Wladimir Putin besucht China: Kremlchef ist abhängig und kriegsmüde - diese Ziele verfolgt Xi Jinping

Kurz nach dem Besuch von Donald Trump in Peking besucht Wladimir Putin Xi Jinping. Dabei sucht er Unterstützung in wichtigen Fragen. Doch die beiden Staatschefs sollen unterschiedliche Ziele verfolgen.

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Wladimir Putin trifft sich mit Xi Jinping in Peking. (Foto) Suche
Wladimir Putin trifft sich mit Xi Jinping in Peking. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin | Alexander Kazakov
  • Wladimir Putin besucht Xi Jinping in China
  • Der Kremlchef sucht Hilfe bei seinem Verbündeten
  • Moskau und Peking verfolgen unterschiedliche Ziele

Erst vor wenigen Tagen hatte US-Präsident Donald Trump China verlassen. Xi Jinping bereitete dem amerikanischen Gast einen aufwendigen Empfang. Nun folgt unmittelbar darauf der Besuch von Wladimir Putin. Der Kremlchef reist am 19. Mai nach Peking.Der Anlass: Beide Länder begehen den 25. Jahrestag ihres Vertrags über gute Nachbarschaft, Freundschaft und Zusammenarbeit. Die beiden Staatschefs gehen laut Experten mit unterschiedlichen Zielen in das Treffen. Was wollen Putin und Xi?

Putin schwächelt im Ukraine-Krieg: Hilfe von Xi Jinping?

Für den Kremlchef steht bei diesem Besuch viel auf dem Spiel. "Für Putin ist das Treffen wichtig, weil er im Krieg gegen die Ukraine auf der Stelle tritt", erklärt China-Experte Adrian Geiges gegenüber "Bild". Der russische Präsident stehe unter Verhandlungsdruck – zunächst mit Washington, möglicherweise später auch direkt mit Kiew.

Deshalb sucht Putin die Abstimmung mit seinem wichtigsten Verbündeten. "Darüber will er sich mit seinem großen Bruder in Peking abstimmen", so Geiges. Einige Beobachter vermuten laut der Deutschen Welle, dass Moskau kriegsmüde sei und nach Auswegen suche.

Russlands Wirtschaft strauchelt: Kremlchef von China abhängig

Hinzu kommen wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die russische Wirtschaft läuft nicht gut, weshalb Putin auch Handelsfragen auf die Agenda setzen will. China ist mittlerweile Russlands größter Handelspartner und liefert mehr als ein Drittel aller russischen Importe.

Auf der wirtschaftlichen Agenda steht offenbar unter anderem Großprojekt "Kraft Sibiriens 2". Die geplante Pipeline soll künftig jährlich 50 Milliarden Kubikmeter Gas aus der russischen Arktis nach China transportieren. Für Moskau geht es dabei um dringend benötigte Einnahmen für die Kriegskasse.

Das Kräfteverhältnis zwischen beiden Ländern hat sich verschoben. Russland ist als "Juniorpartner" zunehmend von China abhängig, wie Geiges betont. Das eingekaufte Öl und Gas ist eine wichtige finanzielle Quelle zur Finanzierung der Kreigskasse. Peking kauft mehr als ein Viertel aller russischen Exporte. Westliche Sanktionen haben Moskau gezwungen, seine Energielieferungen nach Osten umzulenken. Für China bietet sich dadurch eine günstige Verhandlungsposition. Gleichzeitig will China laut MERICS-Forscher Claus Soong nicht übermäßig von russischem Öl abhängig werden, wie er der "Deutschen Welle" erklärte. Auch die Rüstungsindustrie ist auf Importe aus China angewiesen.

Putin und Xi haben einen gemeinsamen Feind

Was Moskau und Peking trotz aller Unterschiede verbindet, ist ihre Ablehnung westlicher Werte. "All das wird aber derzeit zurückgestellt im Kampf gegen den gemeinsamen Feind: die liberale Demokratie", erklärt Geiges. Diese ideologische Übereinstimmung überlagert andere Spannungsfelder.

Dabei gibt es durchaus Interessenkonflikte. In den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens konkurrieren beide Mächte um Einfluss. Diese Länder gehören traditionell zur russischen Einflusssphäre, werden aber durch Chinas Infrastrukturprojekt "Neue Seidenstraße" zunehmend an Peking gebunden.

Selbst historische Gebietsansprüche spielen derzeit keine Rolle. Russland kontrolliert im Fernen Osten noch Territorien, die bis ins 19. Jahrhundert zu China gehörten. Doch angesichts der gemeinsamen weltanschaulichen Ausrichtung werden solche Fragen beiseitegeschoben.

Anders als bei Donald Trump: Das gibt Xi Jinping Putin

Das Treffen soll vermutlich ein Signal für ihre Partnerschaft setzen. Nach den zweitägigen Gesprächen wollen Russland und China eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen. Beim Besuch von US-Präsident Trump gab es kein solches Abschlussdokument – der amerikanische Gast verließ Peking lediglich mit freundlichen Worten.

Wie ist die Beziehung zwischen dem Kremlchef und Chinas Staatschef?

Die intensive Diplomatie zwischen Washington, Moskau und Peking hat China in eine vorteilhafte Lage gebracht. Sowohl die USA als auch Russland suchen Unterstützung aus Peking, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Soong beschreibt die Beziehung  zwischen China und Russland gegenüber der "Deutschen Welle" als "ein Paar, das zwar im selben Bett liegt, aber unterschiedliche Träume hat". China strebt danach, dass unter anderem Russland und der Iran stabil bleiben. Krisen könnten strategische Risiken für China bedeuten. "China will keinen Krieg. Das liegt nicht im langfristigen Interesse Chinas", so Soong.

Dennoch bleibt die strategische Partnerschaft für Peking prioritär. "Wenn China zwischen Europa und Russland zu wählen hätte, hat Russland immer noch mehr zu bieten", so Soong. Geiges Einschätzung fällt ähnlich aus: "Wir wollen eine friedliche Koexistenz mit den USA – aber mit Putin haben wir eine gemeinsame Weltsicht."

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