Frisch zugelassenes Medikament: Neue Therapie kann Entwicklung von Typ-1-Diabetes bremsen

Ein 22-Jähriger wurde mit Typ-1-Diabetes diagnostiziert. Sein Arzt hatte den auffälligen Blutzucker früh bemerkt. Doch der junge Mann hat Glück: Ein neues Medikament könnte ihm Jahre ohne Insulin-Spritzen schenken. 

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Bei Typ-1-Diabetes müssen Betroffene dauerhaft ihren Blutzuckerwert im Auge behalten. (Foto) Suche
Bei Typ-1-Diabetes müssen Betroffene dauerhaft ihren Blutzuckerwert im Auge behalten. Bild: AdobeStock / Halfpoint
  • Das Diabetes-Medikament Teplizumab wurde kürzlich in der EU zugelassen
  • Im Universitätsklinikum Essen sammelt erste Erfahrungen mit dem Mittel
  • Die Kosten für Teplizumab sind hoch - knapp 14.000 Dollar kostet eine Ampulle

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Eine vollständige Heilung für Typ-1-Diabetes gibt es nicht. Doch seit diesem Jahr wurde ein neues Medikament in Deutschland zugelassen, das bei früher Entdeckung der Krankheit helfen könnte. Das Universitätsklinikum Essen sammelt derzeit erste Erfahrungen mit dem Mittel namens Teplizumab. Ihr erster Patient: Ein junger Mann, dessen Diabetes noch früh genug für die Therapie erkannt werden konnte. Das Medikament soll ihm mehrere Jahre ohne Insulinspritzen geben.

Klinikum testet neues Medikament für Diabetiker

22 Jahre alt ist der junge, sportliche Mann, als sein Arzt ihm nach einer Routineuntersuchung die Diagnose Typ-1-Diabetes ausstellt. Dem Mediziner fiel ein leicht erhöhter Nüchternzucker auf - auch der Langzeitzucker war mit 6,2 Prozent auffällig. Er übergibt den Fall an das Uniklinikum Essen. Dort soll ihm weitergeholfen werden. "Die Diagnose ist ein Prädiabetes und das bei einem jungen, sportlichen, schlanken Mann – so etwas ist untypisch!", so Dr. Annie Mathew, Diabetologin am Uniklinikum, gegenüber "Bild". Der Patient bekommt das frisch von der EU-Kommission zugelassene Teplizumab, welches den Ausbruch der Erkrankung verzögern soll. Laut "Apotheken Umschau" beträgt die dadurch gewonnene Zeit etwa 25 Monate. Je nach Fall kann dies allerdings variieren.

Teplizumab verzögert Ausbruch von Diabetes

Dass die Erkrankung bei dem 22-Jährigen überhaupt frühzeitig festgestellt wurde, ist eine Seltenheit. Die Erkrankung läuft in drei Stadien ab – viele Patienten kommen erst in Behandlung, wenn die Erkrankung schon weiter fortgeschritten ist. "Normalerweise fallen die meisten Patienten mit Typ-1-Diabetes gar nicht im Stadium 2 auf, sondern erst im Stadium 3", erklärt Dr. Mathew. Ab dem dritten Stadium beginnt dann der Kreislauf aus chronischer Über- und Unterzuckerung.

Doch der junge Mann hat Glück gehabt: Teplizumab setzt exakt im zweiten Stadium an. Wie Dr. Mathew erklärt, sei das ständige Spritzen von Insulin nicht nur eine Therapie, sondern eine lebenslange und für den Patienten teils stark belastende Verantwortung im Alltag. Die 25 Monate, die Teplizumab Patienten ohne Insulin geben kann, wirken wenig, sind aber wichtig, da die Lebensqualität so länger aufrechterhalten werden kann. Auch könnte das Medikament weniger Folgeschäden für die Betroffenen bedeuten.

Kosten für die Therapie sind immens

Die Kosten für die Therapie sind allerdings nicht ohne. In den USA kostet allein eine Ampulle laut Untersuchungen knapp 14.000 Dollar, eine Ration für vierzehn Tage fast 200.000 Dollar. Auch hierzulande könnte sie ähnliche Kosten für die Betroffenen bedeuten. Dank der Krankenkasse konnte die Uniklinik jedoch immerhin einen Teil ihrer Kosten decken. Damit seien zwar noch längst nicht alle Kosten beglichen, wie Mathew erklärt, doch aktuell sei es auch im Interesse der Uniklinik, mit dem neuen Medikament erste Erfahrungen sammeln zu können. Im langfristigen Verlauf würden sich die Kosten für das Gesundheitssystem zudem wieder ausgleichen, da Teplizumab Folgekomplikationen verhindern könne.

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