16.04.2021, 09.56 Uhr

Primaten-Embryo mit menschlichen Zellen: Affe-Mensch-Mischwesen im Labor gezüchtet - mit diesem Ziel

Es klingt wie ein Drehbuch zu einem Horrorfilm, doch das Szenario ist Wirklichkeit: Im Labor haben Wissenschaftler aus Spanien, China und den USA ein Mischwesen aus menschlichen Stammzellen und Affen-Embryonen erschaffen. 

Einem internationalen Forscherteam ist es gelungen, ein Mischwesen aus menschliche Stammzellen und Affen-Embryonen zu erschaffen (Symbolbild). Bild: picture-alliance/ dpa | Ralf Hirschberger

In Forschungslabors ist der Wissenschaft schon so manche bahnbrechende Entdeckung gelungen - nun schickt sich auch der spanische Forscher Juan Carlos Izpisua Belmonte an, Wissenschaftsgeschichte zu schreiben. Der Biochemiker, der am Salk Institut für Biologische Studien in Kalifornien forscht und an der Gründung des Zentrums für Regenerative Medizin in Barcelona beteiligt war, wühlt die Wissenschaftswelt aktuell mit einer kontroversen Arbeit auf: Der Spanier hat mit einem internationalen Kollegenteam ein Mischwesen aus Mensch und Affe erschaffen!

Mischwesen aus Mensch und Affe im Labor gezüchtet: Biochemiker Juan Carlos Izpisua stellt Forschungsergebnisse vor

Juan Carlos Izpisua Belmonte hat sich dem Forschungsauftrag verschrieben, neue Moleküle zu entdecken und Gen- und Zellbehandlungen zu konzipieren, die der Vorbeugung und Heilung menschlicher Krankheiten dienen. Der Biochemiker hat sich zum Ziel gesetzt, menschliche Organe in Wirtstieren zu züchten, die dann bei Bedarf transplantiert werden können. Über die jüngsten Errungenschaften des Spaniers ist aktuell unter anderem im "Tagesspiegel" oder bei RTL zu lesen.

Internationales Forscherteam vereint menschliche Stammzellen mit Affen-Embryo

Um seine Forschungen voranzutreiben, tat sich Juan Carlos Izpisua Belmonte, so ist es einer im "Cell"-Fachjournal veröffentlichten Publikation zu entnehmen, mit Forschenden aus China und den USA zusammen. Das Team experimentierte im Labor mit Blastozysten von Javaner-Affen (Macaca fascicularis) und menschlichen pluripotenten Stammzellen, auch als hPSCs bezeichnet. Letztere besitzen die Fähigkeit, sich zu verschiedensten Geweben zu entwickeln. In die Affen-Embryonen wurden Stammzellen des Menschen injiziert, woraufhin sich die Zellen lebensfähig entwickelten, vermehrten und Frühstadien von Organgewebe ausbildeten. Den Forschern gelang es, einige der mit menschlichen Zellen angereicherten Affen-Embryos knapp drei Wochen am Leben zu erhalten - ab dem 15. Tag waren jedoch die meisten Embryonen abgestorben.

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Das versprechen sich die Wissenschaftler von der Mensch-Affe-Forschung

Trotzdem konnte das Wissenschaftsteam einige wertvolle Erkenntnisse für die weitere Forschungsarbeit gewinnen. Wie aus dem im "Cell"-Journal veröffentlichten Artikel hervorgeht, sei bewiesen worden, dass das menschliche Erbmaterial, eingebracht in Affen-Embryonen, in seiner Entwicklung stärker den Affen-Pfad einschlägt. Die im Labor gezüchteten Chimären - also Organismen, die Gewebe aus unterschiedlichem Genmaterial aufweisen - lieferten den Forschern zudem Erkenntnisse darüber, wie sich das Nervensystem in frühen Entwicklungsstadien fortbildet.

Für die Experimente wurden Embryonen der Affenart Macaca fascicularis verwendet. Bild: picture alliance / dpa | David Chang

Ethische Bedenken zu künstlich erschaffenem Mischwesen aus Mensch und Affe

Juan Carlos Izpisua Belmontes Forschungen knüpfen an frühere Versuche an, Genmaterial des Menschen mit solchem von Mäusen oder Schweinen zu vereinen - derartige Experimente brachten jedoch keine lebensfähigen Embryonen hervor. Die nähere genetische Verwandtschaft zwischen Affen und Menschen könnte der Forschung nun neue Wege aufgezeigt haben. Unumstritten sind die Experimente jedoch keinesfalls: Ethische Bedenken, Affen würden in Zukunft als Ersatzteillager für menschliche Organtransplantationen herangezüchtet, werden nicht nur in der Wissenschaft hitzig diskutiert.

Dürfen fragwürdige Gen-Experimente in Deutschland durchgeführt werden?

In Deutschland wären derartige Experimente, so schildet es der Direktor des Instituts für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht an der Universität Mannheim, Jochen Taupitz, im "Tagesspiegel", nur unter massiven Einschränkungen beispielsweise durch das Embryonenschutzgesetz erlaubt. Zudem hätten Ethikkommissionen bei solchen Versuchen ein Wort mitzureden.

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loc/news.de

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