Donald Trump: Teheran hat ihn durchschaut - bittere Abrechnung nach Iran-Wende

Ausgerechnet Rupert Murdochs publizistisches Flaggschiff rechnet gnadenlos mit Donald Trumps Iran-Politik ab. Süffisant analysieren sie die erneute Kehrtwende des US-Präsidenten, der sich im Chaos befindet. Teheran hat sein Drohmuster bereits durchschaut. 

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Donald Trump will auf einen Angriff auf den Iran verzichten. (Foto) Suche
Donald Trump will auf einen Angriff auf den Iran verzichten. Bild: picture alliance/dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
  • Donald Trump hat Angriffe auf den Iran abgesagt
  • "Wall Street Journal" kritisiert Trumps Kriegsführung
  • Teheran soll den US-Präsidenten durchschaut haben

Achtmal habe Donald Trump den Iran-Krieg bereits beendet – so lautet der beißende Witz, mit dem das "Wall Street Journal" seinen Kommentar über den US-Präsidenten eröffnet. Der Scherz stamme von einem Freund, schreibt die Redaktion. Ob es Trump beim neunten Mal gelinge, nachdem er eine militärische Eskalation verhindert habe, fragt sich die Zeitung.

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"Wall Street Journal" kritisiert Trumps chaotische Kriegsführung im Iran

"Mittlerweile ist klar, dass dieses Auf und Ab, dieses Hin und Her, vom Vernichtungskrieg zum Frieden in unserer Zeit, Mr. Trumps chaotische Art der Kriegsführung ist", urteilte die Redaktion am Sonntag (1. August). Kein Wunder, dass die Umfragewerte für den seit über fünf Monaten andauernden Konflikt im Keller seien. Trumps Muster aus Kriegsdrohungen und voreiligen Friedensverkündungen habe dem Iran längst in die Karten gespielt, so das Blatt.

Der "größte Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg" – Donald Trump bläst Iran-Angriff ab

Auslöser der jüngsten Kritik war Trumps Kehrtwende am späten Samstagabend. Der US-Präsident Donald Trump will den seinen Worten nach größten Angriff des US-Militärs "seit dem Zweiten Weltkrieg" vorerst abgesagt haben, um neuen Verhandlungen mit dem Iran eine Chance zu geben. Die Gespräche sollen am Montagnachmittag stattfinden, wie Trump ankündigte. Es blieb zunächst unklar, wo die Verhandlungen geführt werden sollen, wie lange sie dauern dürften und wer genau daran beteiligt sein wird. Aus dem Iran gab es in der Nacht zunächst keine Bestätigung für geplante Gespräche.

Verhandlungen im Iran-Krieg - kommt es zu einem Abkommen?

Besondere Bedeutung bei den Verhandlungen dürfte eine Regelung zur Öffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr haben. Zudem soll auch das umstrittene Atomprogramm des Irans Gegenstand der Gespräche sein. Die beiden Themenkomplexe dominierten auch schon vorherige Verhandlungsrunden, die in Pakistan und der Schweiz stattfanden.

Trump hatte den nach seinen Angaben geplanten Großangriff in der Nacht zum Samstag unter Verweis auf Fortschritte bei den diplomatischen Bemühungen um ein Kriegsende vorerst abgesagt. Er sprach von den "Umrissen einer Einigung", die sich abzeichneten. Allerdings steht er mit dieser Darstellung allein auf weiter Flur, vom Tenor gleichlautende Äußerungen aus anderen Staaten der Region gibt es bislang nicht.

Allerdings gibt es Zweifel, ob ein Abkommen mit dem Iran zur Straße von Hormus und dem Atomprogramm wirklich in so greifbarer Nähe ist, wie es Trump behauptet. Zum einen sind die Streitthemen inhaltlich höchst komplex und die Interessen der Konfliktparteien gegenläufig. Zum anderen wäre es nicht das erste Mal, dass Trump von einem Durchbruch spricht, der im Nachhinein von anderer Seite dementiert wird oder später an der Realität scheitert.

Der Iran und die anderen Staaten in der Region, die wahrscheinlich an den Gesprächen beteiligt waren, hielten sich nach Trumps Äußerungen bedeckt. Katar und Saudi-Arabien etwa riefen zur Deeskalation auf. Katar forderte zudem die Umsetzung des Rahmenabkommens der Kriegsparteien.

Teheran hat Trumps Spiel durchschaut

Das "Wall Street Journal" kommt zu einem ernüchternden Befund: Der Iran habe in diesem Konflikt die "Eskalationsdominanz" gewonnen. Teheran habe längst erkannt, dass Trump einen langwierigen Krieg scheue und von Beratern umgeben sei, die den Konflikt "zu nahezu jedem verfügbaren Preis" beenden wollten.

