Nato stärkt Verteidigung: Russland drohte Lettland mit Vergeltung - Aufrüstung an der Ostflanke

Russland droht den baltischen Staaten offen mit Vergeltung. Derweil stärkt die Nato den Schutz der Länder vor möglichen russischen Aggressionen. In Münster entsteht ein neues Hauptquartier, um im Ernstfall schnell zu reagieren.

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Die Nato verstärkt die Verteidigung an der Ostflanke. (Foto) Suche
Die Nato verstärkt die Verteidigung an der Ostflanke. Bild: picture alliance/dpa | Anna Ross
  • Rückkehr des Eisernen Vorhangs an der Ostflanke: Nato stärkt Verteidigung
  • Neue Hauptquartiere sollen das Baltikum bei einem Konflikt schützen
  • Militärexperte hält Entscheidungen für "überfällig"

Die Nato verstärkt ihre Verteidigungsfähigkeit an der Ostflanke erheblich. Dabei steht besonders das Baltikum im Fokus. Das Militärbündnis strukturiert aufgrund der neuen Bedrohungslage durch Russland seine Verteidigung neu. Damit will sie sich vor einem möglichen Konflikt schützen.

Schutz des Baltikums: Nato errichtet neues Kommandozentrum

In Münster entsteht derzeit ein komplett neues Kommandozentrum, das im Ernstfall die Koordination von bis zu 60.000 Soldaten übernehmen soll. Das Deutsch-Niederländische Corps trägt künftig die Verantwortung für den Schutz Estlands und Lettlands. Das Corps bildete 2021 die Joint Task Force Headquarters (Land). "Kurz: Das Corps kann mehrere Brigaden führen und gleichzeitig Anteile der Marine, der Luftwaffe und der Spezialkräfte koordinieren", schreibt die Bundeswehr darüber.

Parallel dazu existiert bereits ein zweites Hauptquartier im polnischen Stettin, das die Verteidigung Polens und Litauens koordiniert. Ziel der Neustrukturierung ist es, bei Provokationen oder einem Angriff blitzschnell reagieren zu können. "Es gehe darum, schnell große Truppenverbände einzusetzen", erklärte ein Militärbeamter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Aktuell sind an der östlichen Flanke acht multinationale Kampfverbände stationiert, davon drei im Baltikum. Insgesamt sollen rund 24.000 Nato-Soldaten dauerhaft in der Region präsent sein.

Militärexperten mahnen - Baltikum ist Europas verwundbarste Stelle

Militärexperte Nico Lange bewertet die Entscheidung als längst "überfällig". "Das Baltikum sei die verwundbarste Stelle Europas", sagte er gegenüber "Bild". Die baltischen Länder benötigten im Krisenfall vor allem Masse und Geschwindigkeit – genau das ermögliche ein zweites NATO-Korps. Das neue Hauptquartier schaffe klare Zuständigkeiten und Führungsfähigkeit. "Genau das entscheidet im Ernstfall über Stunden – nicht über Wochen", so Lange.

Sicherheitsexperte Christian Mölling vom Verteidigungs-Thinktank EDINA ordnet die Entwicklung als Folge des schrittweisen US-Rückzugs ein. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 strukturiere die Nato ihre Kommandos neu. Dies bedeute eine Verlagerung von Lasten und Verantwortung von den Vereinigten Staaten nach Europa. Lange warnt jedoch: Ein Hauptquartier allein verteidige noch niemanden – nun müssten auch Artillerie, Luftverteidigung und sanitäre Strukturen folgen.

Spannungen im Baltikum - Russland droht mit Vergeltung

In den vergangenen Wochen kam es wiederholt zu Zwischenfällen mit unbemannten Flugkörpern in Estland, Lettland und Litauen. Bei ukrainischen Angriffen auf Ziele im Nordwesten Russlands drangen fehlgeleitete Drohnen in den Luftraum der drei EU- und NATO-Mitglieder ein und stürzten teilweise ab.

Moskau macht die baltischen Staaten dafür mitverantwortlich. Ohne jegliche Beweise behauptet Russland, die drei Länder würden ukrainische Drohnenangriffe unterstützen und ihr Territorium dafür bereitstellen. Gegenüber Lettland sprach der Kreml sogar offene Vergeltungsdrohungen aus.

Die Regierungen in Tallinn, Riga und Vilnius wiesen die Anschuldigungen entschieden als unwahr zurück und verurteilten die Drohgebärden. Sowohl die Europäische Union als auch die NATO stellten sich hinter die baltischen Verbündeten.

Bundeswehr-Generalinspekteur warnt: "Nicht mehr ganz Frieden, aber auch noch nicht Krieg"

Die Drohnenvorfälle haben nach Einschätzung von Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer für erhebliche Unruhe unter den Nato-Partnern gesorgt. "Die Vorfälle, die mit dabei sind, stimmen uns, glaube ich, alle besorgt", sagte Deutschlands ranghöchster Soldat am Rande des Drone Summit in Riga gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Die russischen Anschuldigungen gegen die baltischen Staaten ordnet Breuer als Teil einer hybriden Kriegsführung ein. "In allen Bereichen sind wir in einem Zustand, der nicht mehr ganz Frieden, aber auch noch nicht Krieg ist. Alle Nato-Staaten unterliegen hybriden Angriffen", erklärte er. Als Gegenmittel fordert der Generalinspekteur verstärkte Aufklärungsarbeit: "Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung." Nur so ließen sich die wahren Absichten hinter solchen Desinformationskampagnen entlarven.

Polen fühlt sich von Moskau bedroht

Polen sieht sich auch selbst von Moskau bedroht und rüstet derzeit massiv auf. Für 2026 sind 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung vorgesehen. Von den umgerechnet 46,6 Milliarden Euro soll mehr als die Hälfte in die Anschaffung neuen Geräts fließen. Zuletzt haben Großbritannien und Polen ein umfangreiches Verteidigungs- und Sicherheitsabkommen unterzeichnet.

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/ife/news.de/dpa/stg

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