08.07.2021, 19.42 Uhr

Jovenel Moïse (53) ermordet: Staatspräsident von Haiti kaltblütig erschossen

Haiti steckte bereits in einer tiefen Krise aus Armut, Gewalt und Korruption - es gab nicht einmal mehr ein Parlament. Nun ist der Staatspräsident nachts in seinem Haus erschossen worden. Die Täter sollen sich als Anti-Drogen-Beamte der USA ausgegeben haben.

Der haitianische Staatspräsident Jovenel Moïse ist einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Bild: picture alliance/dpa/AP | Rebecca Blackwell

Der haitianische Präsident Jovenel Moïse ist in der Nacht zum 7. Juli 2021 (Ortszeit) in seiner Residenz überfallen und durch Schüsse tödlich verletzt worden. Seine Ehefrau Martine Moïse sei bei dem Angriff verletzt worden, teilte die Regierung des Karibikstaats mit; wie es ihr nach dem Angriff geht, wurde nicht kommentiert. Die bislang nicht namentlich identifizierten Angreifer hätten Spanisch gesprochen, hieß es in der Mitteilung weiter. Nach der Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse sind nach Angaben der Polizei vier mutmaßliche Täter getötet und zwei festgenommen worden. Die Hintergründe des Attentats blieben zunächst jedoch unklar - ebenso wie die Nachfolge des Staatschefs.

Jovenel Moïse ermordet: Haitianischer Präsident in Residenz überfallen und erschossen

Die Angreifer seien nach ersten Erkenntnissen Ausländer gewesen, die sich als Angehörige der US-Anti-Drogenbehörde DEA ausgegeben hätten. Nach Angaben der haitianischen Botschaft in Washington handelte es sich um einen wohl koordinierten Angriff durch eine gut ausgebildete und schwer bewaffnete Gruppe. Joseph sagte in einer Ansprache an die Nation, die Täter hätten Englisch und Spanisch gesprochen. Haitianisches Kreol und Französisch sind Haitis Amtssprachen.

Der im Alter von 53 Jahren ermordete Jovenel Moïse, ein früherer Geschäftsmann, bekleidete das Amt des Präsidenten Haitis seit Februar 2017. Das von Moïse regierte Land Haiti steckt in einer tiefen politischen Krise. Da eine für Oktober 2019 vorgesehene Parlamentswahl unter anderem wegen heftiger Proteste gegen Moïse ausgefallen war, hat Haiti seit Beginn der neuen Legislaturperiode im Januar 2020 kein Parlament mehr. Moïse regierte seither per Dekret.

UN: Weitere Verdächtige nach Präsidentenmord in Haiti eingekreist

Nach der Ermordung von Haitis Präsident Jovenel Moïse in der Hauptstadt Port-au-Prince sind nach Angaben der Vereinten Nationen weitere Verdächtige von Einsatzkräften eingekreist worden. "Mir ist bekannt, dass eine größere Gruppe möglicher Täter in zwei Häuser in der Stadt geflüchtet ist und nun von der Polizei umstellt wurde", sagte die UN-Sonderbeauftragte Helen La Lime am Donnerstag bei einer Online-Pressekonferenz der Vereinte Nationen. Zudem gebe es Berichte, wonach sechs Verdächtige festgenommen worden seien. Zunächst war davon die Rede gewesen, dass vier mutmaßliche Täter getötet und zwei festgenommen wurden.

Mord an Haitis Staatspräsident Moïse scharf verurteilt

Ex-Premierminister Claude Joseph verurteilte den Angriff auf Jovenel Moïse als "hasserfüllt, unmenschlich und barbarisch" und rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle. "Es werden alle Maßnahmen ergriffen, um den Fortbestand des Staates zu gewährleisten und die Nation zu schützen", hieß es in der Mitteilung weiter. "Die Demokratie und die Republik werden obsiegen." Joseph war bis Dienstag Regierungschef, bevor er von Ariel Henry abgelöst wurde.

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Haiti im Würgegriff von Armut und Bandenkriegen

Haiti gilt als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre. Proteste gegen Moïse haben es in den vergangenen Jahren immer wieder lahmgelegt. Ihm wurden Korruption und Verbindungen zu gewalttätigen Banden vorgeworfen. Kämpfe solcher Banden um die Kontrolle über Teile der Hauptstadt Port-au-Prince trieben nach UN-Zahlen seit Anfang Juni fast 15.000 Menschen in die Flucht. Rund 4,4 Millionen der gut 11 Millionen Haitianer brauchen demnach humanitäre Hilfe. Zudem nahmen die Corona-Neuinfektionen und Todesfälle zuletzt deutlich zu.

Auswärtiges Amt bestürzt über Ermordung des Präsidenten Haitis

Die Bundesregierung hat sich bestürzt über die Ermordung des Präsidenten Haitis, Jovenel Moïse, geäußert. "Es muss jetzt alles dafür getan werden, dass die Sicherheit und Stabilität in Haiti nicht weiter gefährdet wird", erklärte das Auswärtige Amt auf Twitter. Der Familie und dem haitianischen Volk gelte "unser tief empfundenes Mitgefühl".

US-Präsident Biden nach Tötung von Haitis Präsident Moïse "schockiert und traurig"

US-Präsident Joe Biden hat die Tötung seines haitianischen Kollegen Jovenel Moïse als einen "schändlichen" Akt verurteilt. Er sei "schockiert und traurig", erklärte Biden am Mittwoch. Die USA stünden bereit, Haiti weiter dabei zu unterstützen, in dem Land auf Frieden und Sicherheit hinzuarbeiten.

"Wir brauchen viel mehr Informationen, aber es ist sehr bedenklich in Bezug auf die Lage in Haiti", sagte Biden wenig später anwesenden Journalisten zufolge im Garten des Weißen Hauses. Biden drückte den Menschen in Haiti sein Beileid aus und schickte der bei dem Angriff verletzten First Lady Martine Moïse Genesungswünsche.

UN-Chef Guterres fordert Aufklärung nach Tötung von Haitis Präsident

Nach der Tötung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse hat UN-Generalsekretär António Guterres Aufklärung verlangt. "Die Täter dieses Verbrechens müssen vor Gericht gestellt werden", ließ Guterres über seinen Sprecher Stephane Dujarric mitteilen. Der Generalsekretär fordere alle Haitianer auf, die verfassungsmäßige Ordnung zu wahren und vereint zu bleiben. Die Vereinten Nationen würden Regierung und Volk von Haiti weiterhin zur Seite stehen. Unbekannte waren in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) in Moïses Residenz eingedrungen und hatten ihn erschossen.

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loc/news.de/dpa