Von news.de-Redakteurin - 26.04.2021, 10.18 Uhr

Anne Will vom 25.04.2021: "Erbärmlich!" Twitter-Nutzer schockiert über Kritik an Annalena Baerbock

Am Sonntag mutierte die Talkshow von Anne Will zu einer Art TV-Attacke gegen Annalena Baerbock. Die Moderatorin hat die neue Kanzlerkandidatin mit frauenfeindlichen Fragen angegriffen. Twitter-Nutzer waren deshalb entsetzt.

Anne Will hat in ihrer Polit-Talkshow Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock scharf angegriffen. Bild: NDR/Wolfgang Borrs

In ihrer Polit-Talkshow wollte Anne Will eigentlich über die Frage "'Bundes-Notbremse' in Kraft - Durchbruch oder 'Tiefpunkt' in der Pandemiepolitik?" mit ihren Gästen Annalena Baerbock (40, Die Grünen), Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (69, FDP), Gabriel Felbermayr (44),Prof. Wolfgang Merkel (69) und Viola Priesemann (38) diskutieren. Doch die Sendung wurde mutierte zu einer Attacke nach der nächsten gegen die neue Bundeskanzlerkandidatin Annalena Baerbock.

Anne Will vom 25.4.2021: Annalena Baerbock von TV-Moderatorin kritisiert

Zu Beginn knöpfte sich Anne Will die Politikerin gleich vor. Vermutlich dachten die Zuschauer, die Moderatorin würde über Annalena Baerbocks politische Ziele sprechen wollen. Besonders vor der Bundestagswahl im September ist noch nicht ganz klar, welche Dinge die Grünen-Kanzlerkandidatin, außer dem Umweltschutz, noch angehen will. Das bleibt für viele Zuschauer nach der Sendung wohl weiterhin unklar. Dafür hat Anne Will ständig das völlig überholte Frauenbild anklingen lassen, womit Annalena Baerbock bereits nach ihrer Wahl in der letzten Woche zu kämpfen hatte. "Irgendwie steht ganz blöd im Raum, dass Sie es nur geworden sind, weil Sie eine Frau sind. Kriegen Sie das noch mal abgeräumt?" Was soll eine Frau auf diese unglaublich alte und frauenfeindliche Frage antworten? Mit einem Lächeln im Gesicht sagte Annalena Baerbock gekonnt: "Also mein Geschlecht werde ich nicht ändern, auch nicht in den nächsten sechs Monaten."

Anne Will: Annalena Baerbock nur Kanzlerkandidatin, weil sie eine Frau ist?

Anne Will griff weiter an und rückte nicht von ihrem scheinbar tief verwurzeltem Rollenverständnis ab. Aber Annalena Baerbock konterte zurück. Auf die Frage der Journalistin, dass allein die Emanzipation eine Rolle für ihre Kandidatur spiele, sagte  sie: "Das sage ich nicht, das wäre der alleinige Grund gewesen. Ich habe es mir zugetraut, Robert Habeck hat es sich zugetraut, die Partei hat es uns beiden zugetraut und im 21. Jahrhundert ist es keine Besonderheit, eine Selbstverständlichkeit und steht in unserem Grundgesetz, dass die Frage von Geschlecht in unserer Gesellschaft, wo wir noch nicht bei einer Gleichberechtigung sind, eine Rolle spielt."

Anne Will ließ nicht locker und zitierte Robert Habecks Aussage aus einem Interview mit der "Zeit", wo er sagte, "dass Annalena eine Frau ist, in einem ansonsten männlichen Wahlkampf, war ein zentrales Kriterium." Also hätte sie die Wahl zur Kanzlerkandidatin nur gewonnen, weil sie eine Frau ist. Das ließ aber Annalena Baerbock nicht auf sich sitzen. "Wenn Sie das so sehen!" sagt sie selbstbewusst. "Also ich sehe das nicht so!" Sie betonte auch noch einmal, dass ihre Partei vertraut und zusammen gearbeitet hat. Gemeinsam kam es dann zu dieser Entscheidung.

