Friedrich Merz: Israel-Minister sorgt mit Nazi-Vergleich gegen Merz für Eklat

Ein historisch aufgeladener Schlagabtausch bringt die deutsch-israelischen Beziehungen ins Wanken: Nachdem Kanzler Friedrich Merz Israels Siedlungspolitik ungewöhnlich deutlich kritisiert, reagiert Finanzminister Bezalel Smotrich mit einem drastischen Nazi-Vergleich. Die Empörung ist groß.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Friedrich Merz sieht sich derzeit mit einem geschmacklosen Holocaust-Vorwurf konfrontiert. (Foto) Suche
Friedrich Merz sieht sich derzeit mit einem geschmacklosen Holocaust-Vorwurf konfrontiert. Bild: picture alliance/dpa | Michael Kappeler
  • Israels Finanzminister Bezalel Smotrich attackiert Kanzler Friedrich Merz mit Nazi-Vergleich
  • Auslöser: Kritik Deutschlands an Israels Siedlungspolitik im Westjordanland
  • Israels Botschafter Ron Prosor distanziert sich deutlich
  • Jüdische Gruppe übt scharfe Kritik an Smotrich

Ein verbaler Angriff mit historischer Sprengkraft belastet die deutsch-israelischen Beziehungen: Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hat Bundeskanzler Friedrich Merz auf der Plattform X mit einem Nazi-Vergleich attackiert.

Heftige Attacke gegen Friedrich Merz: Israelischer Minister zieht NS-Vergleich

"Herr Bundeskanzler, die Zeiten, in denen Deutsche Juden vorschrieben, wo sie leben durften und wo nicht, sind vorbei und werden nicht wiederkehren", schrieb der 46-Jährige. Deutschland werde Israel nicht "erneut in Ghettos zwingen, schon gar nicht in unserem eigenen Land", wetterte Smotrich. Die Worte treffen einen historischen Nerv und sorgen international für Entsetzen.

Der Auslöser für Smotrichs Entgleisung: Merz hatte sich kritisch zur israelischen Siedlungspolitik im Westjordanland positioniert. Mit seinem Ghetto-Vergleich zieht der Minister eine direkte Linie zur NS-Zeit, in der sechs Millionen Juden ermordet wurden.

Merz warnt vor Teilannexion

Der Kanzler hatte zuvor mit Premierminister Benjamin Netanjahu telefoniert und anschließend seine Bedenken öffentlich gemacht. Die Entwicklung in den palästinensischen Gebieten bereite ihm "große Sorge", erklärte Merz. Seine Botschaft war unmissverständlich: Eine faktische Teilannexion des Westjordanlandes dürfe nicht stattfinden.

Der Zeitpunkt der Kritik ist brisant: Laut Berichten der "Times of Israel" hat die rechtsreligiöse Regierung in Jerusalem kürzlich 34 neue Siedlungen im besetzten Westjordanland genehmigt. Zudem sollen bisher illegale Außenposten legalisiert werden – ein Schritt, der international auf scharfe Ablehnung stößt.

Hintergrundwissen zum Siedlungszoff: Ein Konflikt mit langer Geschichte

  • Der Streit um die Siedlungen reicht Jahrzehnte zurück. Seit 1967 kontrolliert Israel das Westjordanland sowie Ost-Jerusalem. Mittlerweile leben dort mehr als 700.000 israelische Siedler inmitten von etwa drei Millionen Palästinensern. Die palästinensische Seite beansprucht diese Territorien für einen künftigen eigenen Staat.
  • Die Vereinten Nationen betrachten die israelischen Siedlungen als eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer friedlichen Lösung des Nahostkonflikts. Die jüngste Eskalation zwischen Jerusalem und Berlin zeigt, wie aufgeladen die Debatte um dieses Thema nach wie vor ist.

Israelischer Botschafter geht auf Distanz

Bemerkenswert: Der Widerspruch gegen Smotrich kommt nicht nur aus Berlin. Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, grenzte sich am Holocaust-Gedenktag deutlich von seinem Landsmann ab. Zwar sei es "möglich und völlig legitim, mit den Deutschen zu streiten – besonders an diesem Tag, der sehr emotional ist", so der 67-jährige Diplomat. Doch Aussagen wie jene des Finanzministers seien "genau das, was die Erinnerung an den Holocaust untergräbt und die Dinge völlig verzerrt darstellt".

Prosor unterstrich zugleich die Bedeutung der bilateralen Beziehungen: Deutschland sei Israels "Freund Nummer eins" – und auch Merz ein "großer Freund Israels".

Israels Finanzminister Smotrich wirft Bundeskanzler Merz vor, Juden wie in der NS-Zeit in Ghettos zwingen zu wollen - und erntet dafür scharfe Kritik. (Foto) Suche
Israels Finanzminister Smotrich wirft Bundeskanzler Merz vor, Juden wie in der NS-Zeit in Ghettos zwingen zu wollen - und erntet dafür scharfe Kritik. Bild: picture alliance/dpa/AP | Ohad Zwigenberg

Jüdische Gruppe wirft Smotrich Schändung des Holocaust-Gedenkens vor

Auch aus jüdischen Kreisen hagelt es scharfe Kritik an dem israelischen Finanzminister. Die Organisation Torah Jews attackierte Smotrich auf der Plattform X mit deutlichen Worten. "Zionistische Extremisten wie Bezalel Smotrich schänden nicht nur das Gedenken an die Holocaust-Opfer mit giftiger Rhetorik", schrieb die Gruppe. Sie würden zudem "absichtlich den Frieden in jüdischen Gemeinschaften stören, indem sie rücksichtslos und dreist Weltführer konfrontieren".

Der Vorwurf wiegt schwer: Smotrich handle nicht aus Sorge um Juden oder andere Menschen. Sein einziges Anliegen sei es, "Empörung zu provozieren und die Flammen des Antisemitismus am Brennen zu halten", damit Zionisten sich später dahinter verstecken könnten, wenn es ihnen gelegen komme.

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/bua/news.de/dpa

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