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13.03.2020, 10.11 Uhr

Strafzinsen erhöht: Ab 5.000 Euro! So hart bitten Banken ihre Kunden zur Kasse

Das Geld auf dem Tagesgeldkonto wird weniger statt mehr. Die Zahl der Kreditinstitute steigt, die Negativzinsen an Sparer weitergeben. DIESE Banken berechnen ihren Kunden immer mehr Strafzinsen.

Immer mehr Kreditinstitute in Deutschland führen Strafzinsen ein. Bild: dpa

Minuszinsen statt Zinsen auf das Ersparte: Immer mehr Banken und Sparkassen geben nach Daten des Verbraucherportals "biallo.de" Negativzinsen an einen Teil der Privatkunden weiter. Nach Auswertungen des Finanzportals sollen bislang insgesamt 211 Banken und Sparkassen Strafzinsen auf Giro-, Fest- oder Tagesgeldkonten verlangen. Gut die Hälfte davon, nämlich 113, sollen auch bei ihren Privatkunden kräftig zulangen.

Immer mehr Banken berechnen ihren Kunden Negativzinsen

Damit hat sich die Zahl der Banken, die Strafzinsen an Privatkunden weiterreichen seit der letzten "Biallo"-Erhebung fast vervierfacht. Betroffen sind dem Bericht zufolge je nach Institut Bestands- und/oder Neukunden. Am häufigsten betroffen sind demnach Bankkunden ausNordrhein-Westfalen. Dort erheben dem Portal zufolge 42 Banken Strafzinsen auf das Ersparte ihrer Kunden. In Bayern sind es 39 und in Baden-Württemberg 36. Dahinter folgen Niedersachsen mit 16 und Rheinland-Pfalz mit 15.

Strafzinsen auch auf Tagesgeldkonto

Dabei räumen Geldhäuser ihren Kunden normalerweise gewisse Freibeträge ein, die von den Strafzinsen ausgenommen sind. "Beim Tagesgeld gibt es bereits eine Handvoll Institute, die Negativzinsen ab dem ersten Euro kassieren.", schreibt "Biallo". Bei Girokonten würden sich die Banken hingegen noch zurückhalten, da hier auch rechtliche Hürden bestehen, berichtet das Portal.

DIESE Banken lassen ihre Kunden Negativzinsen zahlen

Zu den knapp 30 neuen Bank-Instituten, die ihre Strafzinsen auf ihre Kunden abwälzen, zählen neben regionalenVolks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen:

  • die Kreissparkassen Euskirchen und Heilbronn, die VR-Bank Schweinfurt, die Volksbank Essen-Cappeln und die Volksbank Köln-Bonn.
  • Überregionale Banken, die schon länger Negativzinsen für Privat- und/oder Geschäftskunden erheben, sind unter anderem Comdirect, Commerzbank, DKB, GLS Bank und Postbank.

Dabei verlangen die meisten Bankhäuser in der Regel minus 0.5 Prozent auf höhere Beträge (ab 5.000 Euro).Diesen Strafzins müssen Finanzinstitute an die Europäische Zentralbank (EZB) zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Damit wollen die Währungshüter Anreize für die Kreditvergabe schaffen, um die Konjunktur anzukurbeln.

Kritik an Geschäftspraxis der Banken

Verbraucherschützern zufolge sind Negativzinsen grundsätzlich verboten. Sie seien bei Bestands- und Neukunden nur zulässig, wenn das Verwahrentgelt explizit mit den Kunden vereinbart worden sei. "Es reicht nicht, lediglich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu ändern", sagte Dorothea Mohn, Leiterin des Finanzmarktteams bei Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Betroffene sollten bei Zweifelsfragen die Verbraucherzentralen kontaktieren. 

Grundsätzlich sehen Verbraucherschützer Negativzinsen bei "gängigen" Summen auf Spar- oder Girokonten kritisch. "Aus unserer Sicht ist das wirtschaftlich nicht erforderlich. Die Banken verdienen nach wie vor gut", sagte Mohn. Betroffene Kunden sollten über einen Wechsel des Kreditinstitutes nachdenken.

Nicht alle Banken verhängen Negativzinsen

Verbände wie der Genossenschaftsverband erwarten allerdings keine Negativzinsen auf breiter Front. Die Volks- und Raiffeisenbanken nähmen den "Schutz des Spargedankens" sehr ernst, sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Ingmar Rega jüngst. "Es wird viel mehr über die Weitergabe von Negativzinsen diskutiert als über den ausbleibenden Vermögensaufbau für die Altersvorsorge der Menschen", beklagte Rega.

Auch die Commerzbank will das Gros ihrer Kunden weiter vor Negativzinsen verschonen. "Wir versuchen den Sparer weitestgehend von den Belastungen freizuhalten. Das funktioniert im Moment auch noch", sagte Konzernchef Martin Zielke jüngst der "Bild"-Zeitung. Im November hatte die Commerzbank angekündigt, sie suche mit Privatkunden, die deutlich mehr als eine Million Euro auf ihrem Bankkonto haben, das Gespräch über alternative Anlagemöglichkeiten.

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sba/news.de/dpa

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