27.12.2020, 13.47 Uhr

Coronavirus-News aktuell : Knallhart Lockdown muss wirken! Horst Seehofer gegen vorschnelle Lockerungen

Das RKI meldete am 27. Dezember rund 13.700 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Doch es gibt keinen Grund zur Entwarnung. Horst Seehofer warnt jetzt den Lockdown nicht vorschnell zu beenden. Das sind die Corona-News von Sonntag.

Horst Seehofer will Geimpften keine Vorzüge gewähren. Bild: picture alliance/Michael Kaeppler/dpa

Am zweiten Weihnachtstag haben die deutschen Gesundheitsämter insgesamt 13 755 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Außerdem wurden binnen 24 Stunden 356 weitere Todesfälle verzeichnet, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Sonntagmorgen bekanntgab.

Coronavirus-News aus Deutschland: Nur mehr als 13.000 Neuinfektionen

Diese Zahlen sind aber nur bedingt mit den Werten der Vorwoche vergleichbar, da das RKI während der Feiertage mit einer geringeren Zahl an Tests und auch weniger Meldungen von den Gesundheitsämtern rechnete. Vor genau einer Woche waren 22 771 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet worden. Bei den Todesfällen war der Höchststand von 952 am Mittwoch vergangener Woche (16.12.) registriert worden.

R-Wert bleibt am 27. Dezember hoch

Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Sonntagmorgen bei 161,3. Ihr bisheriger Höchststand war am Dienstag mit 197,6 erreicht worden. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch enorm: Die höchsten Inzidenzen hatten am Sonntag Sachsen mit 375,8 und Thüringen mit 290,2, den niedrigsten Wert hatte Mecklenburg-Vorpommern mit 77,5.

Zahl der Corona-Todesfälle auf fast 30.000 gestiegen

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 1 640 858 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 27.12., 00.00 Uhr). Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg bis Sonntag auf 29 778. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1236700 an.

Ist die 7-Tage-Inzidenz gesunken?

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Bericht vom Samstag bei 0,89 (Donnerstag: 0,97). Am Freitag gab es wegen des Feiertags keinen Situationsbericht. Dieser R-Wert bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 89 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Das RKI verweist in seinem Bericht am Samstag aber darauf hin, dass während der Feiertage Covid-Fälle nur verzögert angezeigt, erfasst und übermittelt werden, "so dass der R-Wert zudem ggf. unterschätzt wird".

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Alle aktuellen Coronavirus-News aus Deutschland am 27.12.2020 im News-Ticker-Überblick

Die aktuellen Informationen zur Coronavirus-Pandemie in Deutschland erfahren Sie hier in unserem Ticker.

+++ Seehofer warnte vor zu raschen Lockerungen - Reiserückkehrer im Fokus +++

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat in der Corona-Pandemie vor zu raschen Lockerungen gewarnt. "Wenn der Lockdown wirkt und die Zahlen nach unten gehen, dann dürfen wir mit schnellen Lockerungen nicht alles riskieren, was wir erreicht haben. Sonst geht es wieder von vorne los", sagte der CSU-Politiker der "Bild am Sonntag".

"Hat der Lockdown keine ausreichende Wirkung, müssen die Maßnahmen verschärft werden", betonte Seehofer. Man müsse jetzt die Entwicklung abwarten. "Eine dritte Welle müssen wir unter allen Umständen vermeiden." Die aktuellen Schutzmaßnahmen gelten bis zum 10. Januar. Am 5. Januar wollen Bund und Länder über das weitere Vorgehen beraten.

Seehofer gab einigen Ministerpräsidenten eine Mitverantwortung für die weiterhin hohen Corona-Zahlen. "Die Bürgerinnen und Bürger haben die zweite Corona-Welle in diesem Ausmaß nicht zu verantworten", sagte der Innenminister. "Die ab Oktober ergriffenen Maßnahmen waren unzureichend. Ich war Zeuge mehrerer Ministerpräsidentenkonferenzen mit der Bundeskanzlerin und Bundesministern. Einige der teilnehmenden Politiker haben den Ernst der Lage einfach unterschätzt. Die Bundeskanzlerin gehörte übrigens nicht dazu."

Aus seiner Erfahrung wisse er sicher: "Sie bekommen die Ausbreitung eines hochinfektiösen und potenziell tödlichen Virus nur mit rigorosen Gegenmaßnahmen in den Griff und nicht mit angezogener Handbremse. Dazu gehört auch, dass für Schulen und den öffentlichen Personennahverkehr ein striktes Schutzkonzept gelten muss. Bis heute gibt es hier keine zufriedenstellenden Lösungen."

