08.07.2021, 12.52 Uhr

Corona-Impfung bei Kindern: Kinderarzt klagt an: Regierung sollte Druck auf Impfverweigerer und -gegner ausüben

Jens Spahn mahnt, dass eine niedrige Impfquote zu einer weiteren Corona-Welle im Herbst führen könnte und will das Impftempo weiter zu erhöhen. Der Kinderarzt Dr. Michael Achenbach jedoch hält den momentanen Impfdruck, der auf die Kinder ausgeübt wird, für perfide. Er sieht Handlungsbedarf an anderer Stelle.

Der Kinderarzt findet den Druck, der auf die Kinder und Jugendlichen ausgeübt wird, perfide. Bild: dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat eindringlich für Corona-Impfungen geworben und vor Monaten mit vielen Neuinfektionen gewarnt. Entweder man werde geimpft oder man werde infiziert - "mit dem Risiko auch einer Folgeerkrankung", sagte Spahn zuletzt im ARD-"Morgenmagazin". "Das ist das, was wir sehen werden im Herbst und Winter, was wir im Vereinigten Königreich und anderen Ländern sehen. Da, wo nicht ausreichend geimpft ist, in den Bevölkerungsgruppen wird es sehr sehr viele Infektionen geben."

Jens Spahn macht Druck und will allen interessierten Kindern und Jugendlichen Impftermin anbieten

Spahns Appell folgte auf Fragen zur Impfung von Kindern und Jugendlichen. Der CDU-Politiker machte deutlich, dass auch allen interessierten Kindern und Jugendlichen bis Ende August eine erste Impfung verabreicht werden könnte. "Wer geimpft werden möchte, wo der 12-, der 15-, der 17-Jährige das mit den Sorgeberechtigten und/oder dem impfenden Arzt entscheidet, ist das auch möglich. Der Impfstoff dafür ist da", sagte Spahn.

Jens Spahn mahnt: Nächste Corona-Welle im Herbst bei niedriger Impfquote

Der Kampf gegen die Corona-Pandemie sei letztlich nur gemeinsam zu gewinnen. "Wir bauchen am Ende auch miteinander ein Bewusstsein dafür, dass es nicht nur um den Schutz für den Einzelnen geht, sondern das ist hier ein Teamspiel, eine Teamaufgabe. Wenn wir, wenn Deutschland, wenn Europa raus will aus der Pandemie, brauchen wir eine hohe Impfquote." Wer einen guten Herbst und einen gutenWinter mit möglichst wenigen Beschränkungen und möglichst wenigen Infektionen wolle, "der braucht eine hohe Impfquote bei allen da, wo geimpft werden kann", so Spahn.

Kinderarzt klagt an: Impfdruck auf Kinder ist perfide

Den Druck, den Jens Spahn damit unweigerlich auf die Kinder und Jugendlichen ausübt, hält der Kinderarzt Dr. Michael Achenbach für perfide. Im Interview mit der "Bild" erklärte der Sauerländer, dass es nicht die Sorge um die eigene Gesundheit sei, welche die Kinder zu einer Corona-Impfung bewege: "Denn eigentlich ist das Risiko, schwer an Covid zu erkranken, für Jugendliche sehr gering. Die wenigen Toten in den jüngeren Altersgruppen hatten zumeist mit Vorerkrankungen zu kämpfen. Das wissen auch die jüngeren Impfwilligen."

Kinderarzt teilt impfwillige Kinder und Jugendliche in drei Gruppen ein

Die Kinder und Jugendlichen, welche sich impfen lassen, kategorisiert der Kinderarzt in drei Gruppen: In der ersten Gruppe sind Kinder, die selbst krank sind. Diese lassen sich zum Selbstschutz impfen. In der zweiten Gruppe sieht Dr. Michael Achenbach die Kinder, die vorbeugen wollen, jedoch nicht vor einer eigenen Coronainfektion. "Diese Jugendlichen treibt die Sorge oder Angst um, andere anzustecken. Sie wollen sich beispielsweise oft impfen lassen, um ohne schlechtes Gewissen endlich wieder Oma und Opa besuchen zu können." In der dritten Gruppe sind die Kinder, die ihre Rechte und Freiheiten durch die Impfung zurückerlangen wollen.

Regierung macht Kinder und Jugendliche für Impferfolg verantwortlich

Dr. Michael Achenbach sieht es extrem kritisch, dass die Regierung derzeit den Kindern und Jugendlichen den Erfolg der Impfkampagne aufbürdet. "Die Kinder und Jugendlichen haben in der Pandemie enorme Lasten auf sich nehmen müssen. Und das immer zuerst im Interesse anderer, wie der Alten und der Kranken. Und sie haben sich hochsozial und solidarisch verhalten. Ihnen jetzt auch noch die Verantwortung für den Erfolg der Impfkampagne zuzuschieben, das geht nicht!", so der Mediziner gegenüber der "Bild". Stattdessen plädiert er dafür, mehr Druck auf Impfverweigerer, -zögerer und -gegner auszuüben.

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fka/news.de/dpa