Ukraine-Krieg aktuell: Experten warnen vor nächster Stufe - droht der "totale Krieg"?
Der Ukraine-Krieg wird von beiden Seiten immer härter geführt. Eine aktuelle Analyse erkennt bereits Anzeichen für einen "totalen Krieg" - denn sowohl Moskau als auch Kiew zielen längst nicht mehr nur auf Erfolge auf dem Schlachtfeld ab.
Erstellt von Martin Gottschling - Uhr
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- Neue Analyse warnt vor "totalem Krieg" in der Ukraine
- Beide Kriegsparteien würden sich nicht mehr nur auf Kampfhandlungen an der Front beschränken
- Stattdessen zielen Angriffe im Hinterland darauf ab, den Gegner zu zermürben
Auch viereinhalb Jahre nach Beginn der russischen Invasion ist kein Ende des Ukraine-Kriegs in Sicht. Experten warnen stattdessen aktuell davor, dass sich der Konflikt weiter ausdehnen und Wladimir Putin bereits in wenigen Wochen die Nato angreifen könnte.Zwischen Moskau und Kiew zeigt sich derweil ebenfalls keine Entspannung: Der russisch-ukrainische Krieg nimmt einer aktuellen Analyse zufolge sogar immer deutlicher die Züge eines "totalen Krieges" an.
Neue Analyse warnt: Wird der Ukraine-Krieg zum "totalen Krieg"?
Dies impliziert laut "Kyiv Independent" einen Konflikt, in dem die Kriegsparteien nicht nur auf den Erfolg auf dem Schlachtfeld abzielen, sondern auch auf die Schwächung und Zerstörung der Kampfkraft des gegnerischen Staates im Hinterland. "Totaler Krieg ist ein Synonym für eine umfassende nationale Anstrengung, bei der alle Elemente der nationalen Macht im Krieg eingesetzt werden", erklärte der pensionierte australische Generalmajor Mick Ryan gegenüber dem "Kyiv Independent". Sowohl Russland als auch die Ukraine bombardieren mittlerweile gezielt Infrastruktur, Industrieanlagen und Einnahmequellen des Feindes, während die Verteidigungsbudgets einen immer größeren Anteil der Staatsausgaben verschlingen.
"Es ist bereits eine Art Boxkampf ohne festgelegte Rundenzahl", beschreibt Mykola Bielieskov vom Nationalen Institut für Sicherheitsstudien der Ukraine die Lage gegenüber dem "Kyiv Independent". "Jede Seite definiert ihren Sieg als die Fähigkeit, bis zur letzten Runde auf den Beinen zu bleiben – in der Hoffnung, dass der Gegner unter der schieren Zerstörung und den angehäuften sozialen, wirtschaftlichen und politischen Problemen zusammenbricht." Auch Bielieskov spricht von einem "Lehrbuchbeispiel für einen totalen Krieg".
Die Hoffnungen auf einen Waffenstillstand vor dem Winter sind derweil verflogen. Stattdessen bereitet sich die Region auf eine weitere Eskalationsstufe vor.
Ukraine nimmt russische Ölraffinerien, Häfen und Firmen unter Beschuss - Moskau reagiert mit Gegenangriffen
Ende Juni startete Präsident Wolodymyr Selenskyj eine "40-tägige Einflussoperation", um Moskau an den Verhandlungstisch zu zwingen. Die Ukraine attackierte dabei nicht nur russische Ölraffinerien und Häfen, sondern auch Tanker der Schattenflotte im Asowschen Meer sowie Lagerhäuser des E-Commerce-Riesen Wildberries. Der angerichtete Schaden belief sich Berichten zufolge auf mehrere Milliarden Dollar.
Russische Streitkräfte nahmen daraufhin ukrainische Einzelhandels- und Logistikzentren unter Beschuss. Besonders schwer wiegen die verstärkten Angriffe auf Hafeninfrastruktur in der Oblast Odessa, die den ukrainischen Schwarzmeerhandel empfindlich einschränken. "Durch Angriffe auf die Hafeninfrastruktur wird die Ukraine weniger Exporteinnahmen erzielen", warnte Bielieskov. Gleichzeitig seien die Bestände an Patriot-Abfangraketen kritisch niedrig, was das Land praktisch schutzlos gegen ballistische Raketenangriffe mache. "Anders als die Ukraine setzt Russland unverhältnismäßig stark auf die Zerstörung lebenswichtiger Infrastruktur. Doch die Logik hinter dem Vorgehen beider Seiten ist dieselbe", so Bielieskov.
Wladimir Putin könnte weitere Massenmobilisierung befehlen
Massenhafte Einberufungen von Männern zum Militärdienst seien ebenfalls zentral für die Idee eines "totalen Krieges". Die Spekulationen über eine erneute Zwangsmobilisierung in Russland nahmen zuletzt zu. Kiew rechnet damit, dass Putin diesen Schritt frühestens nach den Parlamentswahlen im September wagen wird. Sollte Putin tatsächlich eine neue Mobilmachung anordnen, könnte Russland seine Offensivoperationen nicht nur ausweiten, sondern auch über Jahre aufrechterhalten. Für die Ukraine wird die Frage der Durchhaltefähigkeit damit zur zentralen Herausforderung.
Kampf um Donbass-Festungsgürtel: Beide Kriegsparteien hoffen auf Zusammenbruch des Gegners
Im Osten der Ukraine beginnt derweil der Kampf um den Donbass-Festungsgürtel. Solange keine Seite zu ernsthaften Zugeständnissen gezwungen wird, dürfte der Konflikt immer totaler werden. "Wenn man seine Ziele durch Kampfhandlungen an der Front nicht erreichen kann, versucht man, den Feind durch die Zerstörung kritischer Ziele im Hinterland zu schwächen, die seine Funktionsfähigkeit gewährleisten", so Bielieskov. "Anders gesagt: den Gegner in die Knie zwingen, bevor man selbst zusammenbricht."
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