Schicksalsjahr für Deutschland: Politik-Experte warnt vor "tiefer Krise" und "Machtverlust" durch AfD-Aufstieg
Acht Wahlen, drohende Minderheitsregierungen und eine SPD am Abgrund: Politikwissenschaftler warnen vor dem turbulentesten Wahljahr seit der Wiedervereinigung. Im Osten könnte die AfD dabei an die 40-Prozent-Marke heranrücken.
Erstellt von Claudia Löwe - Uhr
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- Landtagswahlen und Kommunalwahlen 2026: Altparteien stehen vor Schicksalsentscheidung
- SPD droht Krisenjahr, AfD steuert im Osten auf 40-Prozent-Marke zu
Deutschland steht 2026 vor einem politischen Schicksalsjahr. In acht Bundesländern finden insgesamt fünf Landtags- und drei Kommunalwahlen statt. Politikwissenschaftler Prof. Oliver Lembcke von der Ruhruniversität Bochum warnt nun in einem Beitrag der "Bild" vor schwierigen Zeiten für die etablierten Parteien.
Diese Wahlen könnten 2026 Deutschlands politische Landschaft verändern
Den Auftakt machen die Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 8. März und Rheinland-Pfalz am 22. März. Aktuelle Umfragen sehen die CDU in beiden Ländern bei rund 30 Prozent, während die AfD auf etwa 20 Prozent zulegen könnte. "Den Parteien der demokratischen Mitte droht 2026 der Verlust der Gestaltungsmacht, weil sie aus den Wahlen keine funktionsfähigen Mehrheiten herausbekommen und ihre lagerübergreifende Kompromissfähigkeit zunehmend leidet", erklärte Lembcke gegenüber "Bild". Die Folge: komplizierte Dreier- und Vierer-Koalitionen sowie neue Minderheitsregierungen.
SPD am Abgrund: Droht den Sozialdemokraten das politische Desaster?
Für die Sozialdemokraten könnte 2026 zum absoluten Krisenjahr werden. Prof. Lembcke skizziert ein düsteres Worst-Case-Szenario: "In Baden-Württemberg einstellig, Machtverlust in Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern, Platz fünf in Berlin, und in Sachsen-Anhalt kommt sie vielleicht nicht mal mehr in den Landtag." Die Konsequenzen wären verheerend. Ein solches Ergebnis würde die Partei nach Einschätzung des Experten "in eine tiefe Krise stürzen". Besonders bitter: In Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern stellt die SPD derzeit noch die Ministerpräsidenten. Lembcke sieht einen gefährlichen Kreislauf: Aus der Schwäche heraus würden die Parteien "parteiideologisch fixierter" und verstärkten damit ihre eigene Blockade – was letztlich den politischen Rändern nutze.
Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern: AfD nähert sich im Osten der 40-Prozent-Marke
Besonders brisant wird der Herbst: Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September und Mecklenburg-Vorpommern am 20. September erreicht die AfD laut Umfragen fast 40 Prozent. In Sachsen-Anhalt liegt sie deutlich vor der CDU mit 27 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern klar vor der SPD mit 19 Prozent. Auch für Bundeskanzler Friedrich Merz birgt das Jahr Gefahren. "Wenn sie den Wahl-Auftakt im Westen trotz guter Aussichten vergeigt, wird die Schuld auf Berlin abgeladen", warnt Lembcke. Eine Führungs- und Personaldiskussion könnte dann Kabinett, Kanzleramt, Fraktion und den Kanzler selbst erfassen.
Politik-Experte: Wirtschaft wird 2026 zum Dreh- und Angelpunkt für Altparteien
Zusätzlich schwelt die Brandmauer-Debatte. Der CDU-Unvereinbarkeitsbeschluss zur Linkspartei sei noch nicht aufgehoben – aus Sorge vor Reaktionen von rechts. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern könne sich die Union dieser Diskussion nicht entziehen. Trotz der düsteren Aussichten sieht Prof. Lembcke auch Chancen für die etablierten Parteien. Der entscheidende Faktor für alle Wahlen sei, ob die Wirtschaft anziehe. Ein konjunktureller Aufschwung könnte die schwarz-rote Koalition stabilisieren.
Das Superwahljahr 2026 biete zudem die Möglichkeit, Lernfähigkeit unter Beweis zu stellen. Der Politikwissenschaftler nennt konkrete Reformfelder: Sozialstaat, Rente, Steuern, Bundeswehr und Verwaltung. Hier könnten die Parteien der Mitte zeigen, dass sie handlungsfähig sind. Für Mehrheiten ohne die AfD müssten sich in den ostdeutschen Ländern alle anderen Fraktionen auf breite Bündnisse einigen – möglicherweise unter Einschluss der Linkspartei oder als Minderheitsregierung.
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