Oleksandr Syrskyj: "Wie im Ersten Weltkrieg!" Ukraine-General zeichnet düsteres Frontbild

Drohnen haben das Schlachtfeld grundlegend verändert: Nach Angaben des ukrainischen Oberbefehlshabers Oleksandr Syrskyj kommen Panzer kaum noch zum Einsatz. Stattdessen marschieren Soldaten kilometerweit zu Fuß an die Front.

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Ein ukrainischer General warnt vor einer Pattsituation im Ukraine-Krieg. (Foto) Suche
Ein ukrainischer General warnt vor einer Pattsituation im Ukraine-Krieg. Bild: picture alliance/dpa/AP | Andrii Marienko
  • Ukraine-General Oleksandr Syrskyj sagt, dass Panzer an der Front kaum noch eingesetzt werden
  • Soldaten müssen laut Syrskyj teils bis zu 15 Kilometer zu Fuß zur Front zurücklegen, weil Drohnen gepanzerte Fahrzeuge bedrohen
  • Der Oberbefehlshaber fordert neue Abwehrsysteme, damit Panzer und andere Fahrzeuge künftig wieder wirksam eingesetzt werden können

Der ukrainische Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen Kriegslage. "Derzeit machen wir nahezu keinen Gebrauch von gepanzerten Fahrzeugen", erklärte der General in einem Video, das derzeit auf der Plattform X kursiert. Sowohl ukrainische als auch russische Truppen würden faktisch zu Fuß vorrücken – vergleichbar mit den Zuständen im Ersten Weltkrieg.

Die Aussage verdeutlicht einen dramatischen Wandel in der modernen Kriegsführung. Panzer und Schützenpanzer, einst das Rückgrat jeder Offensive, spielen an der ukrainischen Front kaum noch eine Rolle. Beide Seiten sehen sich gezwungen, ihre Infanterie ohne gepanzerten Schutz in den Kampf zu schicken. Die Frontlinien sind nach mehr als vier Jahren Krieg weitgehend erstarrt – Experten sprechen von einem klassischen Stellungskrieg.

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Fußmärsche von bis zu 15 Kilometern zur Front: Ukraine-General beschreibt dramatische Lage an der Front

Die Konsequenzen für die Soldaten sind gravierend. Laut Syrskyj müssen Infanteristen für Offensivoperationen teilweise Strecken von 10 bis 15 Kilometern zu Fuß zurücklegen, um überhaupt die Frontlinie zu erreichen. Der Einsatz gepanzerter Transportfahrzeuge ist schlicht zu riskant geworden. Grund dafür ist die allgegenwärtige Bedrohung durch Drohnen. Unbemannte Fluggeräte mit Echtzeitsteuerung dominieren das Schlachtfeld und machen jeden Panzer oder Schützenpanzer zur leichten Zielscheibe. Die Fahrzeuge, die einst Schutz und Mobilität boten, sind zur tödlichen Falle geworden. Diese Entwicklung betrifft beide Kriegsparteien gleichermaßen. Weder die ukrainischen noch die russischen Streitkräfte können ihre gepanzerten Einheiten effektiv einsetzen, ohne massive Verluste zu riskieren.

Drohnen haben Spielregeln im Krieg verändert

Die Ursache für diese Rückkehr zu Taktiken aus vergangenen Jahrhunderten liegt in der technologischen Entwicklung. Unbemannte Flugsysteme haben das Schlachtfeld grundlegend transformiert. Beide Seiten setzen Drohnen in beispiellosem Umfang ein – Russland feuert mittlerweile fast tausend Langstreckendrohnen pro Nacht auf ukrainische Ziele ab.

Die Carnegie-Stiftung spricht in ihrer jüngsten Analyse von einer "Revolution des Kriegswesens". Anders als früher, wo offensive Operationen durch Geschwindigkeit und Feuerkraft begünstigt wurden, bevorzuge die aktuelle Transformation eindeutig die Verteidigung. Präzise Angriffe sind nicht mehr teuer und selten – sie können nun massenhaft und kostengünstig erfolgen. Diese Entwicklung hat die wirtschaftliche und operative Logik früherer Kriegsführung auf den Kopf gestellt. Konventionelle Panzer, einst Symbol militärischer Überlegenheit, sind gegen die allgegenwärtigen Drohnen nahezu wehrlos.

Syrskyj fordert neue Abwehrtechnologie

Der ukrainische Oberbefehlshaber sieht jedoch einen Ausweg aus dieser Situation. Die Lösung liege in der Entwicklung aktiver Verteidigungssysteme, die Drohnen eigenständig abschießen können. Diese Technologie solle das bestehende System ergänzen, bei dem Drohnen gegen andere Drohnen eingesetzt werden. Mit solchen Abwehrmechanismen könnten konventionelle Waffensysteme wieder einsatzfähig werden. "Dann werden alle konventionellen Waffentypen – Panzer, Schützenpanzer, Artillerie – neues Leben erhalten und wieder umfassend eingesetzt werden", erklärte Syrskyj. Allerdings würden diese Fahrzeuge nicht mehr den herkömmlichen Modellen entsprechen. Künftige Panzer und Schützenpanzer müssten hochkomplexe Systeme sein, die verschiedenste Drohnenbedrohungen abwehren können. Die Kriegsführung der Zukunft erfordert eine völlig neue Generation gepanzerter Fahrzeuge.

General warnt vor Pattsituation im Ukraine-Krieg

Die aktuelle Einschätzung ist nicht neu. Bereits vor drei Jahren hatte Syrskyjs Vorgänger Walerij Saluschnyj die Lage mit dem Stellungskrieg des Ersten Weltkriegs verglichen. "Genau wie im Ersten Weltkrieg haben wir ein technologisches Niveau erreicht, das uns in eine Pattsituation versetzt", sagte er damals dem "Economist". Ein Durchbruch sei unwahrscheinlich. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj widersprach dieser Einschätzung umgehend. "Es gibt kein Patt", erklärte er. Selenskyj benötigt militärische Erfolge, um in möglichen Waffenstillstandsverhandlungen Druck auf Russland ausüben zu können.

Die Parallelen zum Ersten Weltkrieg sind historisch bedeutsam. An der Westfront von 1914 bis 1918 erstarrten die Fronten ebenfalls nach wenigen Wochen – es entstand der berüchtigte Grabenkrieg.

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