Seehofer kündigte für den grenzüberschreitenden Reiseverkehr schärfere Kontrollen an. Die in Deutschland geltenden Schutzmaßnahmen dürften «nicht durch unvernünftige Reisen unterlaufen werden», warnte der Innenminister. "Wir müssen Reiserückkehrer stärker in den Blick nehmen."

Die zehntägige Quarantäne und die Testung für Reisende, die aus Risikogebieten im Ausland zurückkehren, müssten konsequent überwacht werden. Reiserückkehrer gehörten auf den Radar der Gesundheitsämter. Er habe die Bundespolizei angewiesen, den grenzüberschreitenden Verkehr stärker zu kontrollieren, sagte Seehofer. «Für die ersten Wochen des Jahres sollte die Überwachung der Reiserückkehrer höchste Priorität haben."

+++ Auch Landkreis Augsburg muss Impfungen verschieben +++

Nach großen Teilen Oberfrankens haben die Behörden auch im Landkreis Augsburg den Impfstart gegen das Coronavirus aufschieben müssen. Auch dort sei die Kühlkette nicht nachvollziehbar gewesen, teilte der Landkreis mit. "Aus dem integrierten Kühlprotokoll geht hervor, dass die erfasste Temperatur während des Transportes zunächst drei Grad Celsius und später minus ein Grad Celsius betragen hat", erläuterte Augsburgs Landrat Martin Sailer (CSU).

Möglicher Hintergrund sei eine Fehlfunktion der Kühlbox, aber auch eine Absenkung der erfassten Temperatur in der Box durch den ursprünglich noch tiefgekühlten Impfstoff. «Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte man uns aus medizinischer Sicht nicht bestätigen, dass die Impfdosen bedenkenlos verwendet werden können», sagte Sailer. Deshalb habe man sich entschlossen, die gelieferten Impfdosen vorerst nicht zu verwenden. Es solle nun in den kommenden Stunden geklärt werden, was genau passiert sei und ob der Impfstoff weiter verwendet werden könne.

Nach Angaben des Herstellers Biontech muss der Impfstoff für einen längeren Zeitraum bei minus 70 Grad gelagert werden. In speziell entwickelten Versandboxen mit Trockeneis übersteht das Präparat bei diesen Temperaturen bis zu 15 Tage. In den Impfzentren kann das Vakzin in ungeöffnetem Zustand nach Firmenangaben in den Lieferboxen oder auch in herkömmlichen Kühlschränken bis zu fünf Tage bei zwei bis acht Grad aufgehoben werden. Bis zwei Stunden vor dem Spritzen könne das Präparat sogar bei bis zu 30 Grad gelagert werden. Die eigentliche Impfung könne bei Zimmertemperatur erfolgen, teilte Biontech mit.

+++ Panne verhindert Impfstart in Teilen von Oberfranken +++

In sechs Landkreisen Oberfrankens ist am Sonntag der geplante Start der Corona-Impfungen wegen möglicher Probleme in der Kühlkette für den Impfstoff verschoben worden. "Beim Auslesen der Temperaturlogger, die in den zentral beschafften Kühlboxen beigelegt wurden, sind Zweifel an der Einhaltung der Kühlkette für den Impfstoff aufgekommen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Landräte der Kreise Coburg, Lichtenfels, Kronach, Hof, Wunsiedel und Kulmbach.

Nicht betroffen sind die oberfränkischen Kreise und kreisfreien Städte Bamberg, Bayreuth und Forchheim. Wann auch in den restlichen sechs Kreisen geimpft werden kann, stand einem Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums zufolge zunächst nicht fest.

Die Landräte wollen zunächst - unter anderem mit der Herstellerfirma Biontech - prüfen, ob der Impfstoff weiterhin problemlos verwendbar ist. "Sollte es nur den geringsten Anhaltspunkt geben, dass der Impfstoff nicht zu 100 Prozent den Qualitätskriterien entspricht, wird diese Charge auch nicht verimpft", sagte der Vorsitzende des Bezirksverbandes Oberfranken des Bayerischen Landkreistages, der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner. Es gehe nicht ums Tempo.

+++ Nach Corona-Impfungen in Halberstadt geht es allen gut +++

Die Corona-Impfung am Samstag hat allen Bewohnerinnen und Bewohnern des Halberstädter Seniorenzentrums sowie den geimpften Mitarbeitenden keine Probleme bereitet. "Es geht allen gut", sagte der Betreiber der Einrichtung, Tobias Krüger, am Sonntagvormittag. Über die 101 Jahre alten Edith Kwoizalla, die die erste Impfdosis erhalten hatte, sagte er wie schon am Vortag: "Es geht ihr wie immer." Krüger selbst hatte sich auch impfen lassen.

