In Renningen (Baden-Württemberg): Doch keine Baby-Entführung? Polizei ermittelt gegen Mutter (32)

Ein drei Monate alter Junge ist im baden-württembergischen Renningen aus seinem Kinderwagen verschwunden - wenig später wurde eine Kinderleiche gefunden. Nun ermittelt die Polizei gegen die Mutter des toten Kindes.

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Seit dem späten Donnerstagabend galt ein drei Monate alter Junge als verschollen. Die Eltern hätten die Vermisstenanzeige gestellt, hieß es. Der Säugling war nach Angaben der Polizei kurz vor Mitternacht aus seinem Kinderwagen verschwunden. (Foto) Suche
Seit dem späten Donnerstagabend galt ein drei Monate alter Junge als verschollen. Die Eltern hätten die Vermisstenanzeige gestellt, hieß es. Der Säugling war nach Angaben der Polizei kurz vor Mitternacht aus seinem Kinderwagen verschwunden. Bild: picture alliance/dpa | Jason Tschepljakow
  • Mutmaßliche Entführung in Renningen (Baden-Württemberg): Baby aus Kinderwagen verschwunden
  • Mutter (37) ließ dreimonatigen Sohn kurz unbeaufsichtigt
  • Polizei startet großangelegte Suche und findet Babyleiche
  • Neue Wende im Fall: Polizei ermittelt gegen Mutter von totem Baby

Was trug sich am Donnerstag kurz vor Mitternacht wirklich im baden-württembergischen Renningen zu? Ein kleiner Junge, erst drei Monate alt, verschwand in der Stadt bei Stuttgart spurlos aus seinem Kinderwagen. Die Suche nach dem Baby endete am Freitagnachmittag mit einer erschütternden Nachricht, als Einsatzkräfte die Leiche eines Säuglings entdeckten.

Baby in Renningen vermisst: Junge (3 Monate) verschwand aus Kinderwagen

Das Drama begann am späten Abend des 18. Juni gegen 23.30 Uhr, wie die "Bild" detailliert schreibt. Die 37-jährige Mutter des vermissten Jungen war mit ihrem Baby vom Einkaufen aus dem etwa 800 Meter vom Wohnhaus entfernten Supermarkt zurückgekehrt und wollte die Tüten in ihre Wohnung im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses tragen. Den Kinderwagen mit dem schlafenden Kind ließ sie kurz auf dem Gehweg stehen. Als sie wenige Augenblicke später zurückkam, war der Wagen leer. Der Wagen selbst fehlte nicht – nur das Baby war verschwunden. Die Eltern alarmierten umgehend die Polizei.

Baby aus Kinderwagen verschwunden: Polizei leitet großangelegte Suchaktion ein

Unmittelbar nach der Vermisstenanzeige startete ein polizeilicher Großeinsatz. Rund 50 Polizeibeamte durchkämmten Renningen systematisch, unterstützt von etwa 40 Suchhunden des Deutschen Roten Kreuzes. Zudem beteiligten sich auch Kräfte der Feuerwehr, DLRG und THW an der Suche. Die Bereitschaftspolizei war ebenfalls vor Ort. Hubschrauber kreisten über der Stadt, Drohnen mit Wärmebildkameras suchten das Gelände ab. Auch Leichenspürhunde kamen zum Einsatz.

Mit Suchhunden und zahlreichen Einsatzkräften wird nach einem vermissten Kleinkind gesucht. (Foto) Suche
Mit Suchhunden und zahlreichen Einsatzkräften wird nach einem vermissten Kleinkind gesucht. Bild: picture alliance/dpa/onw-images | Enrique Kaczor

Die extremen Temperaturen von über 30 Grad setzten die Einsatzkräfte unter enormen Zeitdruck. "Wenn es bei der Hitze irgendwo hilflos wäre, wäre es sehr schlecht", erklärte ein Polizeisprecher während der laufenden Suche. Ein kleines Kind verfüge über kaum körperliche Reserven. "Da muss man am Anfang so viel probieren, wie es geht."

Bestürzender Fund von Babyleiche am Rankbach - ist es der vermisste Junge?

Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Polizei sind in Renningen (Baden-Württemberg) bei der Suche nach einem vermissten Kleinkind im Einsatz. (Foto) Suche
Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Polizei sind in Renningen (Baden-Württemberg) bei der Suche nach einem vermissten Kleinkind im Einsatz. Bild: picture alliance/dpa | Jason Tschepljakow

Gegen 13.45 Uhr machten die Einsatzkräfte einen bestürzenden Fund: Am oder im Rankbach, einem kleinen Wasserlauf, der durch Renningen fließt, wurde der leblose Körper eines Säuglings entdeckt. "Dabei könnte es sich um den vermissten Jungen handeln", teilte die Polizei mit. Die Suchaktion wurde daraufhin beendet. Zahlreiche Fragen bleiben jedoch offen. Die Identifizierung des toten Kindes dauert noch an. Zur Todesursache machten weder Polizei noch Staatsanwaltschaft Angaben. Auch ob eine Obduktion durchgeführt wird, blieb zunächst unklar.

Nach Fund von Babyleiche: Ermittlungen gegen die Mutter

Überraschende Wende nach dem Fund der Babyleiche in Renningen bei Stuttgart: Nun wird die Mutter des Säuglings verdächtigt, ihr eigenes drei Monate altes Kind selbst abgelegt und eine Entführung lediglich vorgetäuscht zu haben. "Im Zuge der bisherigen Ermittlungen konnten keinerlei Hinweise auf eine Entführung des Säuglings erlangt werden", teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. "Vielmehr wird nun gegen die 32-jährige Mutter des Kindes wegen des Verdachts des Vortäuschens einer Straftat ermittelt."

Zweifelsfrei geklärt ist laut Polizei inzwischen, dass es sich bei dem gefundenen toten Jungen um das zwischenzeitlich vermisst gemeldete Baby handelt. Es sei durch einen DNA-Abgleich identifiziert worden, hieß es. Unklar bleibt allerdings auch weiterhin, wie der Junge starb. Wurde er getötet? "Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei dauern an", teilten die Ermittler mit.

Nun versuchen die 13 Experten in der Ermittlungsgruppe "Wagen" Antworten auf die noch offenen Fragen zu finden. Das tote Kind war am Freitag nach einer stundenlangen Suchaktion entdeckt worden. Die Mutter hatte ausgesagt, das Baby sei am späten Abend in einem unbeaufsichtigten Moment aus seinem Kinderwagen verschwunden. Lange Zeit war danach unklar, wo das Kind sein könnte.

Mit Hilfe von speziellen Vermessungen am Fundort der Leiche haben Experten des Landeskriminalamts zuletzt nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein dreidimensionales Modell erstellt. Dadurch können sich mögliche Abläufe rekonstruieren lassen. Zudem werden mehrere Zeugenhinweise ausgewertet. Polizei und Staatsanwaltschaft machen bislang keine Angaben dazu, ob sich die nun verdächtigte Mutter zum Verschwinden des Kindes äußert.

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/news.de/dpa/stg

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