Hat Trump die Iran-Angriffe aus Angst abgeblasen?

Laut dem Blatt bat Saudi-Arabien den US-Präsidenten, die Angriffe abzublasen – aus Angst, der Iran könnte im Gegenzug die saudische Öl-Infrastruktur ins Visier nehmen. "Irans Regime erkennt Signale der Schwäche, wenn es sie hört", schrieb die Redaktion. Das Mullah-Regime habe Trump mit fortgesetzten Attacken auf US-Verbündete und amerikanische Stützpunkte provoziert, während der Präsident lediglich mit punktuellen Vergeltungsschlägen reagiere, die Teheran bislang nicht zum Einlenken gebracht hätten.

Trump bekräftigte seine Darstellung, dass das US-Militär nur auf Bitten des wichtigen Verbündeten Saudi-Arabien, der Vereinigten Arabischen Emirate, Katars und des Irans quasi in letzter Minute von einer neuen Welle vernichtender Angriffe auf den Iran abgesehen habe. "Es wäre der größte Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg geworden, und er wäre für sie verheerend gewesen", sagte Trump am Sonntagabend (Ortszeit) vor Journalisten an Bord seiner Präsidentenmaschine auf dem Flug von New Jersey nach Washington.

Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb auf der Plattform X, das Militär "stand bereit - und bleibt bereit - auf einem Niveau, wie wir es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen haben". US-Medienberichten zufolge sollten die US-Streitkräfte bei ihrer neuen Angriffswelle auch iranische Infrastruktur und Energieanlagen ins Visier nehmen. Trump sagte, der Angriff sei vorerst ausgesetzt worden, die Pläne könnten aber "jederzeit" in die Tat umgesetzt werden.

Trump erklärte, er habe die neuerlichen Attacken nur abgeblasen, weil die Verbündeten in der Region ihm gesagt hätten, dass eine Einigung wohl kurz bevorstehe. "Ich denke, es gibt einen Deal", sagte er. Auch die iranische Seite habe zu verstehen gegeben, dass sie einen "Deal" wolle. Und Verhandlungen könnten viel Blutvergießen verhindern. Gleichzeitig räumte er ein, dass solche Zusagen in der Vergangenheit wenig wert gewesen seien – oft hätten die Beteiligten anschließend behauptet, sie wüssten nicht, wovon er rede.

Memorandum nahm Trump die Karten aus der Hand

Als entscheidenden Wendepunkt identifiziert das "Wall Street Journal" das im Juni unterzeichnete Memorandum of Understanding mit dem Iran. Laut der Redaktion habe Trump damit seine strategische Position preisgegeben – denn er gestand anschließend offen ein, die Vereinbarung geschlossen zu haben, um nicht als "nächster Herbert Hoover" in die Geschichte einzugehen. Hoover gilt in den USA als der Präsident, der für die Große Depression nach dem Börsencrash von 1929 verantwortlich gemacht wird.

Dieses Eingeständnis habe Teheran als Einladung verstanden, die eigene Position auszubauen. Das "schlecht formulierte Memorandum" sei vom iranischen Regime als Gelegenheit interpretiert worden, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu beanspruchen, so das Blatt. Statt einzulenken, habe der Iran seine Provokationen gegen amerikanische Verbündete und Militärbasen sogar noch verstärkt.

Irans Aktionen sind wichtiger als Trumps Behauptungen

Besonders scharf rechnet das "Wall Street Journal" mit der naiven Rhetorik ab, die nach der Unterzeichnung des Memorandums im Juni herrschte. Trumps Unterhändler hätten das Ergebnis damals gefeiert, Vizepräsident J.D. Vance habe behauptet, das Regime schlage ein "neues Blatt" auf und wolle ein "normales Land" werden – nach 47 Jahren Terror und regionaler Destabilisierung, wie die Redaktion süffisant anmerkte.

Die Schlussfolgerung des Blattes fällt unmissverständlich aus: "Es lohnt sich nach wie vor, darauf zu achten, was der Iran tut – nicht darauf, was das Regime und Mr. Trump behaupten." Ob Teheran nun tatsächlich Bedingungen zugestimmt hat, die sich glaubhaft als amerikanischer Sieg verkaufen ließen, bleibe abzuwarten.

Trump selbst weigerte sich unterdessen, dem Iran eine Frist für eine Einigung zu setzen. Sein knapper Kommentar: "Wir werden sehen."

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/news.de/dpa/stg

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