Fernzug-Aus für 16 Städte: Schnellzüge nur noch für Metropolen, Warten für den Rest

Wettbewerb sorgt für Innovation und Wohlstand? Nicht bei der Deutschen Bahn, scheint es. Der geplante Einstieg des italienischen Bahnunternehmens Italo in den deutschen Markt könnte für Bahnkunden bittere Folgen haben. Ein Kommentar.

Von news.de-Redakteur - Uhr

Auch mehrere deutsche Großstädte müssen um ihre Fernstrecken-Anbindungen bangen. (Foto) Suche
Auch mehrere deutsche Großstädte müssen um ihre Fernstrecken-Anbindungen bangen. Bild: picture alliance/dpa | Annette Riedl
  • Aufgrund des Einstiegs von Italo droht der DB das Fernstrecken-Geschäft wegzubrechen
  • Kleinere Städte sind inzwischen ohnehin kaum noch an den Fernverkehr angebunden
  • Das Problem ist jedoch nicht die Konkurrenz, sondern die Marktlogik der Deutschen Bahn

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Es ist Samstag: Ich fahre mit der Bahn in die Heimat, mein Vater feiert seinen Geburtstag nach. Soll heißen: Ich wäre eigentlich jetzt losgefahren, aber die S-Bahn hat Verspätung. Zunächst fünf, dann zehn, irgendwann sind es 20 Minuten, die ich vergeblich auf die Bahn warte. Schließlich kommt sie dann doch - nur leider so spät, dass ich meinen Anschluss definitiv nicht mehr schaffe. Also warte ich auf die nächste Bahn - die sich natürlich ebenfalls verspätet. Ein Bahnmitarbeiter, der neben mir am Gleis wartet, schüttelt genervt den Kopf.

Die Bahn kommt endlich, danach geht es weiter mit einem weiteren Anschluss - und danach noch fast bis ganz nach Hause mit dem Ersatzverkehr. Kurzum: Ich verbringe den halben Tag damit, auf Züge zu warten.

Meine Fahrt ist nur die Spitze des Eisbergs - tagtäglich zeigt sich, wie brüchig Bahnverbindungen werden, sobald man nicht direkt an einem großen Fernverkehrsknoten wohnt. Genau diese Unsicherheit könnte nun Städte treffen, die bislang verlässlich an den Fernverkehr angebunden sind.

Abseits der ICE-Knoten hängt alles am Anschluss

Warum ich nicht IC oder ICE fahre? Die gibt es für kleinere Städte praktisch kaum - trotz gut gemeinter Bemühungen der Deutschen Bahn, ihr Fernverkehr-Angebot auszuweiten. Das Vorhaben leidet vor allem unter dem maroden und überlasteten Schienennetz, an dem nun pausenlos gebaut wird. Und die Fernstrecken, die bereits bestehen? Ausgerechnet auf den profitabelsten Strecken droht nun neuer Druck durch einen Konkurrenten.

Das italienische Zugunternehmen Italo will ab 2028 mit 30 Schnellzügen auf zwei höchst profitablen deutschen Strecken verkehren. Im Stundentakt sollen Züge zwischen München, Stuttgart und Dortmund sowie zwischen München, Berlin und Hamburg fahren. Das könnte dazu führen, dass die DB dann selbst weniger ICE und IC-Züge auf diesen Strecken verkehren lassen kann - aus Sicht der DB drohen dadurch Verbindungen und damit auch Einnahmen wegzubrechen.

Zu den betroffenen Strecken zählen laut "Bild" insgesamt 16 Städte mit teils bis zu 50 Fernverbindungen pro Tag - darunter Chemnitz, Freiburg, Saarbrücken und Augsburg. Keine Provinzen, sondern Städte, in denen Hunderttausende auf stabile Fernverbindungen angewiesen sind.

Fernverkehr darf nicht nur nach Profitlogik funktionieren

Aber: Das eigentliche Problem ist gar nicht Italo - der Konzern handelt lediglich der Wettbewerbslogik des Marktes entsprechend. Das eigentliche Problem ist eine Bahnpolitik, die seit Jahrzehnten so tut, als könne ein Staatskonzern gleichzeitig Rendite liefern, marode Infrastruktur sanieren und auch noch die Fläche anbinden. Das kann nicht funktionieren. Wer die Bahn auf Gewinn trimmt, darf sich nicht wundern, wenn sie irgendwann vor allem dort fährt, wo Gewinn zu holen ist.

Fernverkehr ist aber keine beliebige Dienstleistung. Ein ICE-Halt entscheidet darüber, ob eine Stadt erreichbar bleibt, ob Menschen ohne Auto mobil sind, ob Familien, Studierende, Unternehmen und Pendler Anschluss behalten. Schienenverkehr ist deshalb nicht nur ein Markt, sondern Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Und als solche muss er auch gesteuert werden - statt ihn der Gewinnlogik eines Staatskonzerns und der Rosinenpickerei privater Wettbewerber zu überlassen.

Immerhin: Ich kam am Samstag noch an. Deutlich später als gedacht, genervt und hundemüde. Für einen Familienbesuch ist das vielleicht ärgerlich. Für ein Land, das Menschen langfristig zum Umstieg auf die Schiene bewegen will, ist das eine insgesamt ziemlich traurige Bilanz.

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