Neue Rente: Merz-Regierung liegt falsch - wieso die Pläne nicht gerecht sind
Die Bundesregierung plant eine große Rentenreform. Die Rentenkommission hat erste Empfehlungen gefasst. Wieso es allein nicht hilft, bis 70 zu arbeiten und jüngere Generationen zu belasten. Ein Kommentar.
Von news.de Redakteurin Sabrina Böhme - Uhr
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- Kommentar zu Empfehlungen der Rentenkommission
- Rente mit 70 löst das Problem nicht
- Mehr Entlastungen wagen und soziale Gerechtigkeit bei der Rente
Deutschland muss Kompromisse eingehen, sagte zuletzt Bundeskanzler Friedrich Merz. Gilt das auch für die Rente? Dieser Eindruck könnte künftig Realität werden. Schwarz-Rot will bis zum Sommer ein großes Reformpaket durchsetzen. Die Rentenkommission soll nach Angaben der "Bild"-Zeitung bereits ihre Vorschläge gemacht haben. Was endlich nach einem Fortschritt klingt, entpuppt sich als halbgarer Ansatz, der wichtige Aspekte auslässt.
Rente mit 70: Länger arbeiten für ein angeschlagenes System
Es lässt sich nicht abstreiten, dass unser Rentensystem dringend Veränderungen braucht. Die Politik muss an zentralen Stellschrauben drehen. Dabei beschäftigen sie sich seit Längerem mit der Lebensarbeitszeit. Die Rente mit 70 soll auch von der Rentenkommission gefordert werden. Sie empfehlen, das Renteneintrittsalter schrittweise von 67 auf 70 Jahre anzuheben. Dieser Vorschlag soll ab den Jahren 2061 und 2062 gelten. Andere Länder wie die Niederlande haben es vorgemacht. Das Renteneintrittsalter bemisst sich an der erwarteten Lebenszeit. Ein guter Gedanke? Nur halbwegs!
Wieso jüngere Generationen nicht die Rente alleine finanzieren sollten
Deutschland wird älter und es fehlen künftig Beitragszahler. Deshalb kann es nicht die einzige Lösung sein, die jüngeren Generationen länger arbeiten zu lassen.Sie dürfen nicht als alleinige Finanzierer fungieren.Das Rentensystem ist ein soziales Konstrukt, das im Alter finanzielle Sicherheit bieten soll. Die Jüngeren allein dafür aufkommen zu lassen, ist nicht fair. So kommt es aus Berlin bei den Menschen an. Was bekommen sie am Ende? Vermutlich nur eine Rente, die als Basissicherung für viele Menschen kaum zum Leben reicht. Das sagte unser Bundeskanzler. Es braucht mehr Fachkräfte und andere Finanzierungsmöglichkeiten.
Soziale Gerechtigkeit bei der Rente? Fehlanzeige
Es braucht bei allen Reformvorstößen soziale Gerechtigkeit. "Ein wichtiges Wort, das aber eher auf dem Papier besteht als im echten Leben. Nicht jeder könnte bis 70 arbeiten. Gerade im Handwerk, der Pflege oder pädagogischen Bereichen sind die Menschen oft körperlich und psychisch nicht in der Lage, so lange zu arbeiten. Es entsteht der Eindruck von einem Idealbild, in dem jeder im Seniorenalter fleißig mit anpacken kann. Wir sollten nicht nur über das Alter diskutieren, sondern langfristige Lösungen schaffen.
Rentenfinanzierung sollte kein Solo-Investment sein
Ein herabgesetztes Rentenniveau ab 2031 von schrittweise 48 auf 46 Prozent empfiehlt die Rentenkommission. Dadurch sollen die Rentenzahlungen für Neurentner etwas niedriger ausfallen. Eine Rentenkürzung bedeutet das nicht. Aus politischer Sicht ist das vielleicht sinnvoll, aber die ganzen Pläne weichen von der Lebensrealität der Menschen ab. Das Rentensystem braucht Geld, um nicht zu zerbrechen. Das steht außer Frage. Die Rentenbeiträge, die zu gleichen Teilen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlt werden, halten alles am Laufen. In Zukunft reicht das nicht mehr aus. Schon heute belasten diese und andere Sozialabgaben Arbeitnehmer. In Berlin müssen die Politiker mehr Entlastungen wagen. Arbeitgeber stärker in die Pflicht zu nehmen und mehr Rentenbeiträge zu zahlen, könnte helfen. Das fordern zumindest der linke Flügel der SPD und Linke. Vielmehr sollten Arbeitgeber gefördert werden, einen Teil der Altersvorsorge für ihre Mitarbeiter mitzugestalten. Künftig braucht es neben der gesetzlichen Rente weitere Vorsorgemöglichkeiten. Die finanzielle Vorsorge sollte nicht alleine bei den Menschen hängenbleiben – gerade bei niedrigen Einkommen. Diese Menschen können oft kein Geld für die Rente zurücklegen. Dafür reicht ihr Lohn nicht aus. Ich wünsche mir hier eine Finanzierung, die jeden Bürger mit einbezieht.
Bislang zahlen Selbstständige und Beamte nicht in das Rentensystem ein. Dadurch fließen mehr Einnahmen in die Rentenkasse. Der aktuelle Vorschlag der Rentenkommission will aber bei Beamten künftig nicht ansetzen. Eine verschenkte Chance. Diese Gelder fehlen.
Rente der Zukunft: Vorsorge, aber richtig
Es darf nicht sein, dass längere Arbeitszeiten und weiterhin hohe Abgaben alleine ein so wichtiges System stemmen sollen. Vorsorge ist wichtig, aber wer kann es sich leisten? Nicht jeder. Dann zu prognostizieren, dass die gesetzliche Rente zusammen mit betrieblichen und privaten Vorsorgeleistungen in bis zu 15 Jahren höher liegen soll, muss man finanzieren können. Das darf nicht auf den Einzelnen abgewälzt werden. Ich hoffe, dass dieses Versprechen, die Rente zu sichern und die Bezüge höher ausfallen zu lassen, nicht nur heiße Luft ist.
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