Donald Trump trifft auf Merz: Nato-Gipfel in Angst - Militärexpertin zeichnet düsteres Bild

Der Nato-Gipfel in Ankara steht ganz im Zeichen von Donald Trump. Europas Verbündete wollen eine Eskalation vermeiden – während Selenskyj auf eine überraschende Kehrtwende des US-Präsidenten hofft.

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Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump - beim Nato-Gipfel in Ankara treffen die beiden erneut aufeinander. (Foto) Suche
Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump - beim Nato-Gipfel in Ankara treffen die beiden erneut aufeinander. Bild: dpa/Pool Reuters/Christian Hartmann
  • Nato-Gipfel in Ankara: Trump-Treffen sorgt für Nervosität
  • Europäische Verbündete setzen auf Schadensbegrenzung
  • Angst vor Truppenabzug und neuen Zugeständnissen wächst
  • Selenskyj hofft auf überraschende Wende bei Donald Trump

In Ankara beginnt heute der Nato-Gipfel, bei dem die europäischen Verbündeten mit enormer Anspannung auf US-Präsident Donald Trump treffen. Die Nervosität im westlichen Verteidigungsbündnis ist greifbar. Militärexpertin Claudia Major beschreibt die Lage im Gespräch mit "Bild": "Der Gipfel wird sehr an ihn angepasst."

Treffen mit Donald Trump - Ziel des Gipfels ist "Damage Control"

Trump reist am Dienstagabend an und bleibt nur bis Mittwochnachmittag. In diesen knapp 24 Stunden hoffen alle Beteiligten, größere Verwerfungen zu vermeiden. "Das übergeordnete Ziel dieses Gipfels ist wirklich Damage Control", erklärt Major – also Schadensbegrenzung für das Bündnis. Die kurze Aufenthaltsdauer des US-Präsidenten gilt dabei als Vorteil: weniger Zeit bedeutet weniger Gelegenheiten für Eskalationen.

Angst vor Truppenabzug und Putins Ausnutzung

Die europäischen Nato-Mitglieder fürchten vor allem einen Rückzug amerikanischer Streitkräfte vom Kontinent. Washington verlangt im Gegenzug deutlich höhere Verteidigungsausgaben von seinen Partnern. Die Sorge der Europäer: Jedes Signal der Uneinigkeit könnte Russlands Präsident Wladimir Putin sofort ausnutzen.

Nach kritischen Äußerungen des Bundeskanzlers soll die US-Präsenz in Deutschland bereits um 5.000 Soldaten reduziert werden. Auch die geplante Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern wurde gestoppt – eigentlich sollten diese Langstreckenwaffen eine wichtige Lücke im europäischen Verteidigungsschild schließen.

Geschlossenheit als oberste Priorität beim Nato-Gipfel in Ankara gefordert

Die Strategie der europäischen Partner und der Nato-Führung ist klar definiert: öffentliche Konfrontationen um jeden Preis vermeiden. "Kein öffentlicher Streit, kein Nachtreten, kein Beschuldigen", fasst Major das Vorgehen zusammen. Die Botschaft nach außen soll lauten, dass sich die Bündnispartner nicht auseinanderdividieren lassen.

Dieser Zusammenhalt ist entscheidend für die Abschreckungswirkung gegenüber Moskau. "Abschreckung findet immer im Kopf des Gegenübers statt", erläutert die Militärexpertin. Sämtliche Aufrüstungsmaßnahmen und Übungen der Nato zielen darauf ab, Russlands Kalkül zu verändern – ein Angriff auf Bündnisgebiet soll sich schlicht nicht lohnen.

Diese Rechnung geht jedoch nur auf, wenn alle Verbündeten unmissverständlich zusammenstehen. Genau diese Klarheit droht durch Trumps unberechenbares Auftreten untergraben zu werden.

US-Militärs widersprechen Trump hinter verschlossenen Türen

Bemerkenswert ist die Kluft zwischen amerikanischen Streitkräften und ihrer politischen Führung. Laut Major äußern sich US-Militärangehörige offiziell nicht zur Politik ihrer Regierung – das Primat der Politik gebietet Zurückhaltung. Doch in vertraulichen Gesprächen zeigt sich ein anderes Bild.

"Informell sind die, mit denen ich spreche, ganz klar", berichtet die Expertin. Die Militärs betonen demnach, dass die Ukraine dringend Unterstützung benötige. Dabei gehe es nicht um Almosen, sondern um die Sicherheit Europas insgesamt.

Diese interne Spaltung verdeutlicht das Dilemma der Nato: Während Trump die Hilfen für Kiew wiederholt infrage stellt, sehen amerikanische Militärexperten die Unterstützung als strategische Notwendigkeit für die westliche Sicherheitsarchitektur.

Treffen mit Selenskyj als großes Fragezeichen

Das Zusammenkommen von Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gilt als zentraler Unsicherheitsfaktor des Gipfels. Der ukrainische Staatschef wird versuchen, den US-Präsidenten von seiner Position zu überzeugen – und bringt diesmal gewichtige Argumente mit.

Durch Langstreckenangriffe tief ins russische Hinterland habe Kiew zuletzt erhebliche Dynamik erzeugt, erklärt Major. Putin könne den Krieg nicht mehr vor seiner Bevölkerung verbergen. In zahlreichen russischen Regionen herrsche Treibstoffknappheit, erstmals entstehe der Eindruck, dass die Zeit für die Ukraine arbeite.

Selenskyjs Kalkül: Trump wolle stets auf der Gewinnerseite stehen. Wenn die Ukraine gerade Oberwasser hat, könnte das den US-Präsidenten zur Unterstützung bewegen.

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