Hochwasser-Warnung nach Unwetter: 9 Verletzte nach Blitzeinschlag, Festival wegen Sturm geräumt

Deutschland ächzt weiter unter tropischer Hitze, die mancherorts für heftige Unwetter sorgte. In Rheinland-Pfalz stiegen die Flusspegel auf Rekordwerte, in Baden-Württemberg wurden mehrere Menschen bei einem Blitzeinschlag verletzt.

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Die tropische Hitze, die Deutschland im Juni 2026 heimsucht, erhöht die Gefahr für Unwetter und Hochwasser. (Foto) Suche
Die tropische Hitze, die Deutschland im Juni 2026 heimsucht, erhöht die Gefahr für Unwetter und Hochwasser. Bild: picture alliance/dpa/Jan Eifert | Jan Eifert

Die Extremhitze hält Deutschland weiter im Würgegriff: Auch am Wochenende vom 20. und 21. Juni ist bundesweit mit schwülheißem Wetter zu rechnen. Der Deutsche Wetterdienst prognostiziert für Samstag tropische Temperaturen zwischen 30 und 38 Grad Celsius, wobei der Südwesten die höchsten Werte erreichen dürfte. "Da können noch höhere Werte kommen", erklärte eine DWD-Sprecherin. Bereits am Freitag kletterte das Thermometer im bayerischen Kitzingen auf 38,5 Grad.

Hitze bringt Unwetter-Chaos in Süddeutschland

Mit der sommerlichen Hitze steigt auch die Gefahr für Unwetter, die in Süddeutschland bereits eine Schneise der Verwüstung hinterlassen haben. Im Rhein-Lahn-Kreis (Rheinland-Pfalz) beispielsweise kam es zu einem seltenen 50-jährlichen Hochwasser. Bei einem Blitzeinschlag auf einem Sportfest in Rastatt (Baden-Württemberg) wurden unterdessen neun Menschen verletzt. Feuerwehren in mehreren Bundesländern rückten zu hunderten Einsätzen aus.

Hochwasser-Alarm im Rhein-Lahn-Kreis: Fluss-Pegel steigen binnen Stunden auf Rekordwerte

Im Rhein-Lahn-Kreis spielten sich am Abend des 19. Juni dramatische Szenen ab. Starkregen ließ die Flüsse Dörsbach, Mühlbach und Aar rasant anschwellen. An der Messstelle beim Kloster Arnstein zeigte sich das Ausmaß: Um 17.00 Uhr lag der Wasserstand des Dörsbachs noch bei 27 Zentimetern, bis 20.45 Uhr schoss er auf 1,96 Meter hoch. Nach vorläufigen Daten handelt es sich um ein sogenanntes 50-jährliches Hochwasser – ein Ereignis, das statistisch nur alle fünf Jahrzehnte auftritt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe warnte zeitweise vor einem Extremhochwasser.

Schwere Unwetter mit Starkregen sind über Teile von Rheinland-Pfalz gezogen – und haben zu schweren Überschwemmungen geführt. Besonders betroffen war der Rhein-Lahn-Kreis. (Foto) Suche
Schwere Unwetter mit Starkregen sind über Teile von Rheinland-Pfalz gezogen – und haben zu schweren Überschwemmungen geführt. Besonders betroffen war der Rhein-Lahn-Kreis. Bild: picture alliance/dpa/Bernd März | Bernd März

Besonders hart traf es die Gegend um Katzenelnbogen. Ein Mittelaltermarkt musste kurzfristig abgesagt werden, ein Zeltlager wurde vorsorglich geräumt. Die Feuerwehr rückte mehr als 60 Mal aus, hauptsächlich wegen überfluteter Straßen und umgestürzter Bäume. Größere Schäden oder Verletzte blieben jedoch aus.

Hitze-Unwetter enden im Krankenhaus: Neun Verletzte durch Blitzschlag bei Sportfest

Auch andere Regionen in Süddeutschland wurde von Unwettern heimgesucht. Bei einem Blitzeinschlag während eines Sportfests im baden-württembergischen Rastatt sind neun Menschen verletzt worden. Sechs von ihnen kamen in ein Krankenhaus, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte. Im Zuge des Handballfests zelteten in der Nacht mehrere Menschen auf einem Sportplatz im Stadtteil Niederbühl, als ein starkes Unwetter über die Region zog. Über die Schwere der Verletzungen lagen zunächst keine Details vor. In Lebensgefahr schwebt den Angaben nach jedoch niemand.

