19.11.2019, 15.42 Uhr

Dreiste Abzocke bei der Volksbank: DESHALB werden Bankkunden schon ab 1 Euro zur Kasse gebeten

Was für eine dreiste Masche: Sparer einer bayerischen Volksbank müssen jetzt die Kosten für die anhaltende Nullzins-Politik tragen und schon ab einen Euro Strafzinsen zahlen. Wir verraten Ihnen, was Sie gegen die Strafgebühren tun können. 

(Symbolbild): Die erste Volksbank erhebt ab einen Euro Strafzinsen auf Privatkonten. Bild: picture alliance/Markus Scholz/dpa

Wer aktuell in Deutschland spart, muss drauf zahlen. Bislang mussten Bankkunden nur bei höheren Beträgen auf ihre Konten Negativzinsen zahlen. So haben es etwa 40 Banken und Sparkassen geregelt. Jetzt geht eine Volksbank einen Schritt weiter und verlangt schon bei einem niedrigen Kontostand Zusatzkosten. Das sollten Bankkunden dazu wissen.

Strafzinsen schon ab 1 Euro - Erste Volksbank erhebt Zusatzgebühr

So erhebt die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck ab dem ersten Euro ein Verwahrentgelt, wie die Negativzinsen auch genannt werden, in Höhe von 0,5 Prozent. Betroffen sind nur Tagesgeldkonten, die seit dem 1. Oktober 2019 neu eröffnet wurden. Andere Kunden seien davon bislang ausgenommen, erklärte Vorstand Robert Fedinger auf Anfrage.

Bislang sind nach Angaben des Vergleichsportals Verivox vor allem Firmen und Privatkunden mit Vermögen ab 100.000 Euro betroffen. Vereinzelt wird dieser Freibetrag der Stichprobe zufolge aber bereits unterschritten. So hat Anfang November die Volksbank Magdeburg diesen Wert unterschritten. Sparer müssen schon ab einem Kontostand von 75.000 Euro auf ihrem Tagesgeldkonto Strafzinsen zahlen.

Obwohl diese bayerische Volksbank bislang das einzige Kreditinstitut ist, dass schon ab einem Euro Strafgebühren erhebt, stehen andere Geldhäuser weiter unter Druck. Laut Experten wird der anhaltende Nullzins-Kurs möglicherweise bald auch Kunden anderer Banken treffen. "Wenn die neue EZB-Chefin Lagarde den Nullzins-Kurs weiterführt, wird die Deutsche Bank das machen. Dann wäre ein Tabu gebrochen und die Negativzins-Welle rollt auf Sparer zu", sagt Hans-Peter Burghof gegenüber "Bild". Dann werden die Belastungen auf Privatkunden abgewälzt.

Wissen Sie schon?Mit DIESER fiesen Masche werden Bankkunden getäuscht

Strafzinsen: Wie erkennen Verbraucher, ob sie betroffen sind?

Banken und Sparkassen dürfen Negativzinsen oder Verwahrentgelte nicht über den Kopf der Kunden hinweg einführen. "Will eine Bank von ihren Bestandskunden einen Negativzins erheben, muss sie dies mit den betroffenen Kunden individuell vereinbaren", erklärt Oliver Maier von Verivox.

Denn für Negativzinsen gelten höhere Anforderungen als andere Zinsänderungen: Einem Urteil des Landgerichts Tübingen zufolge kann die Bank nicht einfach den Preisaushang ändern und so Negativzinsen einführen ( Az.: 4 O 187/17). Darauf verweist auch Sascha Straub, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern. Ihm zufolge dürfen Banken ein Verwahrentgelt zudem nicht einseitig durch Aufnahme in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen einführen.

Was gilt bei neuen Konten?

Wird ein Konto neu eröffnet, kann die Bank grundsätzlich ein Verwahrentgelt festlegen. Aber: "Privatkunden müssen noch nicht damit rechnen, dass ein Verwahrentgelt für Einlagen unter 100.000 Euro eingeführt wird. Es müsste individuell vereinbart werden und im Vertrag explizit als Extrakosten erkennbar sein", so Straub. Sonst sei die Regelung überraschend und unwirksam.

Verbraucherschützer halten es zudem für unwirksam, zusätzlich zur Kontoführungsgebühr ein Verwahrentgelt zu erheben. So werde eine Leistung unerlaubterweise doppelt bepreist, wie aus einem Urteil des Landgerichts Tübingen hervorgeht ( Az.: 4 O 225/17).

Wie können sich Sparer gegen verlangte Strafzinsen wehren?

Der BVR empfiehlt Kunden, sich zu Anlagemöglichkeiten beraten zu lassen. Die Zinsen auf Giro- und Tagesgeldkonto sind auch bei anderen Banken nicht üppig. Im Schnitt gibt es auf das Tagesgeldkonto noch 0,05 Prozent, vereinzelt sind aber nach Verivox-Angaben auch 0,65 Prozent Zinsen drin. Alternativen zu Banken mit Verwahrentgelt gibt es nach wie vor. "Wir raten, solche Banken abzustrafen, indem man wechselt", rät Verbraucherschützer Straub.

Warum gibt es Negativzinsen?

Die Einführung begründen Institute mit den Strafzinsen, die für sie fällig werden, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband etwa nennt als Herausforderung, die Interessen aller Kunden mit dem "Stabilitätserfordernis der einzelnen Institute" auszugleichen. Vor allem für sehr hohe Einlagesummen werde ein Verwahrentgelt erhoben, um es für die Mehrheit der Sparer nicht einführen zu müssen, so der Verband.

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bos/loc/news.de/dpa

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