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Coronavirus-News aktuell: Omikron oder Schulschließungen! Was gefährdet Kinder wirklich?

Was ist gefährlicher, Omikron oder Schulschließungen? Das fragt eine Zeitung heute und sorgt für Aufsehen. Hat sie recht? Wir klären auf und sagen, wie hoch das Infektionsrisiko und die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen für junge Leute wirklich sind.

Welche Auswirkungen haben Corona-Maßnahmen und die Omikron-Welle auf KInder und Jugendliche wirklich? Bild: AdobeStock/ Raul Mellado (Symbolfoto)

Aufgrund der Omikron-Welle werden die Rufe nach härteren Schutzmaßnahmen und einem Impfturbo immer lauter. Am 6. Januar beraten sich die Ministerpräsidenten wieder mit Bundeskanzler Olaf Scholz beim Corona-Gipfel. Im Vorfeld gab es Gerüchte um mögliche Schulschließungen. Das nahm die "Bild" zum Anlass, wieder die Corona-Maßnahmen zu kritisieren und auf die Gefahren für Kinder hinzuweisen. Stimmt das?

Alle aktuellen Entwicklungen zum Corona-Gipfel lesen Sie hier in unserem News-Ticker.

Wie gefährlich sind Schulschließungen für Kinder wirklich?

Unter der Schlagzeile "Was ist gefährlicher? Omikron oder erneute Schulschließungen? Schürt die "Bild" ein düsteres Szenario für die Kinder. Sie meint, dass der Lockdown krank gemacht hätte. Dafür zieht das Blatt zunächst eine Studie der Universität Essen heran. Etwa 500 Kinder hätten demnach versucht, sich während des Lockdowns im Frühjahr 2021 das Leben zu nehmen. "Das sind 2021 dreimal so viele Selbstmordversuche wie im Vergleichszeitraum Mitte März bis Ende Mai der Jahre 2017 bis 2019", sagteProf. Christian Dohna-Schwake (50) gegenüber "Bild". Der Kinder- und Jugendpsychologe Arnd Stein (75) sprach sogar von einer "sozialen Verarmung".

Gründe für Zunahme von Suizid-Gedanken während Corona-Lockdown sind vielfältig

Dass Depressionen, Selbstmordgedanken, Essstörungen und weitere psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zunahmen, bestätigten Psychiater. So hätten im Mai 2020 "etwa 20 Prozent der rund 7300 Hilfesuchenden Suizidgedanken gehabt", sagte "Krisenchat.de"-Mitgründerin Melanie Eckert gegenüber dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND). Auch die Einweisungen in Psychiatrien nahm zu, wie die DAK berichtete. So wurden im ersten Halbjahr 2020 39 junge Leute bis 17 Jahre eingewiesen, 2019 waren es 22. Die Einsamkeit und die fehlenden Kontakte sind einige Gründe für die psychische Belastung zahlreicher betroffener junger Leute. Auch der Wohnraum und ein geringes Bildungsniveau und das Elternhaus erhöhten das Risiko - aber der Lockdown allein ist nicht der Hauptgrund, nur ein Antrieb.

Haben Kinder und Jugendliche ein erhöhtes Corona-Infektionsrisiko?

Die "Bild" führte auch an, dass Kinder und Jugendliche kein erhöhtes Infektionsrisiko hätten. Zu Beginn der Corona-Pandemie ließen erste Studien vermuten, dass sich Kinder und Jugendliche seltener mit dem Coronavirus infizieren und mildere Verläufe aufweisen. Das gelte auch nach aktuellem Stand für die Omikron-Variante. In einer Erhebung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) von 4,7 Millionen Infektionsfällen aus zehn europäischen Ländern kam heraus, dass zwischen Januar bis Juni 2021 16 Prozent aller gemeldeten Infektionsfälle auf Kinder und Jugendliche zurückfiel. Doch die Daten sagen nichts darüber aus, dass Kinder sich seltener infizieren als Erwachsene. 

Long-Covid und Omikron: Sind Kinder gefährdet?

Zudem werden immer mehr Kinder in Krankenhäuser eingewiesen. Bis Januar 2022 lagen etwa 2.400 Kinder und Jugendliche wegen Covid-19 auf einer Normalstation, zeigen Daten der "Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)". Die Zahl der jungen Patient:innen stieg nur leicht an. Die meisten Infektionen gingen mit 38 Prozent auf Kinder unter einem Jahr zurück. Bleibt die Frage nach dem Risiko für Long-Covid und einer Omikron-Infektion.

Zum Thema Long-Covid bei Kindern und Jugendlichen gibt es noch zu wenige Studien. Schätzungen gehen davon aus, dass 30 bis 40 Prozent der Kinder Long-Covid bekommen könnten. Doch diese Aussagen gehen auf schwere Verläufe zurück. Laut dem europäischen Überwachungssystem "TESSy" erkrankten weniger als 0,03 Prozent der Kinder schwer an Covid-19. Bei Einigen Kinder trat nach einer Sars-CoV-2-Infektion das PIMS-Syndrom auf, einer Multi-Entzündungserkrankung. Auch milde Verläufe müssen nicht ohne Folgen bleiben, wie erst kürzlich eine neue Studie feststellte.

Karl Lauterbach warnt vor Omikron-Infektionswelle bei Kindern

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach schürte am 8. Dezember 2021 Angst. Er prophezeite: "Das ist leider so, dass die Omikron-Variante sich nicht nur schneller verbreitet, sondern leider auch Kinder stärker befällt und somit auch zu mehr Krankenhauseinweisungen führen wird." Diese Aussage stimmt nicht, wie der Virologe Klaus Stöhr der "Berliner Zeitung" sagte. Noch gebe es "keine Erkenntnisse, die auch nur annähernd den Schluss zulassen, Kinder wären von schweren Verläufen bei Omikron betroffen."

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Aufgrund der Omikron-Welle schließe Karl Lauterbach Schließungen generell nicht aus, wie er im ZDF-Interview sagte. Ein Ministeriumssprecher betonte, dass der Gesundheitsminister von "allgemeinen" Schließungen und nicht explizit von Schulschließungen sprach. Einige Politiker forderten aber, die Schulen offenzulassen, so wie FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenburg-Dugnus (62). Aufgrund der Suizid-Versuche bestätigt es sich für sie, "dass Schulen nicht geschlossen werden dürfen."

"#BildungaberSicher": Schutz der Kinder auf Twitter gefordert

Allgemein lässt sich feststellen, dass die Auswirkungen für Kinder und Jugendliche durch eine Coronavirus-Infektion nicht ausreichend untersucht wurden. Dennoch können Sie erkranken und Langzeitfolgen davon tragen. Viele Eltern und andere Experten warnen deshalb seit Monaten davor, die Kinder noch besser zu schützen, nachdem sie sich in Schulen immer häufiger infizieren. Dokumentationen dazu fehlen häufig. Unter dem Hashtag #BildungaberSicher" werden neue Konzepte zum Schutz gefordert.

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bos/hos/news.de