Am Vortag hatte der Landkreis Harz schon vor dem für Sonntag geplanten bundesweiten Impfstart mit der Immunisierung der ersten Bewohner und Mitarbeiter der Einrichtung in Halberstadt begonnen. "Alle, die wollten, sind geimpft worden." Beim Personal seien es 10 von rund 40 Mitarbeitenden gewesen, sagte Krüger. Die Impfbereitschaft sei regional sehr unterschiedlich, die Impfung sei schließlich freiwillig. Auf keinen Fall habe es an Impfstoff gefehlt. 40 der 59 Bewohnerinnen und Bewohner hätten sich impfen lassen.

+++ Ministerpräsident Günther ruft zur Teilnahme am Impfen auf +++

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat zum Auftakt der Corona-Schutzimpfungen zu einer großen Beteiligung aufgerufen. Wer sich impfen lasse, "schützt seine Gesundheit und die Gesundheit anderer und hilft Leben zu retten", sagte Günther am Sonntag anlässlich eines Besuches im Logistikzentrum der Johanniter in Lübeck. Dort waren am Vormittag drei mobile Impfteams mit Impfstoffen ausgestattet worden. Kurz darauf sollte in Seniorenheimen der Stadt mit dem Impfen von Bewohnern und Pflegepersonal begonnen werden. Ebenfalls am Sonntag sollte auch in Kliniken des Landes die Impfung besonders gefährdeter Mitarbeiter starten.

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) zeigte sich erfreut, dass der Impfstart noch im alten Jahr erfolgte. "Ich bin sehr froh, dass wir jetzt soweit sind und jetzt diesen großen Schritt zur Bekämpfung der Pandemie gehen können", erklärte er. Doch gelte es weiterhin, die Abstands- und Hygieneregeln streng einzuhalten, um den Erfolg der weiteren Schritte nicht zu gefährden.

Beide Politiker kündigten an, sich ebenfalls impfen lassen zu wollen, und zwar dann, wenn sie nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission an der Reihe seien. Zunächst werden aber Bewohner in Senioren- und Pflegeheimen geimpft, Pflegepersonal und über 80-Jährige, die zu Hause leben.

+++ Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sieht im Beginn der bundesweiten Corona-Impfungen +++

in Deutschland an diesem Sonntag die Chance für eine schrittweise Rückkehr zur Normalität. "Es ist ein Riesenfortschritt, dass bei uns heute und in vielen anderen europäischen Ländern mit dem Impfen begonnen werden kann», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. "Das normale Leben wird Schritt für Schritt zurückkommen. Ein langer Atem ist aber noch nötig."

Nach der Empfehlung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zu Wochenbeginn hatte die EU-Kommission den Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und des US-Pharmariesen Pfizer für die Europäische Union zugelassen. Anderswo auf der Welt wird bereits damit geimpft. In Deutschland sollen nun zuerst Menschen über 80 und Bewohner und Personal in Pflegeheimen drankommen. Wenn nach und nach mehr Impfstoff - auch von anderen Herstellern - zur Verfügung steht - kommen weitere Bevölkerungsgruppen zum Zuge. In einem Seniorenzentrum in Halberstadt in Sachsen-Anhalt waren bereits am Samstag die ersten Bewohner und Mitarbeiter geimpft worden.

Karliczek verwies auf mögliche Hindernisse und sprach von einem anstrengenden Weg. So müsse die Massenproduktion der Impfstoffe gelingen und die Impfinfrastruktur wie geplant funktionieren. Zudem wisse man auch noch nicht, wie lange die Impfstoffe wirksam seien und die Menschen müssten sich impfen lassen wollen.

"Wenn ich an der Reihe bin, werde ich mich sehr gern impfen lassen», sagte die Ministerin. Sie habe vollstes Vertrauen in Impfstoffe, die von der Europäischen Arzneimittelagentur zugelassen worden seien. «Ich tue mit einer Impfung nicht nur für mich sondern auch für die Gesellschaft als Ganze etwas Gutes."

In den USA hatten sich Vizepräsident Mike Pence und auch der künftige Präsident Joe Biden öffentlichkeitswirksam impfen lassen. In Israel war es Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der sich die Spritze demonstrativ vor laufenden Kameras geben ließ. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte sich dazu am Dienstag geäußert: "Wir sagen, wir stehen hier in der Reihenfolge, in der Priorität, die vorgesehen ist. Wir haben in Deutschland nicht die Tradition, dass man bei der Bundeskanzlerin, bei den Ministern oder Ministerpräsidenten beginnt."

