Fünf-Euro-Tracker versteckt: Peinlicher Nato-Fauxpas - Sicherheitslücke mit Postkarte aufgedeckt

Ein Bluetooth-Tracker für fünf Euro, platziert in einer Grußkarte, hat die geheime Position eines 500-Millionen-Euro-Kriegsschiffs der niederländischen Marine verraten – ein Trick, den die Nato selbst anschob. Das steckt dahinter.

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Die niederländische Fregatte Evertsen konnte durch einen geheimen Tracker über 24 Stunden verfolgt werden. (Foto) Suche
Die niederländische Fregatte Evertsen konnte durch einen geheimen Tracker über 24 Stunden verfolgt werden. Bild: dpa/ANP/Robin Van Lonkhuijsen
  • Mini-Tracker entlarvt geheime Marine-Position – Sicherheitslücke bei NATO-Schiff aufgedeckt
  • Grußkarte wird zur Spionagefalle – so leicht ließ sich eine Fregatte orten
  • Peilsender per Post: Journalisten verfolgen Kriegsschiff über Stunden hinweg
  • Smartphones als Risiko: Wie ein 5-Euro-Tracker militärische Geheimnisse verriet

Ein handelsüblicher Bluetooth-Tracker im Wert von fünf Euro hat ausgereicht, um die geheime Position eines der wertvollsten Schiffe der niederländischen Marine preiszugeben. Die Fregatte Evertsen, deren Wert auf rund 500 Millionen Euro geschätzt wird, wurde im Mittelmeer aufgespürt – nicht von einem feindlichen Geheimdienst, sondern von Journalisten.

Postkarte entlarvt geheime Nato-Standorte der niederländischen Marine

Aber wie kam es dazu? Der niederländische Regionalsender Omroep Gelderland versteckte den winzigen Peilsender in einer gewöhnlichen Grußkarte und verschickte diese über den regulären Postweg der Streitkräfte. Das Ziel: eine Schwachstelle im Sicherheitssystem der Marine offenzulegen.

Journalisten konnten Kriegsschiff über Stunden hinweg verfolgen

Die Aktion gelang. Während Pakete an Bord durchleuchtet werden, passieren Briefe und Karten die Kontrollen offenbar ungeprüft. Diese Lücke ermöglichte es, das NATO-Kriegsschiff über 24 Stunden hinweg zu verfolgen.

Nato selbst verriet, wie es geht - Post-Tipps gaben den Ausschlag

Der Journalist Just Vervaart vom Sender Omroep Gelderland nutzte für sein Experiment ausschließlich offizielle Kanäle. Das niederländische Verteidigungsministerium hatte selbst öffentlich erklärt, wie Angehörige Post an Soldaten auf See schicken können – gerade wegen der angespannten Lage im Nahen Osten.

Der präparierte Tracker startete seine Reise im Marinehafen Den Helder, wurde über den Flughafen Eindhoven weitergeleitet und erreichte schließlich Kreta. Webcams vor Ort bestätigten: Die Evertsen lag tatsächlich dort vor Anker.

Selbst nach dem Auslaufen Richtung Zypern sendete das Gerät weiter. Erst beim Sortieren der Post an Bord fiel der versteckte Peilsender einem Besatzungsmitglied auf – volle 24 Stunden nach Beginn der Überwachung.

Smartphones als Einfallstor

Der Bluetooth-Tracker konnte nur deshalb funktionieren, weil Besatzungsmitglieder ihre privaten Handys an Bord nutzten. Ohne diese Geräte hätte der Peilsender seine Signale nicht weiterleiten können. Das eigentliche Sicherheitsrisiko liegt also nicht in der Grußkarte selbst, sondern in der Frage, wie viel Alltagstechnologie auf Militärschiffen erlaubt sein sollte.

Für die niederländischen Streitkräfte ist dieses Dilemma nicht neu. Bereits 2018 musste die Armee Fitness-Apps untersagen, nachdem diese die Patrouillenwege von Soldaten in Mali preisgegeben hatten. Auch ein französischer Soldat an Bord des Flugzeugträgers "Charles de Gaulle" machte kürzlich Schlagzeilen: Mit seiner Sportuhr und der App Strava zeichnete er eine Joggingrunde auf – und verriet damit die Position des gesamten Schiffs.

Verbot für Batterien in der Feldpost

Das niederländische Verteidigungsministerium reagierte umgehend auf den Vorfall. Sendungen mit eingebauten Batterien sind für Militärangehörige ab sofort nicht mehr gestattet. Die Sicherheitsstandards für Post an Bord wurden verschärft, berichtet unter anderem die "Bild".

Offiziell gab sich das Ministerium gelassen: Die Evertsen habe sich zum Zeitpunkt der Ortung in der Nähe eines sicheren Hafens befunden, das Risiko sei daher überschaubar gewesen. Doch die eigentliche Brisanz liegt woanders.

Die Luftabwehrfregatte begleitete einen NATO-Verband, zu dem auch der französische Flugzeugträger "Charles de Gaulle" gehörte. Was wäre geschehen, wenn nicht neugierige Journalisten, sondern feindliche Akteure den Tracker platziert hätten? Mit modernen Drohnen und Lenkraketen sind Ziele selbst aus tausenden Kilometern Entfernung erreichbar – vorausgesetzt, man kennt ihre Position.

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