Annalena Baerbock spricht bei Anne Will über ihre Stärken als Kanzlerkandidatin

Danach versuchte sie das Gespräch auf sich und ihre Motivation zu lenken. "Natürlich habe ich mich persönlich geprüft: Was braucht es alles für dieses Land, für diesen Job?", danach nannte sie in dem TV-Bewerbungsgespräch ihre Stärken: "Durchsetzungsfähigkeit und Entschlossenheit, aber auch Empathie und Menschlichkeit. Einen Blick für die unterschiedlichen Menschen in diesem Land, einen klaren Kompass, wie wir dieses Land erneuern - alles das bringe ich mit!" All das überzeugte Anne Will nicht und sie holte zur nächsten verbalen Kritik aus. 

"Aber nachher im Kanzleramt oder, das Kanzlerinnenamt ist es dann wahrscheinlich...", unterbrach Anne Will mit der Gender-Keule. Doch Annalena Baerbock blieb gefasst, entging dem Fragenhagel nachdrücklich und sprach davon, einen neuen Führungsstil zu etablieren, um Krisen zu meistern. "In ganz große Krisenmomenten", so fordert Baerbock, müsse man "auch den Mut haben zu sagen: Das entscheide ich jetzt in meiner Verantwortung!" Ihr gehe es vor allem in diesen Zeiten darum, neben der Klimapolitik auf die Gesellschaftspolitik zu setzen. 

Annalena Baerbock bei Anne Will: Grünen-Kanzlerkandidatin gibt offen Hilfe von Robert Habeck zu

Danach hakte Anne Will Annalena Baerbocks Ziele als Kanzlerin nicht nach, sondern sprach ihr deren Führungsqualitäten unterschwellig ab. Sie bezog sich erneut auf das "Zeit"-Interview von Robert Habeck und zählte auf, "was er alles kann, nämlich Koalitionsverhandlungen erfolgreich zu Ende führen und regieren. Damit lenkt er den Blick auf Ihre Defizite. Hilft Ihnen das?" Baerbock griff zum Wasserglas und will die Frage weglächeln: "Interessant, wie Sie das wahrgenommen haben!" "Wie haben Sie es denn wahrgenommen - als Hilfestellung?" entgegnete Anne Will. Annalena Baerbock gab schließlich zu, dass der Grünen-Parteivorsitzende sie unterstütze. "Es ist ja Fakt, ich habe bisher noch nicht regiert", gibt sie zu. "Robert Habeck hat Regierungserfahrung, und deswegen ist es doch nur sinnvoll, dass wir in Vorbereitung dieser gemeinsamen Regierungsverantwortung unterschiedliche Aspekte mit einbringen!"

"Für mich ist es nichts, wenn ich einfach sage, ich kopiere jetzt alle Kanzlerschaften in der Bundesrepublik Deutschland, die es vorher schon gab", fügte die Kanzlerkandidatin hinzu. "Warum soll ich dann antreten? Dann bin ich einfach eine Kopie von anderen!" Anne Will entgegnete, dass Annalena Baerbock damit die beste Kandidatin im Kanzler-Duell darstellt. Am Ende gab die Grünen-Politikerin zu, dass sie in diesem Bereich noch keine Erfahrung mitbringe, aber lernfähig sei. Den medialen Druck kann sie schonmal aushalten, wie sie bei Anne Will bewies.

Twitter ätzt gegen Anne Will

Nachdem 20-minütigen Verhör durch Anne Will kamen endlich die anderen Gäste zu Wort und es wurde endlich über die Frage des Abends diskutiert. Doch das Pulikum war schon nach wenigen Minuten entsetzt über Anne Wills altmodisches "Frau-am-Herd"-Gedankengut. Auf Twitter hagelte es viel Kritik für die Talkmasterin. Einige User fragten sich, ob Anne Will nicht bewusst sei, dass seit 16 Jahren eine Frau die politischen Geschicke lenkt.

"Die ersten Minuten der gestrigen Sendung zum Thema "Notbremse" waren frontal gegen Annalena Baerbock gerichtet, wirkten wie ein Verhör und waren damit ein Beispiel arroganter frauenfeindlicher Will-kür - abgeliefert von einer Frau. Was für ein Problem hat Anne Will eigentlich", fragte sich ein Nutzer. "#annewill welche dieser Fragen an Annalena Baerbock würde Anne Will Herrn Habeck stellen? Es ist erbärmlich, wie Will und sonstige Medien gar kein Interesse mehr an Inhalten hat, sondern nur noch an der medialen 'Person'", findet ein Herr. 

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bos/news.de