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte gesagt, er sei sofort und grundsätzlich bereit, sich impfen zu lassen, aber erst wenn er dran sei. Vor Weihnachten hatte der CDU-Politiker im "Morning Briefing"-Podcast des Journalisten Gabor Steingart erklärt: "Es ist ja so eine Diskussion, die man führen kann. Sollen wir uns jetzt zuerst impfen lassen, um zu zeigen - das würde ich auch sofort machen - dass der Impfstoff sicher ist und Vertrauen zu generieren. Andersherum werden dann einige sagen, "ja typisch, die Regierung wieder als erstes, die sollen doch erstmal die Älteren und Verletzbarsten dranlassen'." Man habe sich nun entschieden, dass zuallererst die besonders Verletzbaren in den Pflegeheimen drankämen.

Forschungsministerin Karliczek sprach mit Blick auf die Impfstoffentwicklung von Biontech und Pfizer von einem "Meilenstein in diesem Jahrhundert". Üblicherweise dauert die Entwicklung von Vakzinen mehrere Jahre. Karliczek hatte immer wieder betont, dass trotz der Geschwindigkeit keine Abkürzungen genommen und im Entwicklungs- und Zulassungsprozess keine Abstriche bei den Anforderungen an den Impfstoff gemacht worden seien. Sie verwies trotz des Impfbeginns allerdings darauf, dass noch Monate bis zu einer Normalisierung des Lebens vergehen dürften. "Wir werden auch 2021 noch weiter auf Abstand und Hygiene achten müssen, bis ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist." Die Pandemie bleibe ein Marathon.

 

+++ Maas mahnt gerechte Verteilung der Corona-Impfstoffe weltweit an +++

Bundesaußenminister Heiko Maas hat dazu aufgerufen, bei den Corona-Impfungen über den nationalen Tellerrand hinauszuschauen. Zwar gehe es jetzt zunächst um eine gerechte Verteilung im eigenen Land, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Aber man müsse gleichzeitig darauf achten, dass nicht ganze Weltregionen von der Impfstoffversorgung abgeschnitten werden. "Es wird erst jeder einzelne auch von uns sicher sein, wenn wir alle sicher sind auf der Welt vor diesem Virus", betonte der Minister.

Ohne eine flächendeckende Verteilung der Impfstoffe weltweit könne es passieren, dass das Virus zurückkomme. "Deswegen ist es auch eine Frage der Effektivität der Pandemiebekämpfung, dass man nicht nur für sich selber sorgt, sondern dafür sorgt, dass in allen Regionen dieser Welt das Virus ausgerottet wird."

Die Gruppe der führenden Wirtschaftsmächte (G20), zu der auch Deutschland zählt, hatte sich im November zu einer gerechten Verteilung der Impfstoffe verpflichtet. Die von der Weltgesundheitsorganisation getragene Initiative Covax will sich darum kümmern, dass arme Länder nicht benachteiligt werden.

 

+++ SPD-Chef Walter-Borjans gegen Gesetz zur Corona-Impfreihenfolge +++


Der SPD-Chef Norbert Walter-Borjans hat sich gegen ein Gesetz zur Corona-Impfreihenfolge ausgesprochen. "Wir würden viel Zeit verlieren, wenn wir das jetzt noch mal mit einem Gesetz machen würden", sagte er der "Rheinischen Post" (Sonntag) mit Blick auf die Abwägung, welche Bevölkerungsgruppen als erstes gegen Covid-19 geimpft werden sollen. Man sei immer in der Abwägung zwischen sicher, schnell und gerecht. Der Weg, der jetzt beschritten werde, werde diesen drei Kriterien am besten gerecht.

Derweil gibt es laut Deutschem Roten Kreuz (DRK) eine große Bereitschaft, in Impfzentren mitzuarbeiten. In Sachsen etwa seien im Zusammenhang mit den Impfzentren rund 300 neue Mitarbeitende gesucht worden. "Allein innerhalb einer Woche haben sich 2000 Menschen beworben», sagte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt der Zeitung. Viele kämen etwa aus dem Hotelgewerbe oder der Gastronomie, aber auch Studierende und Personen im Ruhestand seien dabei.

