16.06.2020, 10.41 Uhr

Altervorsorge in Deutschland: Renten-Ärger! Länger arbeiten, weniger Geld - DAS droht jetzt

Neueste Zahlen über die Renten-Situation in Deutschland sorgen für Aufregung. Laut einer Statistik müssen Arbeitnehmer länger arbeiten und bekommen aber nicht mehr so lange Geld. Dieses Problem will jetzt die Politik lösen. 

Viele Arbeitnehmer gehen später in Rente und bekommen weniger Geld. (Symbolfoto) Bild: Adobe Stock/ bilderstoeckchen

Was wird einmal aus meiner Rente? Die Absicherung im Alter bewegt nicht nur die 21 Millionen Ruheständler, Stand jetzt. Die große Koalition kämpfte schon monatelang um die Grundrente, die Geringverdienern zugutekommen soll. Und auch insgesamt sind die Rentenfinanzen bis 2025 stabilisiert. Doch was kommt danach? Da geht es um heikle Fragen, weshalb die Bundesregierung erst einmal eine Kommission einsetzte. Nach knapp zwei Jahren listen die Experten nun auf, welche Stellschrauben sinnvoll wären. Heiße Eisen wie ein noch längeres Arbeiten als bis 67 Jahre fassen aber auch sie nicht an.

Rente in Deutschland! Sinkendes Rentenniveau und weniger Geld für Senioren

Trotzdem steigt das Renteneintrittsalter an und die Dauer des Rentenbezugs ist erstmals seit 2011 gesunken. Das bedeutet: Senioren müssen sich auf weniger Geld einstellen. Das belegt eine Statistik der deutschen Rentenversicherung für das Jahr 2019. So gingen im letzten Jahr Arbeitnehmer durchschnittlich mit62,34 Jahren in Rente.Männer traten ihr Leben als Ruheständler im Schnitt mit 62,16 Jahren an (2018: 61,94 Jahre) und Frauen schieden mit 62,51 Jahren aus dem Arbeitsleben aus (2018: 62 Jahre). Im Vergleich wurden die Rentenzahlungen viel kürzer gezahlt: Rentner, die 2019 starben, erhielten bis zu ihrem Tod 19,95 Jahre lang ihre Bezüge.

Das liegt an einer Erhöhung des Renteneintrittsalters. Die vormals festgelegte Grenze von 65 Jahren erhöht sich pro Jahr um einen Monat. "Die Menschen leben länger und deshalb ist es auch klar, dass das Renteneinstiegsalter angehoben werden muss", erzählt Peter Bofinger (65), Ex-Chef der Wirtschaftsweisen und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg gegenüber der "Bild"-Zeitung. Trotzdem spricht er sich gegen die von der Politik geforderte Rente ab 69 bis 2040 aus.

Rente mit 67? Katja Suding (FDP) ist dagegen

Bislang ist eine Rente mit 67 im Gespräch. Das ist für FDP-Fraktionsvize Katja Suding (44) keine Option: "Wir müssen den Menschen die Freiheit geben, selbst darüber zu entscheiden, wann sie aus dem Berufsleben ausscheiden wollen. Wer, mit Abschlägen, schon früher in die Rente gehen möchte, sollte das tun können – und wer mit 70 noch arbeiten möchte, darf nicht daran gehindert werden."

Wie will die Politik die Rente sichern?

Was plant die Experten-Komission, um die Rente zu sichern? Die Experten empfehlen weiterhin "Haltelinien". Da ist eine nach unten beim Rentenniveau. Es zeigt, wie sich eine Standardrente nach 45 Beitragsjahren zum Entgelt eines Durchschnittsverdieners verhält. Sinkt es, heißt das also nicht, dass die individuell gezahlte Rente sinkt - sondern dass sie langsamer steigt als die Verdienste. Bis 2025 soll es bei mindestens 48 Prozent gehalten werden - danach aus Sicht der Kommission zwischen mindestens 44 Prozent und 49 Prozent. Sie rät bei Berechnungen zudem zu einer neuen Bezugsgröße zum Schutz der Rentner, die den Abstand einer verfügbaren Standardrente zum durchschnittlichen Bedarf der Grundsicherung im Alter anzeigt.

