Knollenblätterpilz, Raukopf und Co.: Ein halber Hut reicht zum Sterben – die giftigsten Pilze in Deutschland
Ein Pilzgericht wird zur tödlichen Falle, vermeintliche Pfifferlinge führen zu schwerem Nierenversagen: Giftpilze schreiben immer wieder tragische und erschütternde Geschichten. Im Buch „To Die For" verbindet Jedrzej Golecki mykologisches Wissen mit wahren Kriminalfällen.
Von news.de Redakteurin Anika Bube - Uhr
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- "To Die For" von Jedrzej Golecki präsentiert Giftpilze
- Autor schildert True-Crime-Fälle mit giftigen Pilzen
- Drei der giftigsten Pilze, die in Deutschland wachsen
Der Herbst lockt Pilzsammler in die Wälder. Doch zwischen Steinpilz und Pfifferling lauern auch potenziell tödliche Exemplare. Wie gefährlich eine Verwechslung oder gar der gezielte Einsatz von Giftpilzen sein kann, zeigt das Buch "To Die For" von Jedrzej Golecki. Das Sachbuch verbindet mykologisches Fachwissen mit Kulturgeschichte, wahren Kriminalfällen und kulinarischen Anekdoten.
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"To Die For" von Jedrzej Golecki präsentiert Pilze, die töten
In 17 ausführlichen Porträts stellt Golecki die gefährlichsten Giftpilze vor – darunter den Grünen Knollenblätterpilz, den Spitzgebuckelten Raukopf und den Gifthäubling. Dabei wird deutlich: Pilze sind sowohl Genuss als auch Gefahr. Vom geplanten Giftmord bis zur tragischen Verwechslung durch einen Bestsellerautor reichen die Geschichten, die das Buch erzählt. Ein Überblick über die drei tödlichsten Arten in deutschen Wäldern.
Grüner Knollenblätterpilz: Ein halber Pilzhut reicht zum Sterben
Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) ist Deutschlands tödlichster Pilz. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung gehen rund 80 Prozent aller tödlich verlaufenden Pilzvergiftungen hierzulande auf sein Konto. Bereits ein halber Hut kann für einen Erwachsenen lebensbedrohlich werden. Verantwortlich dafür sind Amatoxine, allen voran α-Amanitin. Der Giftstoff blockiert in den Zellen die Herstellung lebenswichtiger Proteine – Organe verlieren nach und nach ihre Funktion. Besonders heimtückisch: Die Vergiftung verläuft in drei Phasen. Erst nach acht bis zwölf Stunden setzen Erbrechen, Krämpfe und Durchfall ein. Dann folgt eine trügerische Besserung, während das Gift bereits Leber und Nieren zerstört. In der letzten Phase drohen Leberversagen, Koma und Multiorganversagen. Zusätzlich gefährlich: Der Pilz schmeckt weder bitter noch auffällig.
Wie gezielt der Grüne Knollenblätterpilz als Waffe eingesetzt werden kann, zeigt der Fall Erin Patterson. Am 29. Juli 2023 lud die Australierin ihre Schwiegereltern Don und Gayle Patterson sowie Tante Heather und Onkel Ian Wilkinson zum Mittagessen ein. Serviert wurde Beef Wellington – für jeden Gast eine eigene Portion. Drei der vier Gäste starben, Ian Wilkinson überlebte dank einer Lebertransplantation. Die Ermittler fanden auf einem entsorgten Dörrautomaten Sporen des Knollenblätterpilzes sowie Erins Fingerabdrücke. Auf ihrem zurückgesetzten Handy sicherte die Polizei ein Foto, das das Abwiegen von Pilzhüten zeigte. Ihr Bewegungsprofil führte zu Fundstellen der Giftpilze. Am 7. Juli 2025 sprach eine Jury am Supreme Court of Victoria Patterson des dreifachen Mordes und des versuchten Mordes schuldig. Sie erhielt dreimal lebenslänglich plus 25 Jahre Haft.
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Spitzgebuckelter Raukopf: Das Gift greift die Nieren an
Dass Giftpilze nicht nur Mördern, sondern auch ahnungslosen Naturliebhabern zum Verhängnis werden, musste Bestsellerautor Nicholas Evans am eigenen Leib erfahren. Während eines Aufenthalts auf dem schottischen Altyre Estate sammelte er vermeintliche Pfifferlinge und briet sie für sich und seine Frau in Butter. Tatsächlich handelte es sich um Spitzgebuckelte Rauköpfe (Cortinarius rubellus), deren Nierengift Orellanin erst nach Tagen bis Wochen Symptome auslöst. "Ich hörte völlig auf zu pinkeln. Ich hatte regelmäßig Träume vom Pinkeln, wachte auf und dachte, ich sei geheilt", beschrieb Evans seinen Zustand. Beide Eheleute erlitten schwere Nierenschäden und benötigten tägliche Blutdialysen, bis sie schließlich durch Spendernieren gerettet wurden. Dass die Kinder am Tisch die Pilze nicht probieren wollten, nannte Evans im Rückblick "einen Segen".
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Fliegenpilz: Giftstoffe mit Wirkung auf das Nervensystem
Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) mit seinem leuchtend roten Hut und den weißen Tupfen ist wohl jedem ein Begriff – doch kaum jemand weiß, wie kontrovers er tatsächlich ist. Er enthält Ibotensäure, die im Körper zu Muscimol umgewandelt wird und das sogenannte Pantherina-Syndrom auslöst: Übelkeit, Krämpfe, Halluzinationen und schließlich einen komatösen Schlaf, der bis zu einem Tag anhalten kann.
In der japanischen Bergregion um Ueda wurden Fliegenpilze traditionell abgekocht, monatelang eingesalzen und dann in Misosuppe gegessen. Diese überlieferte Praxis ist jedoch kein Beleg dafür, dass der Pilz durch solche Verfahren zuverlässig ungefährlich wird. Von eigenen Experimenten mit vermeintlichen Entgiftungsmethoden ist dringend abzuraten. Wie Golecki in "To Die For" beschreibt, ist diese Tradition heute jedoch nahezu ausgestorben.
Generell gilt: Nur wer einen Pilz zweifelsfrei als essbar bestimmen kann, sollte ihn mitnehmen. Bei Beschwerden nach einer Pilzmahlzeit – auch wenn sie bereits Tage zurückliegt – ist sofort ärztliche Hilfe oder ein Giftinformationszentrum zu kontaktieren.
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Buchtipp: "To Die For"
Autor: Jedrzej Golecki
Verlag: Kosmos Verlag, 2026
Seitenzahl, Buchart: 216, Hardcover
Preis: 26,00 Euro
ISBN: 978-3-440-18321-2
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bua/hos/news.de
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