Genau elf Monate nach Bekanntwerden der ersten Corona-Infektion in Deutschland beginnt am Sonntag in allen Bundesländern das Impfen. Einige Zehntausend Dosen wurden dafür am Samstag ausgeliefert. Sie werden von den zuständigen Landesbehörden an Impfzentren und mobile Teams verteilt. Zuerst sollen Menschen über 80 Jahre sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal immunisiert werden.

 

+++ Söder: Warten auf Corona-Impfstoff gefährdet Teilnahmebereitschaft +++

Kurz vor dem bundesweiten Start der Corona-Impfungen am Sonntag hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor negativen Folgen durch Lieferengpässen gewarnt. «Endloses Warten reduziert auch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich impfen zu lassen", sagte der CSU-Chef der Deutschen Presse-Agentur in München. Leider sei noch nicht genügend Impfstoff vorhanden. "Die Bestellungen des Bundes reichen wohl, aber die Produktion dauert. Daher ist es wichtig, alle Kapazitäten zur Herstellung des Impfstoffes zu erhöhen."

Söder betonte, dass er ansonsten keine größeren Probleme erwarte. "Die Impflogistik steht, es braucht nur noch den Impfstoff. Der Bund beliefert die Länder und dann wird alles verimpft." Alle Seuchen hätten am Ende nur wirksam durch Impfungen bekämpft werden können. "Dazu müssen wir die Impfbereitschaft der Menschen noch deutlich erhöhen. Denn eine Impfpflicht wird es nicht geben."

Deutschland sollte in einer ersten Lieferung für den Impfauftakt am Sonntag 151 125 Dosen des Mainzer Unternehmens Biontech erhalten. Sie wurden am Samstag bundesweit verteilt. Im Januar sollen nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jede Woche mindestens weitere 670 000 Dosen kommen. Auf Bayern fallen davon zum Start nur 9750 Impfdosen ab, damit der Schutz wirksam wird, muss man zwei Mal geimpft werden. Bis zum Jahresende ist die Lieferung von 214 500 Dosen geplant. Ab Ende Dezember soll der Freistaat dann regelmäßige Lieferungen erhalten, dem Vernehmen nach dann pro Woche rund 100 000.

"Je mehr geimpft wird und je mehr sich impfen lassen, desto schneller können wir den großen Schrecken von Corona reduzieren», sagte Söder. Er selbst verbindet mit dem Impfstoff viel Hoffnung: "Damit können wir zunächst vor allem die Risikogruppen schützen. Auf Dauer dann die ganze Bevölkerung. Impfen ist ein wichtiger Schritt in die alltägliche Freiheit."

 

+++ Innenminister Seehofer: Keine Sonderrechte für Geimpfte +++

Wer gegen Corona geimpft ist, sollte aus Sicht von Bundesinnenminister Horst Seehofer keine Sonderrechte bekommen. "Eine Unterscheidung zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften kommt einer Impfpflicht gleich. Ich bin aber gegen einen Impfzwang", sagte der CSU-Politiker der "Bild am Sonntag". "Wir alle stecken in dieser Krise. Und wir sollten uns gemeinsam und solidarisch heraus kämpfen."

Auch Sonderrechte privater Unternehmen wie von Fluglinien oder Konzertveranstaltern für Geimpfte lehnt Seehofer ab. "Ich kann davor nur warnen", sagte er dem Blatt. Dies spalte die Gesellschaft. "Des einen Privileg ist die Benachteiligung des anderen."

Genau elf Monate nach Bekanntwerden einer ersten Corona-Infektion in Deutschland beginnen am Sonntag in allen Bundesländern die Impfungen gegen das Virus. Zuerst sollen Menschen über 80 Jahre sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal immunisiert werden. Dazu werden vor allem mobile Impfteams unterwegs sein. Die mehr als 400 Impfzentren werden größtenteils erst in den nächsten Tagen in Betrieb genommen.

+++ 101-Jährige geimpft +++

Die bisher größte Impfkampagne in Deutschland hat früher begonnen als geplant. In einem Seniorenzentrum in Halberstadt in Sachsen-Anhalt wurden am Samstag die 101 Jahre alte Edith Kwoizalla und etwa 40 weitere Bewohner gegen das Coronavirus geimpft. Außerdem ließen sich zehn Pflegekräfte immunisieren. Der Start der bundesweiten Impfkampagne war eigentlich erst für Sonntag geplant. Der Betreiber des Seniorenheims, Tobias Krüger, wollte aber offensichtlich keine Zeit verlieren. "Jeder Tag, den wir warten, ist ein Tag zu viel", sagte er. Das Landratsamt hatte zuvor bei ihm angefragt, ob im Heim alles vorbereitet sei.

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bos/news.de/dpa

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