Wolodymyr Selenskyj: Nach Minister-Aus droht der nächste Personal-Knall in Kiew

In der Ukraine spitzt sich die Krise zu: Nach der Entlassung des Verteidigungsministers gerät nun offenbar auch Armeechef Oleksandr Syrskyj unter Druck. Proteste und Machtkämpfe nehmen weiter zu.

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Selenskyj unter Druck: Wackelt jetzt auch der ukrainische Armeechef? (Foto) Suche
Selenskyj unter Druck: Wackelt jetzt auch der ukrainische Armeechef? Bild: picture alliance/dpa/POOL EPA/AP | Teresa Suarez
  • Selenskyj prüft offenbar Absetzung von Armeechef Syrskyj
  • Tausende demonstrieren gegen die Entscheidungen der Regierung
  • Machtkampf in Kiew verschärft sich nach Minister-Entlassung

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In der Ukraine verschärft sich die politische Krise. Nach der Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow rückt nun offenbar auch Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj in den Fokus. Medienberichten zufolge prüft Präsident Wolodymyr Selenskyj einen Wechsel an der Spitze der Streitkräfte. Gleichzeitig wächst der öffentliche Druck: In mehreren Städten gingen zuletzt Tausende Menschen auf die Straße.

Proteste richten sich gegen Syrskyj

Die Absetzung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hat in der Ukraine eine Welle der Empörung ausgelöst. Demonstranten versammelten sich nicht nur in Kiew, sondern auch in Lwiw, Dnipro und Odessa. Viele forderten die Rückkehr des Ministers und machten zugleich ihrem Ärger über Armeechef Oleksandr Syrskyj Luft. Nach Informationen der "Financial Times" und des russischen Oppositionsmediums "Meduza" soll Präsident Selenskyj inzwischen ernsthaft prüfen, Syrskyj als Oberbefehlshaber zu ersetzen. Aus Kreisen des Präsidialamts heißt es demnach, ein Rücktritt des Generals sei inzwischen durchaus möglich.

Konflikt zwischen Militärführung und Regierung eskaliert

Hintergrund der Krise ist "Bild" zufolge offenbar ein lang schwelender Machtkampf zwischen Verteidigungsministerium und Militärführung. Berichten zufolge soll Syrskyj vor der Entlassung Fedorows auf dessen Absetzung gedrängt haben.

Selenskyj bestätigte selbst, wie schwierig das Verhältnis zwischen beiden gewesen sei. Über die Zusammenarbeit sagte der Präsident:

"Ohne mich setzen sie sich nicht zusammen und sprechen miteinander."

Er habe sich mehr Einigkeit innerhalb der Führung gewünscht, diese jedoch nicht erreichen können.

Nachfolger für Verteidigungsministerium bereits benannt

Während eine Rückkehr Fedorows als Verteidigungsminister als unwahrscheinlich gilt, hat Selenskyj bereits einen Nachfolger vorgeschlagen. Künftig soll der bisherige kommissarische Leiter des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU, Jewgeni Khmara, das Ministerium übernehmen. Die Ernennung muss allerdings noch vom Parlament bestätigt werden. Parallel dazu soll der Präsident laut Berichten Gespräche mit ranghohen Militärkommandeuren führen, um mögliche Nachfolger für Syrskyj auszuloten.

Syrskyj bleibt umstritten

Oleksandr Syrskyj gilt als einer der Architekten wichtiger ukrainischer Erfolge zu Beginn des Krieges. Gleichzeitig steht der General seit Langem in der Kritik. Einige Soldaten werfen ihm vor, militärische Ziele um jeden Preis verfolgen zu wollen und dabei hohe Verluste in Kauf zu nehmen. Aus diesem Grund erhielt er in Teilen der Truppe den umstrittenen Spitznamen "Schlächter".

Auch der entlassene Verteidigungsminister Fedorow äußerte nach seinem Ausscheiden deutliche Kritik. Er warf Syrskyj vor, notwendige Reformen im Verteidigungsministerium ausgebremst und Korruption begünstigt zu haben. Dennoch würdigte er dessen Verdienste bei der Verteidigung der Ukraine.

Auf der Plattform X schrieb Fedorow abschließend: "Veränderung ist unvermeidlich."

Entscheidung könnte schon bald fallen

Ob Oleksandr Syrskyj tatsächlich seinen Posten verliert, ist derzeit noch offen. Fest steht jedoch, dass der Druck auf die militärische Führung und Präsident Selenskyj weiter wächst. Die anhaltenden Proteste und der Machtkampf innerhalb der ukrainischen Führung könnten schon in den kommenden Tagen zu weitreichenden personellen Entscheidungen führen.

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