Entscheidungslosigkeit kostet Menschenleben: Darum ist die Widerspruchslösung bei der Organspende längst überfällig

Die Widerspruchslösung bei der Organspende ist längst überfällig: Sie wahrt die Selbstbestimmung, entlastet Angehörige und kann Leben retten. Deshalb verdient ein aktueller Vorstoß von Ricarda Lang breite Unterstützung. Ein Kommentar.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Die Widerspruchslösung könnte die pragmatische Antwort auf ein drängendes Problem sein. (Foto) Suche
Die Widerspruchslösung könnte die pragmatische Antwort auf ein drängendes Problem sein. Bild: AdobeStock/ Alexander Raths
  • Kommentar: Widerspruchslösung bei der Organspende längst überfällig
  • Entscheidungslosigkeit kostet Menschenleben
  • Menschen müssen zu aktiver Entscheidung bewegt werden
  • Ricarda Lang und Gitta Connemann setzen sich für Widerspruchslösung ein

In Deutschland warten jedes Jahr Tausende Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Doch viele von ihnen werden nie eines erhalten. Denn es fehlt an Spenderorganen. Dabei zeigen Umfragen seit Jahren, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung der Organspende grundsätzlich positiv gegenübersteht. Doch zwischen der grundsätzlichen Bereitschaft, ein Organ zu spenden, und der tatsächlichen Entscheidung für die Organspende klafft noch immer eine Lücke.

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Die Widerspruchslösung als einfache Antwort auf ein drängendes Problem

Genau hier setzt die Widerspruchslösung an, für die sich Ricarda Lang und Gitta Connemann aktuell stark machen. Der Kern der Idee ist einfach: Wer nicht ausdrücklich widerspricht, gilt als potenzieller Organspender. Niemand wird gezwungen, Organe zu spenden. Das Selbstbestimmungsrecht bleibt vollständig erhalten. Die Entscheidung wird lediglich umgedreht. Statt aktiv zustimmen zu müssen, muss aktiv widersprochen werden.

Entscheidungslosigkeit bei der Organspende kostet Menschenleben

Gerade bei der Organspende erscheint dieses Prinzip sinnvoll. Denn viele Menschen schieben die Entscheidung vor sich her, bis es schließlich zu spät ist. Nicht aus Ablehnung, sondern aus Bequemlichkeit oder Unsicherheit. Die Folge ist, dass Angehörige schließlich entscheiden müssen, was der Verstorbene gewollt hätte. Familien würden also durch die Widerspruchslösung entlastet, da die Entscheidung bereits zu Lebzeiten getroffen oder bewusst nicht getroffen wurde.

Widerspruchslösung muss von umfassender Aufklärung begleitet werden

Dennoch hat das Modell auch Tücken. So besteht die Gefahr, dass manche Menschen sich nicht ausreichend informieren. Andere wiederum verstehen die Regelung möglicherweise nicht oder vergessen, ihren Widerspruch zu dokumentieren. Weshalb die Widerspruchslösung nicht einfach per Gesetz eingeführt und anschließend sich selbst überlassen werden darf. Sie muss von umfassender Aufklärung begleitet werden. Der Widerspruch muss unkompliziert, kostenlos und jederzeit möglich sein. Nur dann bleibt die Selbstbestimmung gewahrt.

Widerspruchslösung wahrt die Selbstbestimmung und entlastet Angehörige

Trotz dieser Einwände überwiegen die Vorteile. Denn die Widerspruchslösung respektiert die individuelle Freiheit, erleichtert klare Entscheidungen und erhöht die Chance, dass mehr Organe für schwer kranke Menschen zur Verfügung stehen. Sie verlangt niemandem eine bestimmte Haltung ab. Sie verlangt lediglich, dass jeder einmal Stellung bezieht - sei es durch Zustimmung oder durch Widerspruch.

In einer alternden Gesellschaft, in der medizinische Möglichkeiten Leben retten können, ist das ein zumutbarer und vernünftiger Schritt. Der Vorstoß von Ricarda Lang und Gitta Connemann verdient deshalb breite Unterstützung. Nicht weil er alle Probleme löst, sondern weil er eine pragmatische Antwort auf ein drängendes Problem bietet: den Mangel an Spenderorganen und die oft folgenreiche Entscheidungslosigkeit vieler Menschen.

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