Auch Deutschland darunter: "Liste von Angriffszielen" veröffentlicht - geht Russland zu weit?

Die aktuelle Lage im Ukrainekrieg eskaliert weiter. Moskau veröffentlicht Adressen deutscher Rüstungsstandorte als Folge von Drohnenlieferungen aus Deutschland – Ex-Präsident Medwedew bezeichnet sie offen als mögliche Angriffsziele.

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Russlands frühere Präsident Dmitri Medwedew droht nach Veröffentlichung der Adressen von Rüstungsfirmen - potentielle Ziele Russlands. (Foto) Suche
Russlands frühere Präsident Dmitri Medwedew droht nach Veröffentlichung der Adressen von Rüstungsfirmen - potentielle Ziele Russlands. Bild: dpa/Pool Sputnik via AP/Ekaterina Shtukina
  • Russland veröffentlicht im Ukraine-Krieg erstmals konkrete Standorte europäischer Rüstungsfirmen
  • Wladimir Putin und Dmitri Medwedew verschärfen Rhetorik gegenüber NATO-Staaten
  • Drohungen gegen Unternehmen in Deutschland, Tschechien und weiteren EU-Ländern
  • Neue Ukraine-Hilfen treffen auf russische Reaktionen: Spannungen in Europa nehmen weiter zu

Der Ukrainekrieg dauert inzwischen seit Februar 2022 an und hat sich zu einem langanhaltenden militärischen Konflikt entwickelt, der die europäische Sicherheitsordnung nachhaltig verändert hat.

Ukraine-Krieg aktuell - Lage dauerhaft angespannt

Die Lage in der Ukraine ist weiterhin geprägt von intensiven Kampfhandlungen, gegenseitigen Drohungen und einer anhaltenden militärischen sowie politischen Eskalation. Vor diesem Hintergrund spielen Entscheidungen der russischen Führung unter Präsident Wladimir Putin ebenso eine zentrale Rolle wie die öffentliche Rhetorik führender russischer Politiker, darunter Dmitri Medwedew. Dieser sorgt nun mit einer erneuten Provokation für Aufmerksamkeit. Was genau war passiert?

Kreml veröffentlicht Adressen europäischer Rüstungsfirmen auf Telegram

Das russische Verteidigungsministerium hat mit einer bedrohlichen Geste auf die Ankündigung neuer Drohnenlieferungen an die Ukraine reagiert. Über den Messenger-Dienst Telegram veröffentlichte das Ministerium Adressen europäischer Rüstungsunternehmen – darunter zwei Standorte in München sowie einer in Hanau, berichtet unter anderem die "Bild".

Moskau kritisierte den geplanten Ausbau der Drohnenproduktion für das ukrainische Militär in europäischen Fabriken scharf. Die Maßnahme sei "ein bewusster Schritt, der zu einer scharfen Eskalation der militärisch-politischen Lage auf dem ganzen europäischen Kontinent" führe, erklärte das Ministerium.

Europa das "strategische Hinterland der Ukraine"

Europa verwandle sich damit in das "strategische Hinterland der Ukraine". Die Standorte der betroffenen Betriebe in Deutschland werden normalerweise aus Sicherheitsgründen geheim gehalten. In diesem Fall jedoch nicht.

Medwedew droht mit Angriffen auf Rüstungsfirmen

Der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew verschärfte die Rhetorik Russlands indes noch weiter. Er bezeichnete die vom Verteidigungsministerium aufgeführten Unternehmen auf der Plattform X als "Liste potenzieller Ziele für die russischen Streitkräfte".

Wann solche Angriffe tatsächlich erfolgen könnten, ließ Medwedew offen. Dies hänge von der weiteren Entwicklung ab, drohte er. Länder, die Drohnen für Kiew herstellen, würden nach Ansicht des Kremls in den Konflikt mit Russland hineingezogen. Die Unterstützung der europäischen Regierungen führe aus russischer Sicht nicht zu mehr Sicherheit, sondern zum Gegenteil – eine Argumentationslinie, die auch im Umfeld von Wladimir Putin immer wieder betont wird.

Neue Hilfszusagen bei Berliner Treffen

Die russischen Drohungen erfolgten vor dem Hintergrund eines Treffens der Ukraine-Kontaktgruppe in der deutschen Hauptstadt. Dort sagten die Teilnehmer Kiew weitere Unterstützung zu. Bereits einen Tag zuvor hatten Bundeskanzler Friedrich Merz und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine "strategische Partnerschaft" besiegelt. Diese Vereinbarung umfasst auch militärische Komponenten.

Tschechien bestellt russischen Botschafter ein

Die Reaktionen auf Moskaus Drohgebärden ließen nicht lange auf sich warten. Der tschechische Außenminister Petr Macinka zitierte den russischen Botschafter in Prag ins Ministerium. Auch tschechische Rüstungsunternehmen waren auf der Liste aufgetaucht – darunter ein Hersteller von Turbinentriebwerken für Drohnen sowie ein Produzent von Kamikaze-Drohnen.

Rote Liste des Kremls - von diesen Ländern sieht Russland sich bedroht

Insgesamt umfasst die vom Kreml veröffentlichte Aufstellung Niederlassungen von elf ukrainischen Unternehmen in acht europäischen Ländern: Großbritannien, Dänemark, Lettland, Deutschland, den Niederlanden, Litauen, Polen und Tschechien. Zehn weitere Firmen werden als Komponentenhersteller genannt – mit Standorten in Tschechien, Israel, der Türkei, Italien, Spanien und Deutschland.

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