Während des Unwetters schlug ein weiterer Blitz in Münsingen im Landkreis Reutlingen ein und verletzte eine Frau leicht. Sie war laut Polizei im Stadtteil Dottingen auf einem Sportplatz unterwegs gewesen. Der Rettungsdienst brachte sie in ein Krankenhaus.

Vollgelaufene Keller in NRW halten Einsatzkräfte auf Trab

Auch in Nordrhein-Westfalen hielten die Unwetter die Einsatzkräfte auf Trab. In Bergheim im Rhein-Erft-Kreis löste die Feuerwehr "Stadtalarm" aus und bewältigte mehr als 100 Einsätze. Über 120 Feuerwehrleute pumpten vollgelaufene Keller aus, in denen das Wasser teilweise 30 Zentimeter hoch stand.

Die Feuerwehr musste kurz vor dem kalendarischen Sommer vor allem wegen überfluteter Straßen und umgestürzter Bäume etliche Male zu Einsätzen ausrücken, nachdem heftige Unwetter in mehreren Bundesländern tobten. (Foto) Suche
Die Feuerwehr musste kurz vor dem kalendarischen Sommer vor allem wegen überfluteter Straßen und umgestürzter Bäume etliche Male zu Einsätzen ausrücken, nachdem heftige Unwetter in mehreren Bundesländern tobten. Bild: Soeren Stache/dpa/dpa

In Mannheim zählte die Feuerwehr rund 35 Einsätze bis Mitternacht. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, Schienen und beschädigten Fahrzeuge. Mehrere Blitzeinschläge wurden gemeldet – in einem Wohnhaus löste ein Blitz einen Brand aus, als ein Trafo im Keller Feuer fing.

Festival im Norden wird wegen Sturms geräumt - 13 Menschen verletzt

Bei Gewittern und Unwettern ist generell Vorsicht angesagt - besonders aber, wenn sie über Großveranstaltungen unter freiem Himmel hinwegziehen. Am Freitagabend wurde das Southside-Festival im baden-württembergischen Neuhausen ob Eck wegen eines Unwetters unterbrochen. Später durften die 59.000 Besucher und Besucherinnen wieder tanzen und feiern.

Nicht nur im Süden sorgten Unwetter für Chaos: Ein Festival mit rund 5.000 Besuchern in Viöl südlich von Flensburg ist in der Nacht auf den 20. Juni wegen eines Sturms ebenfalls geräumt worden. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, wurden 13 Menschen bei dem Sturm leicht verletzt. Für die Festival-Besucher wurde zwischenzeitlich eine Sammelstelle eingerichtet. Mittlerweile duften die Menschen zurück auf das Gelände.

Das Wetter sorgte in der Nacht vermehrt für Einsätze für die Polizei im Norden Schleswig-Holsteins. Insgesamt musste die Beamten dort 65-mal sturmbedingt ausrücken. Dabei habe es sich hauptsächlich um umgefallene Bäume und herumfliegende Gegenstände gehandelt, berichtete der Sprecher. Weitere Personen wurden demnach nicht verletzt. Im ostfriesischen Moormerland bei Leer musste nach Angaben der Polizei ein Zeltlager mit etwa 300 Kindern geräumt werden. Zusammen mit der Feuerwehr wurden die Kinder nach Hause gebracht oder von ihren Erziehungsberechtigten abgeholt. Alle blieben unverletzt. In mehreren Bundesländern mussten Feuerwehren ausrücken.

Kein Ende der Hitzewelle in Sicht - Temperaturen knallen weiter rauf

Auch am Sonntag, dem kalendarischen Sommeranfang und längsten Tag des Jahres, bleibt es extrem heiß. Der Deutsche Wetterdienst erwartet Höchstwerte zwischen 30 und 39 Grad. Damit könnten die Temperaturen sogar noch über den Freitagswerten liegen. Gleichzeitig drohen weiterhin kräftige Gewitter. Die bisherigen Rekorde wurden allerdings noch nicht gebrochen. Der höchste jemals in Deutschland gemessene Wert stammt vom 25. Juli 2019, als in Tönisvorst und Duisburg-Baerl 41,2 Grad erreicht wurden. Der Juni-Rekord liegt bei 39,6 Grad, gemessen 2019 in Bernburg. Hitzewellen treten durch den Klimawandel häufiger und intensiver auf. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Schwangere und Personen mit Vorerkrankungen.

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