10.03.2021, 10.51 Uhr

Corona-Impfung: Karl Lauterbach warnt vor Impf-Trödelei! DESHALB sollten Hausärzte jetzt impfen

Deutschland hängt bei den Impfungen immer noch hinterher. Gerade einmal fast drei Millionen Menschen aus der Priogruppe 1 wurden bereits geimpft. Die Hoffnung auf eine Beschleunigung ruht jetzt auf den Hausärzten. Beim heutigen Impfgipfel wird über den Start beraten.

Vor dem Corona-Impf-Gipfel: Wann dürfen Hausärzte endlich impfen?  Bild: picture alliance/dpa | Nicolas Armer

Die Coronavirus-Pandemie hat uns weiterhin fest im Griff. Deshalb ist es so wichtig, dass sich die Menschen gegen das Virus impfen lassen. Doch Deutschland hängt mit seinem Impftempo immer noch hinterher, weil der Impfstoff knapp ist. Dieses langsame Anlaufen der Impfungen zeigt sich in erschreckenden Zahlen wieder: Mehr als drei Millionen Menschen aus der Prio-Gruppe 1 wurden noch nicht immunisiert. Könnten Hausärzte jetzt das Tempo anziehen? Heute entscheidet sich beim Impf-Gipfel, wann wir beim Arzt unseren Piks bekommen können.

Corona-Impfung: Nur mehr als 3 Millionen Menschen aus Prio-Gruppe 1 geimpft

Laut offiziellen Angaben wurden bislang insgesamt 5,35 Millionen Menschen mit mindestens einer Dosis eines lebensrettenden Anti-Corona-Impfstoffs versorgt. Rein rechnerisch bedeutet das, dass von 8,6 Millionen Menschen aus der ersten Impfgruppe der besonders gefährden Bürger, wie über 80 Jährige, 3,25 Personen keinen Impfstoff bekommen.

Auch das RKI veröffentlichte keine allzu positiven Fortschritte bei den Impfungen. Bis Sonntag (07.03.2021) wurden laut Bundesgesundheitsministerium 2,5 Millionen Menschen in Deutschland vollständig geimpft. Das sind drei Prozent der Bevölkerung. 5,2 Millionen Menschen haben mindestens eine Impfdosis erhalten.

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Impf-Tempo geht in Sachsen-Anhalt und Co. nur schleppend voran

In einigen Bundesländern geht es zwar etwas schneller zu, aber immer noch im Schneckentempo. Dass Saarland hat bislang schon 7,4 Prozent seiner Einwohner geimpft. Ziemlich weit zurück liegen Sachsen-Anhalt (5,8 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (5,9 Prozent). In Brandenburg haben erst 5,4 Prozent aller Bürgern ihre erste Impfung bekommen. Einige Bundesländer umgehen auch schon die Impfreihenfolge, um jetzt auch Menschen aus der Prio-Gruppe 2 (ab 70 Jahre) zu impfen.

Karl Lauterbach warnt: Impf-Trödelei gefährlich für Senioren

Dieses Tempo findet der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (58) erschreckend. Gegenüber "Bild" warnte er nun eindringlich: "Dass so viele Ältere noch nicht geimpft sind, ist ein großes Problem – wir müssen diese gefährdeten Gruppen möglichst schnell mit der Impfung in Sicherheit bringen, denn bei ihnen löst die Corona-Variante B.1.1.7. noch mehr schwere Verläufe aus."

Deshalb herrscht in Deutschland Impf-Stau

Ein Hauptgrund für den Impf-Stau ist laut Lauterbach "der anhaltende Mangel" an Impfstoffen, die für über 65-jährige Menschen offiziell zugelassen sind. Dabei wurde jetzt erst der Impfstoff von AstraZeneca auch für über 65 Jährige als wirksam eingestuft. Doch die "entsprechende Verordnung" aus dem Gesundheitsministerium "fehlt noch", sagte Lauterbach.

Vor Impf-Gipfel: Wann dürfen Hausärzte endlich impfen?

Um endlich den Impf-Turbo zu zünden sehnen Haus- und Fachärzte den Impfstart in ihren Praxen entgegen. Bereits vor dem Impfgipfel von Bund und Ländern am Mittwoch (10.03.2021, ab 15 Uhr), wurde entschieden, dass ab April die niedergelassenen Ärzte in Deutschland flächendeckend mit Corona-Impfungen beginnen sollen. In der Sitzung am 10. März wird entscheiden wie viel Impfstoff Impfzentren und niedergelassene Ärzte bekommen sowie, wann Mediziner impfen dürfen.

Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) stehen fürs Impfen 75.000 Haus- und Facharztpraxen in Deutschland bereit. Wenn es genug Impfstoff gibt, kann es nach Modellrechnungen der KBV gelingen, am 1. August einen Impfvollschutz der gesamten Bevölkerung zu erreichen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) dämpfte aber am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin" die Hoffnungen, dass bald 20 Millionen Menschen pro Monat geimpft werden können. Denn die Impfmengen werden nicht sofort auf 20 oder zehn Millionen anwachsen, meinte Spahn.

Eine Erstimpfung für die erwachsene Bevölkerung könne schon in der ersten Juni-Hälfte, die weitgehende Immunisierung Anfang August abgeschlossen sein, sagte Gassen vorab gegenüber "Welt" - vorausgesetzt es steht genügend Impfstoff zur Verfügung. Auch die bundesweit etwa 12.000 Betriebsärzte könnten mitmachen und "pro Monat etwa fünf Millionen Beschäftigte impfen", sagte Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. 

Wie viel Corona-Impfstoff würden Ärzte bekommen?

Wie viele Impfdosen würden die Arztpraxen eigentlich bekommen. Laut dem "Business Insider" plane Jens Spahn ab April etwa 2,7 Millionen Impfdosen wöchentlich an Arztpraxen zu liefern. Impfzentren sollen etwa 1,25 Millionen Impffläschchen pro Woche bekommen.

"Business Insider" berichtete, dass Spahn die Lieferung an die Impfzentren ab April bei 1,25 Millionen Impfstoffdosen pro Woche deckeln wolle. 2,7 Millionen Dosen wöchentlich sollten im Schnitt an Arztpraxen gehen.

Coronavirus-News aktuell: Können Hausärzte die Impfreihenfolge ändern?

Hausärzte könnten so nicht mehr Menschen impfen, sondern auch die Impfreihenfolge kippen. "Sobald wir ausreichend Impfstoff für alle haben, sollten Haus- und Fachärzte auch selbst über die Impfreihenfolge entscheiden dürfen. Sie wissen am besten, welche ihrer Patienten besonders gefährdet sind", sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt der "Rheinischen Post".

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bos/sig/news.de/dpa

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