05.07.2015, 14.27 Uhr

Bundesinstitut warnt: Reiswaffeln extrem mit giftigem Arsen verseucht

Reiswaffeln gelten als gesunder Snack - gerade auch für Babys. Doch jetzt rät auch ein Bundesinstitut dazu, den Nachwuchs nur ab und zu daran knabbern zu lassen. Der Grund ist äußerst giftig: In den Waffeln steckt Arsen.

Reiswaffeln gelten eigentlich als gesunder Snack Bild: picture alliance / dpa | Patrick Pleul

Reiswaffeln gehören für viele Kleinkinder zur täglichen Ernährung. Aber die beliebte, weil ungesüßte, fett- und kalorienarme Zwischenmahlzeit hat es in sich: In der angeblich gesunden Waffel steckt Arsen. Das ist zwar seit längerem bekannt. Doch nun zeigt sich: Der Anteil von giftigem anorganischen Arsen in Reiswaffeln und Reisbrei oft sogar noch sehr viel höher ist als im puren Reiskorn selbst.

Hohe Konzentration Arsen in Reiswaffeln

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät, Reisprodukte nur in Maßen und als Teil einer ausgewogenen Ernährung zu essen. Für Babys und Kleinkinder sollten Reiswaffeln und Reisbrei nur gelegentlich auf dem Speiseplan stehen.

"Die Gründe für die höheren Gehalte in bestimmten Reisprodukten im Vergleich zu Reiskörnern müssen aufgeklärt werden", sagt BfR-Präsident Prof. Andreas Hensel. Das Institut veröffentlichte jüngst entsprechende Stellungnahmen, nachdem Überwachungsbehörden der Bundesländer auf die erhöhten Mengen anorganischen Arsens in Reis- und Reisprodukten gestoßen waren.

Schwere Vergiftungen durch Arsen in Lebensmitteln

Während organische Verbindungen des Halbmetalls, wie sie etwa in Fischen und Meeresfrüchten vorkommen, als gesundheitlich unproblematisch gelten, können anorganische Verbindungen in größeren Mengen zu akuten Vergiftungen führen. Frühe Anzeichen dafür sind Bauchkrämpfe oder Durchfälle. Die chronische Aufnahme kleinerer Mengen kann Nerven und Gefäße schädigen, auch birgt sie ein erhöhtes Krebsrisiko.

"Da anorganische Arsenverbindungen als krebsauslösend für den Menschen klassifiziert sind, sollten Lebensmittel davon nur so wenig wie möglich erhalten", sagt Hensel. Das ist wichtig, weil auch weitere, viel verzehrte Nahrungsmittel vom Trinkwasser bis zur Milch winzige Mengen des giftigen Stoffes enthalten.

Krebserregend!Arsen im Körper ist gefährlich

 

Höchstwerte für Arsen ab 2016

Deshalb geht es nun um Höchstwerte, die ab Anfang 2016 laut EU-Beschluss auf europäischer Ebene eingeführt werden sollen: 0,2 Milligramm Arsen pro Kilogramm Reis sollten nach Ansicht des BfR dabei nicht überschritten werden, wenn Erwachsene den Reis verzehren. Für Babys und Kleinkinder findet das Institut aber selbst den avisierten Höchstwert von 0,1 Milligramm Arsen pro Kilo Reisprodukt noch zu hoch - und empfiehlt deshalb, die Minis nicht ausschließlich auf Basis von Reis, Reismilch oder Reisbrei zu ernähren. Eine akute Gesundheitsbeeinträchtigung sei bei den gemessenen Konzentrationen derzeit zwar für alle Bevölkerungsgruppen unwahrscheinlich, konstatiert das BfR. Dennoch: "Für die krebsauslösende Wirkung von anorganischem Arsen lässt sich keine sichere Aufnahmemenge definieren." 

Die mittlere Konzentration für weißen Reis liegt in Deutschland nach BfR-Angaben bei 0,1 Milligramm Arsen pro Kilogramm Reis, es seien aber auch schon 0,2 Milligramm gemessen worden. Bei Reiswaffeln und -flocken seien die Werte insgesamt etwas höher. Auch der braune Vollkornreis enthalte etwas mehr Arsen als weißer, bei dem die Randschichten weitgehend entfernt sind.

Belastung von Bio-Produkten

Die Frage ist nun: Sind Bioprodukte ebenso belastet? Das BfR kann keine Aussagen dazu machen, ob ökologisch produzierte Produkte weniger Arsen enthalten als konventionell hergestellte. Die Zeitschrift Ökotest hingegen testete schon mehrfach Reiswaffeln beiderlei Herkunft - und Ökoprodukte schnitten keineswegs besser ab. "Die festgestellten Arsengehalte sind bedenklich, denn anorganisches Arsen ist als krebserregend eingestuft und Kleinkinder essen enorm viel im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht", sagte die Lebensmitteltoxikologin Prof. Tanja Schwerdtle (Uni Münster) zu den Testergebnissen.

Auch die Hersteller sehen das Problem. "Wir begrüßen es grundsätzlich, dass das BfR Empfehlungen ausgesprochen hat und die EU-Kommission mittlerweile Grenzwerte festgelegt hat, an denen sich die Hersteller orientieren können", sagt Peter Röhrig, Geschäftsführer beim Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, in dem zahlreiche Bioverbände zusammengeschlossen sind. Er sieht die Grenzwerte für den Vollkornreis jedoch zu streng gezogen.

Mit Blick auf derzeitige Ernährungstrends, die weg vom "bösen", gluten-haltigen Weizen gehen, gewinnt die Verzehreinschränkung für Reis auch für Erwachsene an Relevanz. Menschen, die Weizen meiden oder an Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) leiden, sollten deshalb nicht eingleisig auf Reis ausweichen, empfiehlt das BfR. Daneben sollten auch andere glutenfreie Getreidearten wie Mais, Hirse, Buchweizen oder Amaranth auf dem Speiseplan stehen. Reis sollte jedoch weiter zu einer abwechslungsreichen Ernährung gehören.

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bua/news.de/dpa

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