Ivermectin gegen Viren: Diesen Hantavirus-Mythos sollten Sie lieber nicht glauben
Immer wieder wird in den sozialen Medien behauptet, dass Ivermectin gegen das kürzlich ausgebrochene Hantavirus schützen soll. Die Erklärung dafür mag zunächst korrekt klingen, lässt sich allerdings schnell entkräften.
Von news.de-Redakteur Felix Schneider - Uhr
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- Das Gerücht, Ivermectin könne vor dem Hantavirus schützen, verbreitet sich online
- Frühere Hinweise auf antivirale Effekte bedeuten nicht, dass es gegen das Hantavirus schützt
- Eine eigenmächtige Einnahme von Ivermectin kann zu schweren Nebenwirkungen führen
Mehr Infos rund um das Hantavirus finden Sie am Ende dieses Beitrags.
Online verbreitet sich die Behauptung, dass das Entwurmungsmittel Ivermectin vor Ansteckung mit dem Hantavirus helfe. Trotz fehlender klinischer Beweise für die Wirksamkeit des Mittels gegen Hantaviren wird es immer empfohlen. Auch Personen der Öffentlichkeit, etwa die Ex-Trump-Unterstützerin Marjorie Taylor Greene, behaupten, dass das Medikament eine Ansteckung verhindern könne. Was steckt hinter dem Gerücht?
Welche Erklärung steckt hinter der Anwendung des Medikaments?
Der jüngste Ausbruch eines neuartigen Virenstamms des Andes-Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" hat eine erneute Diskussion um das Medikament Ivermectin angefacht - zuletzt wurde es in der Corona-Zeit immer wieder als möglicher Schutz gegen das Virus empfohlen. Der Grund: Das ursprünglich für die Bekämpfung von parasitären Infektionen - unter anderem auch bei Pferden - gedachte Mittel zeigt im Labor antivirale Eigenschaften. So kann Ivermectin bestimmte Transportproteine der Zellen hemmen, welche einige Viren nutzen, um ihre RNA in den Zellkern zu bringen.
Studien zeigen: Mittel wahrscheinlich wirkungslos
Allerdings ist auch bekannt, dass diese Wirkung sich bislang nur bei in vitro Versuchen belegen ließ - bei Tierversuchen, etwa mit Rhesusaffen, schlug die Behandlung hingegen nicht an.Heute zeigen Studien: Das Mittel war wahrscheinlich sogar vollkommen wirkungslos im Kampf gegen Covid-19. Dennoch empfiehlt unter anderem die ehemalige Kongressabgeordnete und Trump-Verbündete Marjorie Taylor Greene das Medikament auf X als Hantavirus-Schutz - inklusive Vitamin D und Zink.
I actually texted her today and asked what can we treat hantavirus with. I’m so glad she posted it.
— Former Congresswoman Marjorie Taylor Greene???????? (@FmrRepMTG) May 6, 2026
Ivermectin.
Also vitamin D and zinc.
Those of us who refused to lockdown, mask up, and get vaxxed took the good ole horse paste and also developed natural immunity. https://t.co/m3mag0hhBm
"Diejenigen von uns, die sich weigerten, sich einzuschränken, Masken zu tragen und sich impfen zu lassen, haben die gute alte Pferdepaste (= Ivermectin, Anm. d. Red.) genommen und ebenfalls eine natürliche Immunität entwickelt", so Taylor Greene auf X.
Warum Ivermectin nicht beim Hantavirus wirkt
Das größte Argument, das gegen diese Empfehlung spricht, ist der Mechanismus, durch den sich das Hantavirus vermehrt. Während die meisten Viren tatsächlich über die Transportproteine versuchen, in den Zellkern zu gelangen, funktioniert das Hantavirus anders. Das Virus gelangt hier in die Zelle, wird dort bereits "ausgepackt" und vermehrt sich dann im Zytoplasma. Das bedeutet, dass es gar nicht erst dafür in den Zellkern gelangen muss - wodurch der Wirkmechanismus des Ivermectins auch nicht mehr greift.
Nebenwirkungen von Ivermectin
Wer das Medikament in größeren Mengen oder besonders häufig nutzt, geht weiterhin das Risiko folgenschwerer Nebenwirkungen ein. So kann Ivermectin über längere Zeiträume hinweg mehrere Beschwerden verursachen:
- Leberfunktionsstörungen einschließlich akuter Hepatitis, Hyperbilirubinämie und Hämaturie
- Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe
- Asthenie, Schwindel, Somnolenz, Vertigo, Tremor
- Sehr selten schwere Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom
Eine Einnahme, ohne dass diese auf ärztlichen Rat erfolgt, ist daher aus gesundheitlichen Gründen nicht zu empfehlen.
Dieser Artikel wurde nach umfassender Recherche erstellt und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Im Notfall sollten Sie immer einen Mediziner oder den Rettungsdienst um Hilfe bitten.
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sfx/ife/news.de
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