Was ist mit den Renten-Beiträgen?

Eine "Haltelinie" sollte es auch bei den Beiträgen weiter geben, raten die Experten - aber nach oben. Aktuell liegt der Satz bei 18,6 Prozent des Bruttolohns, wobei die Hälfte der Arbeitgeber trägt. Schon beschlossen ist, dass bis 2025 die 20-Prozent-Marke nicht überschritten werden soll. Für danach empfiehlt die Kommission nun einen Korridor von 20 bis maximal 24 Prozent und ebenfalls eine neue Bezugsgröße für künftige Festlegungen: Mit in den Blick sollen als Schutz der Beitragszahler die gesamten Sozialversicherungsbeiträge und außerdem noch gesetzlich vorgeschriebene Vorsorgeaufwendungen.

Rente aktuell! Was soll sich bei der privaten Vorsorge tun?

Nicht nur von Verbraucherschützern kommt seit Längerem Kritik an Riester-Verträgen, von denen eher die Finanzbranche profitiere. Da private wie betriebliche Vorsorge stagnieren, sieht die Kommission ebenfalls Handlungsbedarf - aber im bestehenden Rahmen. Sie schlägt vor, Förderinstrumente zu verstärken. Für Riester-Verträge könnte eine staatliche Online-Plattform für provisionsfreie Angebote kommen. Die Lösungsvorschläge blieben auf halber Strecke stehen, monierten aber die Verbraucherzentralen, die für eine staatlich organisierte "Extrarente" als kostengünstigere Riester-Alternative trommeln.

Lesen Sie auch: Fettes Plus! DIESE Neu-Rentner haben nun mehr Geld auf dem Konto

Wie einig war sich die Kommission?

In dem Gremium saßen Vertreter von Arbeitgebern und Gewerkschaften und Wissenschaftler - aber auch Fachpolitiker der Koalition. Auch deswegen ging es um so etwas wie einen Minimal-Konsens. Es wird schon als Erfolg bewertet, dass überhaupt ein gemeinsames Papier zustande kam - wenn auch mit Sondervoten. So wendet sich der Rentenexperte Axel Börsch-Supan gegen die Empfehlung des Berichts, nicht über ein Anheben der Regelaltersgrenze über 67 Jahre hinaus zu entscheiden - dieses Aufschieben sei nicht im Interesse der betroffenen Menschen.

Wie sind die Reaktionen über die Renten-Diskussion?

Richtig zufrieden ist eigentlich kaum jemand, ob Gewerkschaften, Sozialverbände oder Arbeitgeber. Von einer "Farce" sprach Ulrich Schneider vom Paritätischen Gesamtverband. Die Vorschläge seien zaghaft, an heiße Eisen habe man sich nicht herangetraut, etwa ein Einbeziehen von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung. Die Gewerkschaften forderten, die Haltelinie beim Rentenniveau müsse bei 48 Prozent bleiben, sonst drohten soziale Härten für Geringverdiener. Die Arbeitgeber wiederum warnten vor steigenden Beitragssätzen.

Wie geht es nun weiter in der Renten-Frage?

Sozialminister Hubertus Heil kündigte bis Herbst konkrete Vorschläge an und will noch bis zur Bundestagswahl 2021 Weichen für die Zeit nach 2025 stellen. "Ich kenne eigentlich keine Oma, die ihrem Enkel die Zukunft verbauen will. Und ich kenne auch keinen Enkel persönlich, der seiner Oma nicht 'ne ordentliche Rente gönnt", sagte der SPD-Mann. Viel Zeit für eine Großoperation ist aber nicht mehr. Die Union griff direkt auf, Verbesserungen bei der Privatvorsorge anzugehen. Dazu kommt: Niemand weiß, welche Folgen die Corona-Krise hat. Rentenpräsidentin Gundula Roßbach nannte die Vorschläge der Kommission eine gute Basis für eine Sicherung der gesetzlichen Rente - auch wenn sich Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und damit für Alterssicherung wegen aktueller Entwicklungen deutlich veränderten.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

bos/sig/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser