Donald Trump: "Er kann das nicht sehen!" Trump-Biograf warnt vor Ego-Falle

Donald Trump liebt die große Bühne. Doch genau diese Leidenschaft könnte ihm zum Verhängnis werden. Sein langjähriger Biograf zeichnet das Bild eines US-Präsidenten, der überall im Mittelpunkt stehen will und dabei immer häufiger auf Ablehnung stößt.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Donald Trump schadet sich mit seinem grenzenlosen Ego selbst. (Foto) Suche
Donald Trump schadet sich mit seinem grenzenlosen Ego selbst. Bild: picture alliance/dpa/AP | Ross D. Franklin
  • Trump-Biograf Michael Wolff sieht den US-Präsidenten auf einem gefährlichen Selbstinszenierungs-Kurs
  • Buhrufe bei einem NBA-Finale und Kritik an einer UFC-Show im Weißen Haus sorgen für Schlagzeilen
  • Wolff glaubt: Trump erkennt eigene Fehler nicht und schadet sich damit selbst

Sein maßloses Ego wird Donald Trump zunehmend zum Verhängnis – zumindest nach Einschätzung seines Biografen Michael Wolff. Im Podcast "Inside Trump's Head" analysiert der Autor, der während Trumps erster Amtszeit neun Monate im Weißen Haus verbrachte, wie sich der US-Präsident durch seinen Drang zur Selbstinszenierung selbst schadet.

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"Er tut Dinge, die ihm grundlegend schaden", erklärte Wolff gegenüber seiner Co-Moderatorin Joanna Coles. Der US-Präsident versuche, sich in praktisch jeden Bereich des öffentlichen Lebens einzudrängen – mit zunehmend negativen Konsequenzen. Die Belege häufen sich: Buhrufe beim NBA-Finalspiel in New York, eine höchst unpopuläre UFC-Veranstaltung auf dem Rasen des Weißen Hauses zu seinem 80. Geburtstag und ein abrupt abgebrochenes Fernsehinterview. Wolff sieht darin ein Muster. Trump sei schlicht unfähig, eigene Fehler zu erkennen.

Donald Trump: Buhrufe im Madison Square Garden

Ein besonders anschauliches Beispiel lieferte das dritte Finalspiel der NBA zwischen den New York Knicks und den San Antonio Spurs am Montagabend. Joanna Coles, die selbst im Madison Square Garden anwesend war, schilderte die Reaktion des Publikums: Als Trumps Gesicht auf den großen Bildschirmen erschien, erntete er "ein durchdringendes Buh" von den Fans. Der US-Präsident saß in einer Luxusloge mit Energieminister Doug Bergum und Steve Witkoff. Doch trotz des aufwendigen Sicherheitsaufwands – die Einlasszeit verlängerte sich um 45 Minuten – blieb Trump für das Publikum bedeutungslos. "Niemand interessierte sich für Trump, niemand kümmerte sich darum", berichtete Coles. Die Aufmerksamkeit galt ausschließlich dem Spiel und Knicks-Star Jalen Brunson. Besonders bezeichnend: Die Buhrufe waren deutlich lauter als jeglicher Applaus. Trump starrte regungslos geradeaus, während er seinen militärischen Gruß während der Nationalhymne vollführte.

92-Fuß-Struktur überragt das Weiße Haus

Noch deutlicher zeigt sich Trumps Hang zur Selbstinszenierung bei den Vorbereitungen für seinen 80. Geburtstag nächste Woche. Für eine UFC-Kampfveranstaltung lässt er auf dem Südrasen des Weißen Hauses eine 5.000 Plätze fassende Arena errichten – eine 92 Fuß hohe achteckige Struktur, die das historische Gebäude überragt. Die Amerikaner reagieren ablehnend: Laut YouGov-Umfragen lehnen 40 Prozent die Veranstaltung entschieden ab, weitere 11 Prozent sind eher dagegen. Nur 12 Prozent befürworten das Spektakel ausdrücklich. Auch der Ticketverkauf stockt offenbar. Militärangehörige werden angeblich herangezogen, um Zuschauer zu mobilisieren. "Er zerstört die Umgebung des Weißen Hauses für seine eigene Befriedigung und seinen Profit", kritisierte Wolff. Die Kämpfer sollen direkt aus dem Oval Office einlaufen. Trump selbst erklärte gegenüber dem "Time"-Magazin: "Das Leben ist ein Gimmick, wenn man darüber nachdenkt – aber ein gutes Gimmick."

Trump ergreift Flucht aus dem Interview

Ein weiteres Indiz für Trumps Unfähigkeit, Widerspruch zu ertragen, lieferte sein Auftritt bei NBC's "Meet the Press" am vergangenen Sonntag. Als Moderatorin Kristen Welker ihn mit seinen Verschwörungstheorien über manipulierte Wahlen konfrontierte, brach Trump das Interview abrupt ab. "Wir sind wie ein Dritte-Welt-Land, eure Wahlen sind manipuliert und ihr seid manipuliert und die Presse ist manipuliert", wetterte Trump, bevor er das Gespräch beendete. Welker hatte eigens die Reise nach Wisconsin angetreten.

Für Wolff war dieser Ausbruch keine Machtdemonstration gegenüber den Medien, sondern ein Fenster in Trumps alltägliches Verhalten. "Das ist buchstäblich, wie er mit jedem umgeht", erklärte der Biograf. Seine Mitarbeiter, Freunde, Familie – selbst Vance, Rubio und Stabschefin Susie Wiles – erlebten dasselbe: "Er hört nicht auf zu reden, man kann ihm nicht widersprechen, es gibt wirklich keine Debatte."

US-Präsident unfähig zur Selbstreflexion

Wolffs zentrale These: Trump fehlt der natürliche Instinkt, eigene Fehler zu erkennen und zu korrigieren. "Warum veranstaltet er die UFC auf dem Rasen des Weißen Hauses, wenn das offensichtlich ein Fehler der politischen Wahrnehmung ist? Aber er kann das nicht sehen", analysierte der Biograf. Trump sei möglicherweise schlicht unfähig, zu erkennen, dass irgendetwas, was er tue, ein Irrtum sein könnte. Selbst seine zahlreichen Firmenpleiten hat Trump nie als Niederlagen verarbeitet. Jedes Scheitern wurde in seinem Kopf zur Chance umgedeutet. "Er glaubt es tatsächlich", so Wolff. Trump sei nicht zynisch, sondern nehme die Rollen, die er spiele, vollständig an. Das Weiße Haus reagierte scharf: Kommunikationsdirektor Steven Cheung bezeichnete Wolff als "lügenden Drecksack" und "Betrüger", der unter schwerem "Trump-Derangement-Syndrom" leide.

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