beeindruckt und lässt nun die Reliquien von Dmitri Donskoi in die Ukraine bringen - damit sie dort von seinen Truppen verehrt werden können. Der Spott über diese Pläne ist groß.

Erstellt von - Uhr

Wladimir Putin (Mitte) lässt sich die Reliquien des heiligen Großfürsten Dmitri Donskoi zeigen. (Foto) Suche
Wladimir Putin (Mitte) lässt sich die Reliquien des heiligen Großfürsten Dmitri Donskoi zeigen. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin | Vyacheslav Prokofiev
  • Wladimir Putin lässt Gebeine eines Heiligen an die Front bringen
  • Bizarre Videoaufnahmen zeigen den Kremlchef am Sarkophag mit Überresten des Großfürsten Dmitri Donskoi
  • Pläne zum Transport der Knochen sorgen für Spott

Während die Ukraine Russland durch anhaltende Drohnenangriffe empfindlich trifft und seine Truppen an der Front weiterhin keine großen Erfolge vermelden können, sorgt Wladimir Putin nun mit einem Besuch in der Moskauer Erzengel-Michael-Kathedrale für Schlagzeilen. Dort betrachtete der Kremlchef am Donnerstag die exhumierten Überreste des mittelalterlichen Kriegsfürsten Dmitri Donskoi. Dafür gibt es nun besondere Pläne.

Wladimir Putin betrachtet Überreste von Heiligem Dmitri Donskoi - Gebeine sollen an die Front geschickt werden

Wie bizarre Videoaufnahmen zeigen, die das britische Boulevardblatt "The Sun" veröffentlichte, stellte sich Putin neben den geöffneten Steinsarkophag und bekreuzigte sich vor den sterblichen Überresten des Mannes, der seit 637 Jahren tot ist.Die Gebeine des mittelalterlichen Großfürsten Dmitri Donskoi waren bei Restaurierungsarbeiten freigelegt worden – Putin sprach laut der Nachrichtenagentur "Tass" von einer "wundersamen Entdeckung". Nun sollen Teile des Skeletts schnellstmöglich an die Front in der Ukraine gebracht werden. Kirchensprecher Wachtang Kipschidse erklärte, orthodoxen Soldaten müsse "so schnell wie möglich" die Möglichkeit zur Verehrung gegeben werden. Putin gab seinen Segen.

Donskoi, 1380 durch seinen Sieg über die Mongolen am Don berühmt geworden und 1988 heiliggesprochen, soll den Truppen nun als "spirituelle Stütze" dienen. Ultrapatrioten deuteten den Fund als "Vorbote des russischen Sieges über die Mächte der Finsternis".

Spott über russische Pläne

Der ukrainische Nachrichtenkanal "Pravda Gerashchenko" stichelte laut "The Sun", dass "selbst die Reliquien in den Krieg ziehen, aber Putin nicht".Auch Russlands erster postsowjetischer Wirtschaftsminister Andrei Netschajew konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Lenins Reliquien werden vermutlich bald in seinem Mausoleum 'entdeckt' werden." Soziologe Nikolai Mitrokin ordnete das Spektakel lautBayerischen Rundfunk (BR) wie folgt ein: Es handle sich nicht um eine durchgeplante Kampagne, sondern um den "opportunistischen Missbrauch eines zufällig aufgetauchten religiösen Symbols".

Transport könnte problematisch werden - ukrainische Drohnenangriffe sorgen für Gefahr

Die geplante Verlegung von Knochenteilen an die Frontlinie hat laut "Sun" allerdings einen Haken: Erst im vergangenen Monat gingen die Reliquien eines anderen russischen Nationalheiligen bei einem Drohnenangriff verloren. Die Gebeine von Fürst Alexander Newski – ebenfalls ein mittelalterlicher Kriegsheld – wurden per Konvoi zu einem Gebetsgottesdienst transportiert, als ukrainische Drohnen zuschlugen. Der Schrein wurde dabei nach offiziellen Angaben "vollständig zerstört", drei russische Soldaten kamen ums Leben.

Auch diese News zum Ukraine-Krieg könnten Sie interessieren:

/bos/news.de/stg

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.